Nervenkostüm angespannt: Scharfe Töne bei 2. TV-Duell zwischen Berlusconi und Prodi!

'Sie borgen Ihr gutmütiges Pfarrersgesicht der Linken' Steuerpolitik und Wirtschaft standen im Mittelpunkt<br><b>Umfrage:</b> Prodi oder Berlusconi - wer gewinnt Wahl?

Nervenkostüm angespannt: Scharfe Töne bei 2. TV-Duell zwischen Berlusconi und Prodi!

Bei dem TV-Duell zwischen dem italienischen Ministerpräsidenten, Silvio Berlusconi, und seinem Herausforderer Romano Prodi ist es zu scharfen Wortgefechten gekommen. Trotz der strengen Regeln der von RAI 1 ausgestrahlten Fernsehdebatte versuchte Berlusconi ein paar Mal seinen Gegner zu unterbrechen, als der das Problem des ausufernden Defizits und der zunehmenden Steuerhinterziehung unter der Mitte-Rechts-Regierung anprangerte. "Ich begreife nicht, wie es möglich ist, dass die Linke ständig Italien und ihre Regierung verleumdet, indem sie die Wahrheit völlig entstellt", kommentierte Berlusconi.

Prodi mahnte den Premier, ihn nicht zu unterbrechen und ihn zu respektieren. Er beschuldigte den Ministerpräsidenten und seine Regierungskoalition, ihn ständig beleidigt zu haben. "Man hat mich als 'armen Mann' und als 'Hase' bezeichnet, doch ich lasse mich von diesen Tönen nicht beeinflussen", betonte Prodi.

Der Oppositionschef ärgerte Berlusconi, als er den Zahlenschwall, mit dem der Ministerpräsident die Resultate seiner Regierung im Wirtschaftsbereich aufzulisten versuchte, als den Versuch eines Betrunkenen bezeichnete, sich an einer Straßenlaterne zu stützen, um nicht zu fallen. Auf diese Worte reagierte Berlusconi heftig. "Diese Worte kann ich nicht akzeptieren, Sie müssen dem Regierungschef Respekt zollen", meinte er.

Auch Berlusconi sparte nicht mit Attacken gegen seinen Gegner. "Lassen Sie mich sagen, dass Sie ein nützlicher Idiot sind. Sie borgen Ihr gutmütiges Pfarrersgesicht der Linken, die zu bis zu 70 Prozent aus Kommunisten besteht", meinte Berlusconi. Öfters warnte der Regierungschef die Italiener davor, eine Mitte-Links-Allianz zu wählen, die aus elf Parteien besteht. "Prodi wird nicht fähig sein, Italien die politische Stabilität zu sichern", mahnte der Regierungschef.

Die Steuerpolitik der beiden politischen Blöcke stand im Mittelpunkt der 90 Minuten langen TV-Diskussion, die vom "König" der italienischen Polit-Show, dem Starjournalisten Bruno Vespa, moderiert wurde. Prodi versicherte, dass er eine Erbschaftssteuer für Vermögen im Wert von "einigen Millionen Euro" einführen wolle. Berlusconi erwiderte, dass Prodi und seine oppositionelle Mitte-Links-Allianz, der zwei kommunistischen Parteien angehören, gegen den Privatbesitz und gegen ein auf Eigeninitiative basiertes Wirtschaftssystem seien. "Die Linke hasst den Privatbesitz, sie denkt, dass Kapital unmoralisch ist und dass Ersparnisse fast ein Privileg sind", betonte Berlusconi.

Am Ende des TV-Duells richteten der italienische Ministerpräsident, Silvio Berlusconi, und sein Herausforderer Romano Prodi einen Wahlappell an die Wähler. Prodi beschuldigte die Mitte-Rechts-Regierung, Italien zwischen Arme und Reiche, Norden und Süden, Arbeitslose und Beschäftigte gespalten zu haben. Er rief die Wählerschaft zu einem gemeinsamen Kampf auf, um Italien nach Jahren der Stagnation wieder in Schwung zu bringen. "Ich fordere insbesondere die Jugendlichen auf, wieder zu Hauptakteuren der Gesellschaft zu werden. Der Einzelne kann nur gut leben, wenn auch der Rest der Gesellschaft gut leben kann", meinte der Oppositionschef.

Regierungschef Berlusconi setzt in seinem Appell auf Steuerpolitik. Er warnte davor, dass die Opposition die Einkommenssteuer und die Besteuerung der Kapitalerlöse erhöhen will. Der Regierungschef versprach, dass er die Immobiliensteuer ICI abschaffen werde. "Der Besitz einer Eigentumswohnung ist für uns heilig wie die Familie", sagte Berlusconi.

"Wir haben in diesen fünf Jahren hart gearbeitet. Wir hätten vielleicht mehr machen können, doch Italien ist ein komplexes Land. Jetzt wollen wir die Arbeit zu Ende bringen, die wir begonnen haben. Wir wollen nicht zurückkehren, sondern weiter voranschreiten", meinte Berlusconi.

Der Ministerpräsident beschuldigte Prodi erneut, nur ein Strohmann der kommunistischen Parteien zu sein. Die Mitte-Links-Allianz habe keinerlei Chancen, Italien zu regieren. Wie könne denn Prodi eine Allianz aus Kommunisten, Globalisierungskritikern und Vatikan-Gegnern wie die Mitglieder der Radikalen Partei langfristig führen?, fragte Berlusconi. "Sollte Prodi auch die Wahlen gewinnen, wird er niemals in der Lage sein, Italien zu regieren", sagte der Ministerpräsident.

Prodi erwiderte, Berlusconi habe keinerlei Initiative zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung ergriffen, die in Italien die höchste der Welt sei. "Sollte es uns gelingen, auch nur ein Drittel der in Italien schwarz erwirtschafteten Summen einzutreiben, hätten wir das Problem des Defizits gelöst", betonte Prodi. Er dementierte Medienberichte, nach denen er Haftstrafen für Steuersünder plane.

Sinkende Einschaltquoten
Das zweite und letzte TV-Duell zwischen dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und dem Spitzenkandidaten der Opposition, Romano Prodi, verzeichnete im Vergleich zur ersten Fernsehdebatte am 14. März sinkende Einschaltquoten. Zwölf Millionen Zuschauer verfolgten das von RAI 1 gesendete TV-Duell, das vom Starjournalisten Bruno Vespa moderiert wurde und 90 Minuten dauerte. Dies entspricht einem Anteil von 42 Prozent. Weitere 844.000 Italiener verfolgten die Debatte auf dem Privatsender La 7, der das Duell ebenfalls ausstrahlte.

Am 14. März hatten 16 Millionen Italiener die Fernsehdebatte zwischen Berlusconi und Prodi verfolgt. Dies entspricht einer Einschaltquote wie bei Matches der italienischen Fußballnationalmannschaft. (apa/red)