Nationalsozialismus von

70 Jahre Wannsee-Konferenz

90-minütiges Treffen legte Grundlage für geplante "Endlösung der Judenfrage"

Nationalsozialismus - 70 Jahre Wannsee-Konferenz © Bild: Corbis

Sie gehören zur Elite des Regimes: Die 15 NS-Funktionäre, die sich am 20. Jänner 1942 am Berliner Wannsee treffen, sind sich nach 90 Minuten einig. Sicherheitschef Reinhard Heydrich übernimmt die Federführung bei der "Endlösung der Judenfrage".

Das Sitzungsprotokoll, das "Judenreferent" Adolf Eichmann verfasst, wird später zum Schlüsseldokument für den Holocaust. 70 Jahre nach der Wannsee-Konferenz lässt Historiker diese Anleitung zum Völkermord nicht los.

Weitgehend unstrittig ist, dass schon vor der Konferenz die Entscheidung fiel, dass kein Jude im deutschen Einflussbereich das Ende des Krieges überleben sollte. Bis dahin hatten SS-Einsatzgruppen hinter den Wehrmachtslinien im Osten schon mehr als eine halbe Million Juden ermordet. Am Wannsee sollten die Staatssekretäre und Behördenchefs nun den gesamteuropäischen Genozid absprechen.

Anleitung zum Völkermord
Kaum verhüllt wird auf 15 Seiten der Weg in den Tod beschrieben, penibel die Zahl der Juden Europas mit 11 Millionen Menschen festgehalten. Der Kontinent sollte "vom Westen nach Osten durchgekämmt", die "evakuierten Juden" in "Durchgangsghettos" gebracht werden. Die Arbeitsfähigen sollten Straßen bauen, "wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird". Die Überlebenden sollten "entsprechend behandelt" werden. "Vernichtung durch Arbeit", lautet der Befehl.

Hatten die Beamten, die sich auf Einladung von Heydrich im Gästehaus seines Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) versammelten, die Befugnis zu einer solch weitreichenden Entscheidung? Für Norbert Kampe, Direktor der Gedenkstätte "Haus der Wannsee-Konferenz", ist das ausgeschlossen. Ohne Absicherung von oben hätten die Ministerialbürokraten ein solches Programm nicht beschließen können. "Die Entscheidung ist früher gefallen."

"Hitler hasste die Bürokratie"
Adolf Hitler selbst hat den Befehl für den Völkermord wohl nie schriftlich festgehalten. "Das passte nicht zu ihm, Hitler hasste die Bürokratie", sagt Kampe. Doch drei Tage nach seiner Kriegserklärung an die USA am 11. Dezember 1941 rief Hitler die Gauleiter aus dem gesamten Reich nach Berlin.

Mit der Ausweitung des Krieges über den Atlantik, hämmerte der "Führer" der NS-Spitze ein, sollte die Verfolgung der Juden verschärft werden. Weltweit sollten sie für die Niederlage im Ersten Weltkrieg büßen, die Juden seien auch die Urheber des neuen Krieges. "Solche Tiraden Hitlers wurden von der NS-Spitze auf die unteren Ebenen als Handlungsanweisungen weitergeleitet", sagt Kampe.

Für den Historiker Peter Longerich (London) wird nun die "Endlösung" zur Klammer der deutschen Besatzungs- und Bündnispolitik. Die Judenvernichtung sollte nicht erst nach dem gewonnenen Krieg vollzogen werden, sondern parallel zu den Kampfaktionen stattfinden.

Blankoscheck von Göring
Für die Sitzung am Wannsee hatte sich Heydrich einen Blankoscheck von Reichsmarschall Hermann Göring geben lassen. Der Sohn aus bürgerlichem Hause sollte eine "Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflussgebiet in Europa" vorbereiten. Heydrich sollte den Staatsapparat auf Linie bringen, die Beamten als Mittäter und Mitwisser "festnageln", wie Eichmann später in seinem Prozess in Jerusalem aussagte.

Heydrich drängt auch darauf, den Kreis der Opfer auszuweiten. Auf mehreren Seiten wird festgehalten, wie Juden und "Mischlinge" ersten und zweiten Grades zu behandeln seien. Der "Reichsprotektor von Böhmen und Mähren" wurde allerdings bereits Ende Mai 1942 von Widerstandskämpfern in Prag bei einem Bombenanschlag schwer verletzt, wenige Tage später erlag er einer durch die Verletzungen verursachten Infektion.

Kommentare

Die Wannsee Konferenz Ursprünglich sollte die Juden ja in ganz Europa eingesammelt und dann nach Madagaskar verschifft werden. Nachdme dem Nazis irgendwann klar, war dass das unrealisierbar ist kamen sie auf die so genannte Endlösung. \'Diese wurde ja auf der Konferenz beschlossen. Rund 12 Bonzen beschliessen den Tod von 6 Mio Menschen. Was soll man dazu noch sagen ? Nach dem Tod von Reinhard Heydrich trieb Adolf Eichmann die Sache mti voller Härte weiter, da er ja das Unternehmen Reinhard wie es genannt wurde zum "Erfolg" führen wollte. Nachdem die Bahnkapazitäten auf Grund der Lufangriffe nicht mehr zur Verfügung standen, wollte Eichmann 15.000 Menschen zu Fuss von Budapest nach Wien schicken. Soviel zum Wahnsinn der Nazis. Die Sache kamm glücklicherweise nicht zu Stande.

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