Neonazi-Prozess in Graz von

Zehn Männer angeklagt

Grölen von Nazi-Parolen - Gericht wirft Beschuldigten NS-Wiederbetätigung vor

Neonazi-Prozess in Graz - Zehn Männer angeklagt © Bild: APA/DPA/Woitas

In Graz hat am Montag ein großangelegter Geschworenenprozess um NS-Wiederbetätigung begonnen. Insgesamt zehn Männer sind angeklagt. Den Angeklagten wird vorgeworfen, durch grölen von Nazi-Parolen Ausschreitungen provoziert zu haben, aber auch Aufkleber für Holocaust-Leugner Gerd Honsik verteilt zu haben. Der Prozess wurde zunächst auf elf Tage anberaumt.

Von den zehn Angeklagten mussten sich acht bereits im Frühjahr vor Gericht verantworten, teilweise wurden sie auch - nicht rechtskräftig - zu sechs bis 18 Monaten Haft verurteilt. Dabei ging es allerdings ausschließlich um Körperverletzungen bei zwei Auseinandersetzungen in einem Lokal sowie bei einem Grazer Public-Viewing zur Fußball-WM im Juni 2010. Nun soll zur Sprache kommen, was die Schlägereien überhaupt ausgelöst hat, denn nach Angaben von Zeugen sollen die Angeklagten rechtsradikale Äußerungen getätigt haben.

Bei dieser zweiten - und schwerwiegenderen - Prozessrunde ist auch das Verbreiten von Aufklebern mit der Aufschrift "Freiheit für Honsik" Thema. Gerd Honsik, hartnäckiger Holocaust-Leugner, wurde zuletzt 2010 nach dem NS-Verbotsgesetz verurteilt und soll in diesem Prozess als Zeuge gehört werden.

Unter den Beschuldigten befindet sich auch der Oststeirer Franz Radl, der immer wieder in Zusammenhang mit nazifreundlichen Äußerungen ins Visier der Ermittler geraten ist. Radl war einer der Verdächtigen in Zusammenhang mit den Briefbomben, die ab 1993 in Österreich explodiert waren. Bei einer Hausdurchsuchung wurde bei Radl eine CD sichergestellt, die die Aufschrift: "Holocaust ohne Maske: Nur die Wahrheit macht frei, für den Schulunterricht ab der 4. Klasse geeignet, eine Multimediashow zur Korrektur der Jüd. Geschichtslügen" trug. Radl kandidierte 2005 im oststeirischen Fürstenfeld bei den Gemeinderatswahlen, konnte mit seiner Liste "Franz" aber nicht in die Stadtregierung einziehen.