Neffe von Karadzic will sein einziger Helfer gewesen sein: In Wohnungen versteckt

In Ex-Jugoslawien versteckt: Keine Auslandsreisen In vier oder fünf gemieteten Wohnungen versteckt

"Ich war der einzige Helfer", behauptet Dragan Karadzic, ein Neffe des festgenommenen mutmaßlichen bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic. "Nur ich habe gewusst, dass hinter der Identität von Dragan Dabic der ehemalige Präsident der Republika Srpska steckte", beteuerte der Sohn vom Karadzic' Bruder Luka mehreren Belgrader Medien gegenüber.

Demnach habe sich Karadzic die ganze Zeit hindurch in Belgrad und in "anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawien" versteckt. Einen Reisepass habe er nicht gehabt, auch keine Auslandsreisen unternommen, behauptet Dragan Karadzic. Nur er habe mit dem Onkel telefonisch kommuniziert und seine Botschaften der Familie überbracht. Er habe den Onkel mit Proviant und sonstigem versorgt. Denn bis vor einem Jahr soll Radovan Karadzic die vom Neffen gemieteten Wohnungen - es soll vier oder fünf gegeben haben - nie verlassen haben.

Dragan Karadzic bestätigte für die Tageszeitung "Vecernje novosti" die Angabe von Mila Cicak, der vermeintlichen Geliebten des Haager Angeklagten, dass er auch jene Vorträge zur Bioenergetik besucht habe, welche Karadzic alias "Dragan Dabic" in den vergangenen Monaten landesweit gehalten hatte.

Kein Kommentar der Behörden
Von den Behörden wurden die Angaben von Karadzic Junior nicht kommentiert. Medien spekulieren unterdessen auch darüber, dass es sich um ein Ablenkmanöver handeln dürfte. Karadzic will womöglich die Aufmerksamkeit vom Netz seiner Helfer ablenken. Gegenüber seinem Anwalt beteuerte er nämlich, keine Helfer gehabt zu haben. Seinen einstigen Militärchef Ratko Mladic, ebenfalls einen flüchtigen Haager Angeklagten, soll er 1997 zuletzt gesehen haben. Bosnische Medien berichteten unterdessen, dass von der Staatsanwaltschaft in Sarajevo rund 100 Personen wegen der vermeintlichen Zugehörigkeit zum Netz von Helfern Karadzic' unter die Lupe genommen worden seien.

Die Tageszeitung "Blic" spekulierte, dass Karadzic im Tribunalsgefängnis Scheveningen sehr wahrscheinlich in demselben Stockwerk untergebracht sein wird, in welchem der kroatische General Ante Gotovina weilt und wo einst auch der Ex-Präsident Jugoslawiens, Slobodan Milosevic, seine Haftzelle hatte. Von 89 Haftzellen des Haager Tribunals sind zur Zeit 37 besetzt. Den vorliegenden Erkenntnissen nach sei es so gut wie sicher, dass Karadzic nicht in demselben Stock wie die Gruppe der bosnisch-serbischen Offiziere seine Zelle haben werde, gegen welche ein Gerichtsverfahren wegen des Massakers in Srebrenica laufe, berichtete das Blatt.
(apa/red)