Nationalsozialismus von

Holocaust-Gedenken

Kranzniederlegung am Heldenplatz - Kritik am Burschenschafterball

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    Heldenplatz: Hunderte Menschen beim Holocaust-Gedenken.

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    Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, Grünen-Chefin Eva Glawischnig und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek vor der Kranzniederlegung.

Einige Hundert Menschen haben am Wiener Heldenplatz den internationalen Holocaust-Gedenketag begangen. Darunter befanden sich auch Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Kirchenrepräsentanten und Parteiprominenz von SPÖ und Grünen. Nur wenige Meter von der Hofburg entfernt, wo sich am Abend schlagende Burschenschafter zum umstrittenen Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) treffen wollen, legten sie einen Kranz nieder und formten aus Blumen den Schriftzug "Erinnern und Zeichen setzen!".

Gedacht wurde der sechs Millionen ermordeten Juden sowie der Sinti und Roma, Homosexuellen, politisch Verfolgten und Behinderten, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer gefallen sind. "Ihr, die ihr heute hier tanzen und feiern werdet, wir erinnern euch an die Ermordung von zwei Dritteln des europäischen Judentums", sagte der Holocaust-Überlebende Rudolf Gelbard in seiner Rede.

Ariel Muzicant, Präsident der Wiener IKG, warnte vor der Gefahr der "Wurschtigkeit" in der Bevölkerung. Die Menschen seien bereit, eine Partei zu wählen, in der all das verherrlicht werde, was die schrecklichen Verbrechen des Nationalsozialismus ausgelöst habe, sagte er, ohne die FPÖ direkt zu nennen. "Es sind nicht die blöden Buben, die irgendwelche Hakenkreuze schmieren, die mich ängstigen, es sind diese Schreibtischtäter."

Glawischnig: Abgrundtiefe Bösartigkeit
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek erinnerte an die Symbolik des Gedenkens an jenem Ort, an dem die Menschen 1938 Adolf Hitler zugejubelt hatten. "Wir sind nicht das andere Österreich, wir sind Österreich", rief sie den Teilnehmern der Veranstaltung zu. Grünen-Chefin Eva Glawischnig sprach von abgrundtiefen Bösartigkeit der NS-Verbrechen und der Verpflichtung, diese niemals zu vergessen. "Umso perfider ist es, dass auf diesen Gräbern von Auschwitz heute getanzt wird." Einmal mehr verlangte sie den Rücktritt des dritten Nationalratspräsidenten und Burschenschafters Martin Graf.

Für die Kirchen gebe es "keine Schlussstrichmentalität", sagte der evangelische Bischof Michael Bünker. Er rief zur Wachsamkeit gegenüber Rassismus, Antisemitismus und rechtsextremem Gedankengut auf und bezeichnete es als ungeheuerliche Geschmacklosigkeit und Verhöhnung der Opfer, dass der WKR-Ball am heutigen Tag stattfinden könne. Dass auch die Kirche und viele Katholiken "in den bitteren Entscheidungsjahren des 20. Jahrhunderts" teilweise versagt und Schuld auf sich geladen hätten, erklärte die Präsidentin der Katholischen Aktion (KA), Luitgard Derschmidt.

Internationales Gedenken
Auch international ist des Holocaust gedacht worden. In Deutschland schilderte Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki im Bundestag den Beginn der Deportation der Juden aus dem Warschauer Ghetto. In Polen, Ungarn, Serbien, Slowenien und bei der UNO in New York gedachten hochrangige Politiker der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau vor 67 Jahren.