Nazi-Verbrecher von

Mauerfall rettete Nazi

profil: SS-"Hauptsturmführer" Alois Brunner stand kurz vor Auslieferung an DDR

Nazi-Verbrecher - Mauerfall rettete Nazi © Bild: APA

Alois Brunner (98), der wichtigste unter den Naziverbrechern, die noch am Leben sein könnten, soll nach Informationen des Wiener Nachrichtenmagazins "profil" 1989 kurz vor der Auslieferung an die DDR gestanden sein. Dies sei jedoch durch den Fall der Berliner Mauer verhindert worden. Der Österreicher galt als "rechte Hand" Adolf Eichmanns. Als "Ingenieur der Endlösung" soll der SS-"Hauptsturmführer" für die Ermordung von etwa 130.000 Juden aus mehreren Ländern die Verantwortung tragen. 1954 war er nach Syrien geflüchtet, wo er 2001 zum letzten Mal gesehen worden ist.

In seiner am Montag erscheinenden Ausgabe beruft sich "profil" auf bisher unveröffentlichte Stasi-Akten, die laut Vorausmeldung vom Samstag nahelegen, dass es Ende der 1980er-Jahre Verhandlungen zwischen der DDR und Syrien über eine Auslieferung Brunners nach Ostberlin gab, wo der NS-Kriegsverbrecher umgehend verhaftet werden sollte. Die Initiative dazu war von den Nazi-Jägern Beate und Serge Klarsfeld ausgegangen. "Wir haben der DDR vorgeschlagen, dass man Brunner in Damaskus festnimmt und nach Berlin-Schönefeld ausfliegt", so Beate Klarsfeld gegenüber "profil". Sie fügte hinzu: "Wir haben uns von denen aber nie vereinnahmen lassen."

Das französisch-deutsche Ehepaar hat sich bei der Aufspürung von Naziverbrechern einen Namen gemacht. 1968 hatte Beate Klarsfeld den damaligen deutschen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) geohrfeigt, um auf dessen einstige NSDAP-Mitgliedschaft hinzuweisen. Österreich warf sie wiederholt vor, ein Zufluchtsort für NS-Verbrecher zu sein.

Gespräche zwischen Ostberlin und Damaskus
Die Gespräche zwischen Ostberlin und Damaskus dürften bereits weit gediehen gewesen sein: "Es wird davon ausgegangen, dass Brunner, Alois, möglicherweise von der SAR (Syrische Arabische Republik) in die DDR abgeschoben wird", heißt es in einem "profil" vorliegenden Aktenvermerk der DDR-Staatssicherheit aus dem Jahr 1988. Ein Jahr später, im April 1989, wurde auch die oberste Führung der DDR informiert: "Genosse Erich Honecker (Staats- und Parteichef) hat festgelegt, dass der Generalstaatsanwalt der DDR die erforderlichen Maßnahmen zur Vorbereitung der Strafverfolgung Brunners für den Fall seines Eintreffens in der DDR einleitet", notierte DDR-Außenminister Oskar Fischer. Dem kam schließlich aber der Fall der Berliner Mauer zuvor. Die Kontakte um die Auslieferung Brunners rissen dann ab.

Erst unter dem früheren Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und seiner Justizministerin Maria Berger (nunmehr Richterin am Europäischen Gerichtshof) war im Juli 2007 entschieden worden, eine staatliche Prämie in Höhe von 50.000 Euro für zweckdienliche Hinweise zur Ergreifung von Alois Brunner auszuschreiben.

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www.profil.at