Erdbeben von

6.200 Tote geborgen:
Einäscherungen angeordnet

Dramatische Lage in Nepal: Hilfe kommt nur langsam an. 600.000 Häuser zerstört.

  • Bild 1 von 46 © Bild: APA/EPA/KISHOR RANA

    Erdbeben in Nepal

    Der völlig zerstörte Durbar Platz in Kathmandu in einer Luftaufnahme

  • Bild 2 von 46 © Bild: REUTERS/Wolfgang Rattay

    Erdbeben in Nepal

    In Notzelten schlafen Überlebende in dieser Aufnahme des roten Kreuzes

In Nepal steigt die Zahl der Toten auch sechs Tage nach dem verheerenden Beben unvermindert rasch an: Am 1. Mai meldeten die Behörden, über 6.200 Leichen seien geborgen worden. Am Vortag waren es noch 5.500. "Die Leichenhallen sind überfüllt und wir haben Anweisungen erhalten, die sterblichen Überreste sofort nach ihrer Bergung einzuäschern", sagte Raman Lal, ein indischer Militärangehöriger.

Der Gestank der verwesenden Leichen unter den Trümmern erschwerte es den Überlebenden zusätzlich, in ihre Heime zurückzukehren, schilderte Lal die Lage im Unglücksgebiet. Der österreichische Caritas Helfer Andreas Zinggl war indes am Donnerstag in der Region Chautara/Sindhupalchwok in einem entlegenen Dorf, um dort mit Helfern Lebensmittel zu verteilen. Die Lage in den Dörfern stellte sich weiterhin dramatisch dar: Hilfe kommt nur langsam an. Die Menschen schliefen Tage nach dem Beben weiterhin unter freiem Himmel, immer wieder regnet es und die Temperaturen erreichen maximal zehn Grad, berichtete die Caritas am Freitag.

1.000 Europäer vermisst

Auch keine Lebenszeichen gibt es von etwa tausend Europäern. Die meisten der Betroffenen seien zum Wandern im abgelegenen Langtang-Gebirge im Himalaja unterwegs gewesen, sagte die EU-Botschafterin in Nepal, Rensje Teerink, am Freitag in Kathmandu. Keine Hinweise gibt es indes auf verletzte oder tote Österreicher, sagte Außenministeriumssprecher Martin Weiss.

Hilfe kommt nur langsam an

Zahlreiche Nepalesen packten inzwischen aus Frust über die schleppende Erdbeben-Hilfe des Staates selbst an: "Die Menschen in meiner Nachbarschaft haben beschlossen, etwas zusammenzustellen, weil sie von der Regierung enttäuscht sind", sagte ein freiwilliger Helfer in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Die Gruppe benutze sein Büro im Stadtteil Sanepa, um die Hilfsgüter zu sammeln und zu verteilen. "Es gibt viele Freiwillige, die beitragen wollen." Derzeit verteilten sie Zelte und Medikamente.

Aufgrund der schwachen Infrastruktur gelange die Hilfe nur schwer in die entlegenen Regionen des Landes. Lokale Medien berichteten, an manchen Orten seien die Menschen so verzweifelt, dass sie Lastwagen stoppten und die Hilfsgüter einfach an sich nahmen. Indes beruhigte sich die Lage in Kathmandu, wie es nach Einschätzungen der Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico international hieß.

Kathmandu Struck By Powerful Earthquake
© 2015 Getty Images Chaos bei den Hilfsarbeiten ist an der Tagesordnung.

Chaotische Planung

Unterdessen beschwerte sich ein Team der Rettungshunde-Akademie Nepals auf Twitter, in der Stadt Gorkha nahe dem Epizentrum seien zu viele Suchteams. Es gebe keine gesicherten Informationen, und die Planungen verliefen chaotisch. Das Beben der Stärke 7,8 im Himalaya war das schwerste in Nepal seit mehr als 80 Jahren. In den Nachbarländern Indien und China starben zusammen mindestens weitere 100 Menschen.

Die nepalesischen Behörden gehen hart gegen Leute vor, die Profit aus dem Chaos schlagen wollen: Wer die Preise der Grundnahrungsmittel erhöhe, müsse mit einer Strafe von 2.000 US-Dollar (rund 1.780 Euro) und zehn Jahren Gefängnis rechnen, warnte die Regierung nach Angaben von Ocha. Auch hinter Gerüchten bevorstehender neuer Beben steckt nach Einschätzung der Behörden kriminelle Energie. "Solche Gerüchte werden meist von Kleinkriminellen in Umlauf gebracht, die dann in die Häuser einbrechen, die die Leute verlassen haben", sagte Polizeisprecher Prajwal Maharjan. Vier Menschen wurden nach Polizeiangaben wegen solcher Einbrüche festgenommen.

Hoffnung auf weitere Überlebende schwindet

Die Hoffnungen, weitere Überlebende aus den Trümmern zu retten, schwinden nach Angaben des Büros für Katastrophenhilfe. Am Donnerstag waren noch einmal zwei Überlebende aus den Trümmern gezogen worden, aber die Such- und Rettungsaktionen gingen nach Angaben des Büros langsam zu Ende. Nun sei die Herausforderung, Tote zu bestatten, Vermisste zu identifizieren und Familien wieder zusammenzuführen.

Zur nicht nachlassenden Furcht vor weiteren schweren Erschütterungen trugen auch Nachbeben bei, die jedoch keinen größeren Schaden anrichteten. Nach Angaben der UN sind bei dem Beben der Stärke 7,9 rund 600.000 Häuser zerstört worden.

Zwei Milliarden Dollar benötigt

Finanzminister Ram Sharan Mahrat erklärte, sein Land benötige mindestens zwei Milliarden Dollar, um Wohnhäuser, Krankenhäuser, öffentliche Gebäude und historische Stätten wieder aufbauen zu können. "Dies ist nur eine vorläufige Schätzung und es wird einige Zeit brauchen, um den Schaden zu ermessen und den Wiederaufbau zu bewerten", sagte er.

Kommentare