Nach Erdbeben von

Nepal: Aggressivität wächst

Überlebende verzweifeln wegen der katastrophalen Versorgungslage

Nepal © Bild: REUTERS/Navesh Chitrakar

Den Rettern im Erdbeben-Gebiet läuft die Zeit davon: Im Mai erreicht der Monsun Nepal, schon jetzt erschweren Regenfälle immer wieder die Arbeiten. Im Wettstreit um Nahrungsmittel wächst zugleich die Aggressivität. Ein Bericht über die Rettung eines Überlebenden vier Tage nach dem Beben, gab den Helfern neue Hoffnung.

Allerdings zogen die Bergungskräfte vor allem Tote aus den Trümmern - inzwischen sind es allein in Nepal mehr als 5.000. Helfer fürchteten, dass die Zahl deutlich steigt, wenn weitere abgelegene Regionen erreicht werden.

Zu weniger als zehn Österreichern kein Kontakt

Die Zahl der im nepalesischen Erdbebengebiet vermuteten Österreicher, die bisher nicht erreichbar waren, ist auf "unter zehn" gesunken. Das sagte Außenministeriumssprecher Martin Weiss am Mittwoch auf APA-Anfrage. Immer mehr Personen gelang indes die Ausreise. Flugzeuge, die Hilfslieferungen nach Kathmandu brachten, nahmen Ausländer mit in andere Staaten. Weitere Personen reisten mit Bussen aus.

Die bisherigen Rückreisen in die Heimat erfolgten "sehr individuell", erläuterte Weiss, beispielsweise über Doha. Ein Mitarbeiter der österreichischen Botschaft in Neu-Delhi sei nach wie vor in Kathmandu, um den Betroffenen zu helfen. Der Ministeriumssprecher sah jedoch bereits eine "gewisse Entspannung". Es gab weiterhin keinen Hinweis auf verletzte oder ums Leben gekommene Österreicher.

Mann nach 82 Stunden gerettet

Wie die Zeitung "Nepali Times" online berichtete, wurde ein Mann nach fast 82 Stunden unter den Trümmern in Kathmandus Stadtteil Gongabu gerettet. Ein zweiter Mann dort habe es nicht geschafft. Nach UNO-Angaben wurden 14 Menschen seit dem Beben der Stärke 7,8 von professionellen Hilfstrupps aus dem Schutt geholt.

Kritik an Regierung

Wegen der schlechten Versorgungslage mehrte sich Kritik an der Regierung. Es gebe bereits vereinzelte Streitereien um Trinkwasser, berichtete das UNO-Büro für Katastrophenhilfe (Ocha) in der Nacht auf Mittwoch. "Ungleiche Verteilung erhöht das Risiko von Auseinandersetzungen unter den Betroffenen." Regierungschef Sushil Koirala warb am Dienstagabend um Verständnis: Die Regierung werde aus ihren Fehlern lernen, betonte er.

Der ohnehin überlastete Flughafen musste am Mittwoch vorübergehend wegen Rissen in der Landebahn gesperrt werden, wie lokale Journalisten berichteten. Die Risse seien aber schnell repariert worden. Zahlreiche Flüge mit Helfern und Hilfsmaterial mussten in den vergangenen Tagen wegen Überlastung des Flughafens unverrichteter Dinge wieder umkehren.

Mittlerweile sind Hilfsteams aus mehr als 15 Nationen in Nepal - koordiniert von den Vereinten Nationen und der nepalesischen Regierung. Am meisten würden derzeit Suchtrupps gebraucht, aber auch Zelte für Krankenhäuser, Leichensäcke und Generatoren, schreibt Ocha.

Unterstützung aus dem Vatikan

Unterstützung kam auch aus dem Vatikan: Der Päpstliche Rat Cor Unum hat 100.000 Dollar (91.500 Euro) Soforthilfe überwiesen, teilte der Vatikan laut Kathpress mit. Die Summe sei ein erster konkreter Ausdruck der Nähe und Ermutigung von Papst Franziskus. Die österreichische Caritas hatte am Dienstag 250.000 Euro als Erdbeben-Soforthilfe zur Verfügung gestellt.

Das Beben hatte große Teile des 31-Millionen-Landes Nepals sowie das angrenzende Indien und das chinesische Tibet getroffen. Betroffen sind nach UNO-Angaben acht Millionen Menschen. In den Gebieten rund um das Epizentrum sind bis zu 90 Prozent der Gesundheitsversorgung nicht funktionsfähig.

Suche nach dem Überlebensnotwendigsten

Viele von Kathmandus 700.000 Einwohnern sind auf der Straße, um nach dem Überlebensnotwendigsten zu suchen. "Wir müssen jetzt Essensvorräte anlegen", sagte Chejum Gurung, die sich sechs Kindern aus ihrer Nachbarschaft angenommen hat. "Ich fühle noch immer, dass der Boden unter mir sich bewegt. Oder vielleicht sind es nur meine Beine."

Angst vor Nachbeben

Aus Angst vor Nachbeben verbrachten viele Tausende die Nächte im Freien. Gerüchte verbreiten sich wie Lauffeuer: Er habe gehört, dass das nächste Beben die Stärke 15 haben werde, sagte ein junger Mann. Regierungsbehörden und Helfer baten in sozialen Netzwerken, die Menschen nicht mit unwahren Gerüchten zu erschrecken.

Spendenkonto UNICEF Österreich: AT466000000001516500, "Nothilfe Nepal", www.unicef.at/nothilfe-nepal

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