Naziverbrecher Heim angeblich schon tot:
War Nummer Eins auf der Wiesenthal-Liste

Früherer KZ-Arzt wurde auch "Dr. Tod" genannt Tötete hunderte Häftlinge mit Injektionen ins Herz

Naziverbrecher Heim angeblich schon tot:
War Nummer Eins auf der Wiesenthal-Liste © Bild: APA/Harald Schneider

Der meistgesuchte NS-Verbrecher Aribert Heim ist nach Informationen der "New York Times" und des ZDF schon lange tot. Der frühere KZ-Arzt sei bereits am 10. August 1992 in Kairo an Darmkrebs gestorben, ergaben gemeinsame Recherchen der beiden Medien. Der gebürtige Österreicher, der auch "Doktor Tod" genannt wurde, war bisher in Südamerika vermutet worden.

Heim arbeitete in den Konzentrationslagern Sachsenhausen (1940), Buchenwald (1941) und Mauthausen. Im oberösterreichischen KZ soll er hunderte Häftlinge mit tödlichen Injektionen unter anderem direkt ins Herz umgebracht zu haben. Augenzeugen berichteten, er habe aus der gegerbten Haut eines Opfers einen Lampenschirm für den Lagerkommandanten herstellen lassen.

Zum Islam konvertiert
Laut der Mitteilung des ZDF war Heim zu seiner Tarnung Anfang der 1980er Jahre zum Islam konvertiert und trug seitdem den Namen Tarek Farid Hussein. Das ZDF habe eine Aktentasche von Heim gefunden, in der sich mehr als 100 Dokumente befanden. Darunter seien die Kopie eines ägyptischen Passes, Anträge auf Aufenthaltsgenehmigungen, Kontoauszüge, persönliche Briefe und medizinische Unterlagen gewesen. Danach lasse sich zweifelsfrei nachweisen, dass Hussein der gesuchte Nazi-Verbrecher war.

Die Recherchen würden auch von zahlreichen Zeugen bestätigt, unter ihnen der Sohn des Gesuchten, der derzeit in Baden-Baden lebe. "Ja, mein Vater hat in Kairo gelebt", sagte der Sohn in einem ZDF-Interview. Er habe seinen Vater Mitte der 1970er Jahre erstmals in Kairo besucht und auch nach einer Krebsoperation Anfang 1990 über mehrere Monate gepflegt. Er habe seinen Vater auch mit den Vorwürfen konfrontiert, die er von sich gewiesen habe. Ägyptische Freunde, Bekannte und auch der Arzt des NS-Verbrechers wussten laut ZDF nichts von dessen Vergangenheit.

Schon frühe Hinweise
Ein Sprecher des Landeskriminalamts Baden-Württemberg bestätigte, dass es schon im Jahr 1967 einen Hinweis gegeben habe, wonach Heim in Ägypten gearbeitet habe. "Die Recherchen von "New York Times" und ZDF passen zu den jüngsten Erkenntnissen der Behörde. Die Informationen konnten jedoch noch nicht amtlich überprüft werden."

Heim wurde im Jahr 1914 im steirischen Bad Radkersburg geboren und promovierte im Jahr 1940 in Wien zum Doktor der Medizin. Nach dem Zweiten Weltkrieg praktizierte er im süddeutschen Baden-Baden als Frauenarzt. Als im Jahr 1962 Anklage gegen ihn erhoben wurde, tauchte er unter. Das Wiesenthal-Zentrum vermutete ihn zuletzt in Südamerika, wo auch seine uneheliche Tochter Waltraud lebt. Die österreichische Regierung schrieb im Jahr 2007 eine Prämie von 50.000 Euro für zweckdienliche Hinweise zu seiner Ergreifung aus.

Erst voriges Jahr setzte ihn das Wiesenthal-Zentrum erstmals an die Spitze der Liste der meistgesuchten Kriegsverbrecher. Heim löste Alois Brunner ab, von dem es hieß, angesichts seines hohen Alters sei es unwahrscheinlich, dass er noch am Leben sei. Der Leiter des Wiesenthal-Zentrums, Ephraim Zuroff, sagte, Heim stehe auf derselben Stufe mit dem berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele und sei "der größte Fisch", der noch zu fangen sei. Noch im vorigen Jahr reiste Zuroff im Rahmen der "Operation: Letzte Möglichkeit" in den Süden Argentiniens und Chiles, um nach Hinweisen auf Heim zu suchen. Anschließend schloss er nicht aus, dass der Gesuchte, der heute 94 wäre, noch am Leben sein könnte.
(apa/red)