Bündnis von

NATO: Russland-Stopp
hat Folgen für Afghanistan

Ranghoher NATO-Diplomat: Drogenbekämpfung und Hubschrauberwartungen in Gefahr

Die Armee in Afghanistan © Bild: REUTERS/Stringer

Der Stopp in der Zusammenarbeit zwischen NATO und Russland ist vermutlich folgenreicher als bisher angenommen. Im Gegensatz zu Äußerungen von NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen vom Dienstagabend wird es keine Zusammenarbeit mehr bei der Bekämpfung des Drogenschmuggels in Afghanistan und bei der Wartung von Hubschraubern der afghanischen Armee mehr geben, sagte ein ranghoher NATO-Diplomat.

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Der Transit nichtmilitärischer Güter der Afghanistan-Schutztruppe ISAF durch Russland sei möglicherweise nicht betroffen, weil dies kein offizielles Projekt des NATO-Russland-Rates sei, so der Diplomat am Mittwoch in Brüssel am Rande eines Treffens der NATO-Außenminister. Es handle sich um bilaterale Vereinbarungen. Rasmussen hatte gesagt, er rechne mit einer Fortführung des Ausbildungsprojekts gegen Drogenschmuggel und des Hubschrauberprojekts, "weil wir ein gemeinsames Interesse am Erfolg unseres Einsatzes in Afghanistan haben".

NATO sucht nach "anderen Wegen"

Der NATO-Diplomat sagte, die Projekte sollten weitergehen - allerdings ohne eine Kooperation mit Russland. "Wir suchen nach anderen Wegen, um die Ausbildung der Drogenbekämpfer durch andere Stellen und mit anderen Partnern zu gewährleisten", sagte er. Beim Hubschrauberprojekt sei die Ausbildung afghanischer Piloten auf russischen Hubschraubern kein Problem, bei der Ersatzteilbeschaffung werde man "kreativ" sein müssen.

Er rechne nicht damit, dass es in den kommenden Monaten wieder eine Kooperation mit Russland geben werde. "Das wird nicht passieren. Wir sehen Russland jetzt ganz anders", sagte der NATO-Diplomat. "Da ist eine klare Erkenntnis, dass das, was passiert ist, Teil eines Musters russischen Verhaltens ist. Es war kein Einzelfall", sagte er mit Blick auf die Situation in der Ukraine. Inzwischen sei klar, dass Russlands Militäraktion in Georgien 2008 Teil einer Politik sei, bei der sich Moskau nicht an "das politische Regelwerk" halte. Über Jahre habe die NATO Russland und russische Aktionen durch eine "optimistische Brille" gesehen. Dies sei vorbei: "Es ist wichtig zu betonen, wie viel Vertrauen verloren gegangen ist."

Vertrauen müsste erst wieder aufgebaut werden

Möglicherweise könne das Vertrauen wieder hergestellt werden: "Aber wenn es wieder aufgebaut wird, muss es von Russland wieder aufgebaut werden." Die NATO habe eine solche Situation nicht herbeiführen wollen: "Wir haben das hier nicht gesucht, wir haben darauf nicht gehofft, im Gegenteil, wir haben an einer strategischen Partnerschaft gearbeitet."

Die Aussetzung der Kooperation sei zeitlich unbegrenzt. Die Wiederaufnahme hänge von der Entwicklung der Lage ab. Beim nächsten Treffen der NATO-Außenminister im Juni soll diese Entscheidung überprüft werden.

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