NATO zerstört Haus auf Gaddafis Residenz:
Regime spricht von einem Tötungsversuch

Hafenstadt Misrata steht unter schwerem Beschuss Libyen: Österreichischer Journalist wird festgehalten

NATO zerstört Haus auf Gaddafis Residenz:
Regime spricht von einem Tötungsversuch © Bild: APA/EPA

NATO-Kampfflugzeuge haben den Regierungskomplex des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi in Tripolis angegriffen und ein Gebäude zerstört. Ein Regierungssprecher wertete dies als Versuch, den Herrscher umzubringen. Rund 45 Menschen seien bei dem Angriff auf das für Ministertreffen genutzte Gebäude verletzt worden, 15 von ihnen schwer. Die Angaben konnte nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Die Rebellenenklave Misrata (Misurata) geriet indes einem Augenzeugen zufolge unter schweren Beschuss durch die Gaddafi-Truppen, bei dem mindestens 30 Menschen getötet wurden. Ein österreichisch-südafrikanischer Journalist wird unterdessen offenbar vom Regime in Libyen festgehalten. Das österreichische Außenministerium bemüht sich um seine Freilassung.

Aufgrund "zahlreicher Kontakte" wird davon ausgegangen, dass es Anton Hammerl (41) den Umständen entsprechend gut geht, wie Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal mitteilte. Auf einen Zeitpunkt für Hammerls Freilassung wollte sich Launsky-Tieffenthal nicht festlegen. Der Fotograf, der in London wohnt, war am 5. April verschwunden. Hammerl hat selbst nicht in Österreich gelebt. Er sei hierzulande nie gemeldet gewesen, so Launsky-Tieffenthal. Der in Südafrika geborene Fotograf, der für mehrere britische Medien arbeitet, dürfte das Kind von österreichischen Auswanderern sein. In Südafrika gab es in Johannesburg und Pretoria vergangene Woche Demonstrationen für die Freilassung von Hammerl.

"Macht nur Kindern Angst"
Gaddafis Sohn Saif al-Islam zeigte sich vom NATO-Bombardement unbeeindruckt. Die Regierung werde sich davon nicht einschüchtern lassen. "Das macht nur Kindern Angst", wurde al-Islam von der staatlichen Nachrichtenagentur Jana zitiert. Es sei unmöglich, die Regierung durch derartige Angriffe zur Aufgabe zu zwingen. Zwar wurde der Komplex Bab al-Asisija schon mehrfach getroffen. In den vergangenen Tagen verstärkte die westliche Militärallianz aber wohl die Angriffe. Am Wochenende wurde offenbar ein Bunker in der Nähe der Regierungsgebäude beschossen. Nach Darstellung der Regierung handelte es sich jedoch um einen Parkplatz.

Der Tod des Machthabers ist nicht das erklärte Ziel der NATO. Mit den Angriffen soll eine UN-Resolution zum Schutz der Zivilbevölkerung Gaddafis Soldaten umgesetzt werden. Allerdings haben die federführenden Länder Großbritannien, Frankreich und die USA bekräftigt, die Angriffe erst bei einem Rückzug Gaddafis beenden zu wollen.

Misrata unter schwerem Beschuss
Regierungstruppen beschossen unterdessen die Hafenstadt Misrata, obwohl sie zuvor ihren Rückzug angekündigt hatten. Die Stadt im Westen des Landes wird von Rebellen beherrscht. Wohnviertel seien massiv mit Raketen beschossen worden, sagte ein Mitarbeiter einer oppositionellen Radiostation am Montag dem TV-Sender Al-Arabiya. Rund 60 Menschen seien verletzt worden. Die Zahl der Opfer konnte nicht unabhängig bestätigt werden. Ein Klinikarzt berichtete, durch schweren Artilleriebeschuss sei auch ein zehnjähriger Bub ums Leben gekommen.

Die libysche Regierung beharrte auf ihrer Darstellung, sich aus der seit Wochen belagerten Küstenstadt Misrata zurückzuziehen. Dabei seien die Soldaten jedoch von den Rebellen angegriffen worden und hätten zurückgeschossen. Die Truppen zögen sich aber weiter zurück, sagte ein Sprecher. Die Aufständischen sprechen dagegen von einem möglichen Täuschungsmanöver - etwa um das Verschieben von Einheiten zu verschleiern. Auch könne die Regierung versuchen, Aufständische und Anrainer gegeneinander aufzuwiegeln. Unter den Kämpfen leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Hunderte Menschen kamen in den erbitterten Schlachten ums Leben.

(apa/red)

Kommentare

Ich denke,... ..das letzte, das ein ausländischer Konfliktteilnehmer riskieren sollte, ist diesen Halunken zu eliminieren. Damit macht man ihn zum Märtyrer, schafft einen Mythos und es gibt immer noch genug Leute, die ihn dann auf ewig verehren werden und das bedeutet Bürgerkrieg in Permanenz.

Von mir aus sollen sie ihn vor den Gerichtshof stellen...aber dann gleich den franzöischen Kriegszwerg und seine Wirtschaftskumpel daneben und auch die Rebellenführer, die selbst von Beginn weg Säuberungen durchgeführt haben. Puristisch wie ich bin, will ich alle.
Denn nicht nur Gaddafi führt einen schmutzigen Krieg, skrupellos sind auch die,die unter dem Deckmantel der Humanität Leichen en Gros produzieren ohne vorher jedes diplomatische Mittel ausgeschöpft zu haben...und das haben sie nicht. Niemals.

Ivoir

\"Tötungsversuch\" Real Wargames; und ein paar Idioten haben den Joystick oder Gamepad in der Hand. Es ist sowieso nichts als Machtspiele. Warum nicht gleich die halbe Welt bombardieren, wenn schon wegen ein paar facebookrebellen Krieg geführt wird. Der Rüstungsindustrie ist sowieso schon in Euphorie und die Aktien steigen beträchtlich. Was sind ein paar tausend Tote gegenüber einem Milliardengewinn? Ach liebe Wirtschaft ohne Dich wäre das Leben stinklangweilig!

Bomben auf Tripolis Was fällt auf? Niemand hilft direkt in Syrien, im Jemen, oder vorher in Ägypten oder Tunesien. Und in den vielen anderen (afrikanischen) Staaten, wo das Volk genug hat von den Diktatoren. Warum "hilft" Amerika (Pseudonym: NATO) in Lybien?? Vielleicht weil dort Öl ist? Vielleicht weil Gadaffi als einziger in Afrika unabhängig vom Dollar ist?

Der Lybien Krieg Die Auseinandersetzung nimmt offensichtlich an Härte zu. Wenn schon die Residenz diesen durchgeknallten Pschychopatten bombardiert wird, dann kann es doch nur das Ziel sein in wie es so schön heißt "auszuschalten". Wie man das in dem Fall heisst weiss ich nicht. Jedenfalls bringen die Luftangriffe nicht den gewünschten Erfolg. Wenn der Westen eine Entscheidung erzwingen will, wird er entweder die Aufständischen mit Waffen beliefern, oder Bodentruppen einsetzen müssen. Das kann dann so enden wie in Anfghanistan. Und das will auch keiner.

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