NATO will Planung für Einsätze optimieren: Konsequenz aus Problemen in Afghanistan

Truppen & Kapazitäten nicht ausreichend vorhanden US-Minister Gates für NATO-Übungen mit Georgien

NATO will Planung für Einsätze optimieren: Konsequenz aus Problemen in Afghanistan © Bild: AP/Niedringhaus

Als Konsequenz aus den schwierigen Erfahrungen in Afghanistan will die NATO Planung und Finanzierung ihrer Einsätze verbessern. Die Verteidigungsminister der 26 NATO-Staaten berieten in London darüber, wie die notorischen Probleme bei der Beschaffung von Hubschraubern und anderen Transportkapazitäten für die Truppen der Allianz beseitigt werden könnten. Der britische Verteidigungsminister Des Browne forderte von seinen Kollegen mehr Engagement.

Die NATO bekomme "nicht die Truppen und Kapazitäten, die sie braucht", wurde Browne von der britischen Nachrichtenagentur PA zitiert. "Es besteht ein Missverhältnis zwischen unseren Ambitionen und dem, was wir tatsächlich leisten." Als Beispiel nannte Browne die schnelle Eingreiftruppe NRF der NATO, für die ursprünglich binnen kurzer Zeit bis zu 25.000 Soldaten mobilisiert werden können sollten. Weil die NATO-Staaten aber nicht so viele Truppen in Reserve halten wollten oder konnten, musste die NRF verkleinert werden.

Kapazitäten fehlen
Browne beklagte weiter, es fehle den NATO-Truppen an "hinreichenden Kapazitäten wie dem Lufttransport innerhalb von Einsatzgebieten". Dieses Problem besteht vor allem in Afghanistan, wo angesichts schwieriger Witterungsbedingungen nicht jede Art von Militärhubschrauber eingesetzt werden kann. Die Bundeswehr etwa kann nur rund ein Viertel ihrer insgesamt 80 CH-53-Maschinen in Afghanistan einsetzen. Da die 20 Afghanistan-tauglichen Maschinen zudem regelmäßig zur Wartung ausgetauscht werden müssen, ist nur ein kleiner Teil tatsächlich vor Ort verfügbar.

Engere Zusammenarbeit mit Georgien
US-Verteidigungsminister Robert Gates sprach sich vor dem Treffen für eine engere Zusammenarbeit der NATO mit Georgien aus. Er räumte allerdings ein, entgegen dem Wunsch der USA lehnten westeuropäische NATO-Mitglieder wie Deutschland und Frankreich eine baldige Aufnahme Georgiens in das westliche Militärbündnis weiter ab. "Ich glaube, wir müssen vorsichtig vorgehen, weil es innerhalb des Bündnisses klar unterschiedliche Meinungen gibt", sagte Gates vor Journalisten. Er wolle sich für "einen Mittelweg" einsetzen. Als Beispiel nannte er gemeinsame Übungen der NATO und der georgischen Streitkräfte. Dies wäre nach Ansicht Gates "nicht provokativ". Erst am Montag war während einer Sitzung des NATO-Rats in Tiflis eine gemeinsame NATO-Georgien-Kommission ins Leben gerufen worden.

Die NATO hat Georgien zwar grundsätzlich eine Mitgliedschaft in Aussicht gestellt, bislang wurde der Kaukasus-Staat aber noch nicht einmal ins Vorbeitrittsprogramm der Allianz aufgenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere westeuropäische Regierungschefs hatten sich auf dem NATO-Gipfel in Bukarest im April gegen einen solchen Schritt gewandt, weil Georgien dafür noch nicht reif sei. Die Bundesregierung sieht sich in dieser Haltung nach dem von Georgien begonnenen Krieg um Südossetien eher bestätigt. Kritiker machen hingegen geltend, der zweideutige NATO-Beschluss vom April habe Russland zum Einmarsch in Georgien ermutigt.

(apa/red)