Schatzsuche von

Filmreife Jagd auf Nazi-Schatz

Ein Rätsel auf einem Notenblatt sorgt für eine bayrische Dan-Brown-Schnitzeljagd

US-Soldaten nach dem zweiten Weltkrieg mit Nazi-Schätzen © Bild: Getty Images/Hulton

Der oberbayerische Ort Mittenwald steht Kopf. Der Niederländer Leon Giesen sucht dort nach einem Nazi-Schatz. Die Zutaten zur Suche erinnern an einen wahrgewordenen Dan-Brown-Thriller. Ein auf einem Notenblatt versteckter Code soll eine Schatzkarte sein. Giesen glaubt jetzt, das Rätsel gelöst zu haben. Die Gemeinde hat die Probebohrungen erlaubt.

Der Code soll auf einem Notenblatt zum "Marsch Impromptu" des Komponisten Gottfried Federlein versteckt sein, wie der "Spiegel" berichtet. Textzeilen, Zahlen und Runen sollen den Weg zum Versteck des Nazi-Schatzes weisen. Adolf Hitlers Privatsekretär Martin Bormann soll das Rätsel in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zwischen den Noten versteckt haben. Die Partitur landete dann allerdings nicht wie geplant bei einem Münchner Parteifreund, sondern tauchte Jahrzehnte später beim niederländischen Journalisten Karl Hammer Kaatee auf. Soweit die Legende.

Dieser versuchte dann jahrelang den Code zu knacken. Nach seinem Scheitern veröffentlichte Kaatee das Notenblatt - und erhielt unzählige Hinweise. Für die Echtheit gibt es keine Beweise. Der Garmisch-Partenkirchener Heimatforscher Jürgen Proske ist davon aber überzeugt: "Es ist eine Schatzkarte, die ihrer Entschlüsselung harrt", sagt er.

Ist der Code geknackt?
Leon Giesen ist sich jetzt sicher, den Code geknackt zu haben. Die eingefügte Textzeile "Wo Matthias Die Saiten Streichelt" soll eine Anspielung auf Geigenbauer Matthias Klotz sein - und zwar in Mittenwald. Es soll sich außerdem eine schematische Darstellung des damaligen Schienenverlaufs mit zwei Strecken in Mittenwald in der Rätsel-Partitur befinden. Ziffernkombinationen, Runen und die Stelle "Enden der Tanz" soll darüber hinaus auf die Stelle hinweisen, wo einst die Prellböcke standen.

Mit der Erlaubnis der Gemeinde in der vergangenen Woche wurde gebohrt. Drei Löcher wurden gemacht, fünf Meter ging es hinab - und man wurde fündig! "Die Geologen nennen es eine Anomalie, einen Fremdkörper, der dort nicht hingehört", erklärt Giesen über den noch nicht näher erforschten Fund. Es handle sich jedenfalls um eine große Menge Metall. Jetzt sucht der Niederländer eine Firma, die mit ihm umfangreiche Grabungsarbeiten durchführt. 25.000 Euro braucht er dafür, die er mittels Crowdfunding aufstellen möchte. Über einen Dokumentarfilm denkt Giesen auch schon nach.

Vorsichtige Zurückhaltung zeigt derweil Heimatforscher Proske: "Das könnten Kisten sein, vielleicht aber auch einfach ein Kanaldeckel." Für Spannung ist jedenfalls gesorgt.

Unzählige Nazi-Schätze
Mittenwald ist mit seinem angeblichen Nazi-Schatz alles andere als allein. An vielen Orten existieren Mythen und Legenden um verborgene Reichtümer der Nationalsozialisten. Bekanntestes Beispiel in Österreich ist dafür der steirische Toplitzsee.

Dort wurde auch immer wieder und teils mit gewaltigem Aufwand gesucht und getaucht. Neben gefälschten Pfundnoten, die 1959 gefunden wurden, sorgte vor allem ein Fund im Jahr 2000 für Aufsehen. Die US-Tauchfirma Oceaneering holte nach drei Wochen kostspieliger Arbeit eine Kiste aus den Tiefen des Sees - und wurde bitter enttäuscht: Sie war voll mit Kronkorken von Bierflaschen. Innen stand sogar "Leider Nicht". Eine Wirtshausrunde hatte den wertlosen Müll fast dreißig Jahre davor als Gag im Toplitzsee versenkt.

© APA/Wrana Der "Schatz" aus dem Toplitzsee im Jahr 2000

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