Negroponte warnt vor einer Konfrontation:
Allianz der moderaten Kräfte in Pakistan

Negroponte fordert zu Kooperation mit Opposition auf USA arbeiten an Plänen für die Nach-Musharraf-Ära

Negroponte warnt vor einer Konfrontation:
Allianz der moderaten Kräfte in Pakistan

US-Vizeaußenminister John Negroponte hat den pakistanischen Militärmachthaber Pervez Musharraf vor einer "Konfrontation" mit Oppositionsführerin Benazir Bhutto und den gemäßigten Kräften gewarnt. Dadurch würden allein die Extremisten im Lande gestärkt, sagte Negroponte nach pakistanischen Angaben bei seinem Treffen mit dem Staatschef in Islamabad. Musharraf, dessen Regime seit 2001 von Washington Zuwendungen von zehn Milliarden Dollar erhalten hat, wies die Forderung nach einer sofortigen Aufhebung des vor zwei Wochen verhängten Ausnahmezustands erneut zurück. Nach Angaben eines Mitarbeiters sagte der Staats- und Armeechef, er werde versuchen, den Ausnahmezustand so schnell wie möglich zu beenden; er könne jedoch kein Datum nennen.

Auch an Bhutto, die sich nach viertägigem Hausarrest wieder frei bewegen konnte, appellierte Negroponte in einem Telefongespräch, sich kooperativ zu zeigen. Er habe bekräftigt, wie wichtig es sei, dass die moderaten Kräfte in Pakistan zusammenarbeiten. Nach anfänglicher Annäherung war die Vorsitzende der Pakistanischen Volkspartei (PPP) und frühere Premierministerin auf Distanz zu Musharraf gegangen und hatte zum "Kampf der Demokratie gegen die Diktatur" aufgerufen. Die pakistanische Regierung hatte am Freitag den Hausarrest gegen Bhutto aufgehoben. Die USA befürchten, die innenpolitische Krise in Pakistan, das über Atomwaffen verfügt, könnte islamistischen Kräften in die Hände spielen.

Bereits Pläne für Nach-Musharraf-Ära
In US-Regierungskreisen wird laut "New York Times" hinter den Kulissen bereits an Plänen für die Nach-Musharraf-Ära gearbeitet. Washington hatte auf eine Verständigung zwischen dem Militärmachthaber und Bhutto gesetzt, doch hat die PPP-Vorsitzende inzwischen den Abbruch ihres Dialogs mit Musharraf über eine etwaige Machtteilung verkündet. Bhuttos Heimkehr nach achtjährigem Exil war erst möglich geworden, nachdem Musharraf auf US-Druck die gegen sie erhobenen Korruptionsanklagen per Dekret für nichtig erklärt hatte.

Musharraf hatte am gestrigen Freitag eine Übergangsregierung unter seinem Gefolgsmann Mohammedmian Soomro vereidigt. Das Interims-Kabinett unter dem bisherigen Oberhausvorsitzenden soll bis zur Parlamentswahl im Amt bleiben. Zugleich bekräftigte Musharraf, dass er am 9. Jänner als Termin für die Wahlen festhalte. Er warf Benazir Bhutto vor, den Wahlen wegen mangelnder Siegeschancen aus dem Weg gehen zu wollen.

Araber kappen pakistanisches Satelliten-TV
Die Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) haben den größten pakistanischen privaten Fernsehstationen nach Angaben der Sender die Ausstrahlung ihrer Programme per Satellit untersagt. GEO-TV und ARY seien von den Behörden der VAE aufgefordert worden, mit sofortiger Wirkung ihre dort aufgestellten Sendeanlagen abzuschalten, berichteten die beiden Sender in Islamabad. Die Anordnung sei nicht begründet worden. Beide Sender gehen aber davon aus, dass sie auf Verlangen der pakistanischen Regierung unter Militärmachthaber Pervez Musharraf erfolgt ist. Nach der Verhängung des Ausnahmezustandes durch Musharraf vor zwei Wochen hatte die pakistanische Regierung die Ausstrahlung aller privaten Fernsehprogramme per Kabel unterbunden und die Satellitenverbindungen solcher Sender gekappt, die von Pakistan aus operieren.

(apa/red)