Nationalratswahlen von

Wer macht das Rennen?

Welche Partei konnte im Wahlkampf womit punkten? NEWS.AT hat nachgefragt.

Parlament © Bild: APA/Roland Schlager

Mit dem heutigen Wahlsonntag geht ein einwöchiger Intensiv-Wahlkampf zu Ende, der es nicht so wirklich in sich hatte. Seriöse Diskussionen über große Reformfragen wie Bildung, Gesundheit oder Pensionen? Fehlanzeige. Stattdessen zahllose Scharmützel an Nebenfronten wie Plakatkosten und wechselseitige Warnungen vor Regierungsvarianten abseits der wahrscheinlichsten, nämlich der Neuauflage der nur bedingt beliebten Großen Koalition. Doch wie haben sich die Parteien im Einzelnen geschlagen? NEWS.AT hat die Politikberater Heidi Glück und Peter Hajek um ihre Einschätzung zu den Kampagnen gebeten.

Bei der SPÖ orten beide Experten kaum Auffälligkeiten. Mit einer klassischen, sachlichen Kampagne unter dem Leitthema „Soziale Gerechtigkeit“ hat die Kanzlerpartei versucht, die Kernwähler anzusprechen, was auch gelungen sein dürfte. Denn es sei klar, wofür sich die Sozialdemokraten in den nächsten Jahren einsetzen werden, nämlich Bildung, Arbeit und Pensionen. Für Hajek hat auch Bundeskanzler Faymann diese Linie in den TV-Konfrontationen gut durchgezogen. Sein Signal: "Unter meiner Führung bleibt alles beim Alten und somit alles beim Guten."

ÖVP hat keinen Fehler ausgelassen

Ganz anders sieht es da beim bisherigen Regierungs-Juniorpartner Volkspartei aus. Aus sehr schlechter Ausgangslage gestartet wurde Hajeks Meinung nach noch dazu „kaum ein Fehler ausgelassen, den man machen kann.“ Soll heißen: „Kein emotionales Kernthema, die Tonalität der Kampagne entspricht nicht der Stimmung in der Wählerschaft und die Partei steht auch nicht für die propagierte Offenheit.“ Darüber hinaus sei Michael Spindelegger ebenso wenig ein Kanzlerkandidat wie vor ihm Wilhelm Molterer. Warum man einem „redlichen, aber zurückhaltenden“ Menschen wie ihm einen solchen Imagewechsel antut, bleibt für den Politologen unverständlich. Denn: „Das hat noch nie funktioniert und wird es auch diesmal nicht.“

Spindelegger als Kämpfer und Angreifer

Auch Glück sieht Fehler in der Kampagne, wenn auch an anderer Stelle. Die vorzeitige Erhöhung des Frauenpensionsalters und die Arbeitszeit-Flexibilisierung zu thematisieren, sei „sicher ein Fehler“ gewesen. Die Komplexität solcher Themen sei in einem Wahlkampf einfach schwer zu kommunizieren „und dass die Gegner versuchen, das entsprechend anders darzustellen, das muss man wissen.“ Bei der Person des Spitzenkandidaten kommt Glück zu einem anderen Fazit als Hajek. Die dynamische Darstellung Spindeleggers sei sichtbar gewesen, man hätte den Parteichef durchaus als „Angreifer und Kämpfer“ wahrgenommen. Es sei aber die Frage, ob dieser Imagewandel noch rechtzeitig gekommen sei, um noch authentisch zu wirken.

FPÖ erstaunlich ruhig

„Erstaunlich ruhig und wenig polarisierend“ sieht Glück die Kampagne der Freiheitlichen. Grund sei die Konkurrenz des Team Stronach, von dessen aggressiverem Stil man sich dadurch distanzieren wollte. Eine Taktik, die auch laut Hajek aufgegangen sei. Er ortet darüber hinaus einen gut gewählten Hauptslogan. Der „Nächstenliebe“-Begriff spiegle die Stimmung in der Zielgruppe wieder und konnte zu Beginn der Kampagne auch ausreichend provozieren, um Aufmerksamkeit zu erregen. Vor allem n die erbosten Reaktionen aus der Kirche hätten den FPÖ-Strategen dabei in die Hände gespielt.

Viel Lob für die Grünen

Die Grünen ernten von den Experten durchwegs Lob. Insbesondere hätten sie sich laut Hajek durch die emotionalen Kernthemen Umwelt und Korruptionsbekämpfung von der Konkurrenz abheben können. Darüber hinaus sei die Kampagne bemerkenswert polarisierend und auch selbstironisch, wodurch Glawischnig und Co. auch dem Vorwurf der „normenverliebten Spaßbremsen“ entgegentreten würden. Glück attestiert der Spitzenkandidatin auch eine durchwegs gute Performance in den TV-Duellen, die sie „durchwegs gewonnen“ habe. Und: auch sie sieht durch die Anti-Korruptions-Linie eine klare Positionierung in einem Bereich, in dem die Grünen über viel Glaubwürdigkeit verfügen würden.

Stronach hat an Fahrt verloren

Die ausschließliche Fokussierung auf Frank Stronach in der Kampagne seines Teams ergibt für Hajek durchaus Sinn, jedoch habe die Kampagne im Verlauf des Rennens merklich an Fahrt verloren. Glück zeigt sich insbesondere von den modernen und auffälligen Plakaten der Partei angetan, vermisst aber im Gegenzug Variationen. Dass die rein textlichen Änderungen wahrgenommen wurden, bezweifelt sie. Auch durch die Fernsehauftritte habe Stronach „vermutlich eher verloren als dazugewonnen.“ Seine Schwächen wären deutlich zu Tage getreten – einerseits skurrile Positionen, andererseits regelrechte „weiße Flecken“ im inhaltlichen Wissen über Österreich. Dass ihm das bei seiner Kern-Zielgruppe geschadet hat, glauben aber beide Experten nicht. Jedoch schaffe er es dadurch nicht, sein Potential auszuschöpfen, wovon laut Hajek die FPÖ und Strache profitieren können.

"Kein Thema, kein Profil - aber Bucher"

Das BZÖ macht hingegen das einzig richtige, urteilt Hajek. Es habe „kein Thema und kein Profil – aber Josef Bucher.“ Der Parteichef wirke sympathisch, habe die „alte Haider-Garde“ entmachtet und stehe für geradliniges Wirtschaften. Folglich schreibt er das Bündnis noch nicht ab, denn: „Totgesagte leben länger.“ Für Glücks Empfinden ist das BZÖ hingegen „zu ruhig, zu unauffällig, zu sachlich und zu defensiv“. Auch die Neuaufstellung der Partei sieht sie eher als Nachteil, da niemand die neuen Kandidaten kenne. Auch Bucher selbst sei, wenngleich bemüht, „ein bisschen zu brav“ gewesen.

Einzug für NEOS in Reichweite

Für die NEOS sehen schließlich beide Berater den Einzug ins Parlament in Reichweite. Hajek konstatiert der neuen Partei einen „sehr konturierten und Zielgruppen-orientierten Wahlkampf.“ Durch den Fokus auf einzelne Themen wie etwa Bildung versuche man, den emotionalen Hebel bei den Urbanen und gut Gebildeten zu betätigen. Auch der späte Einstieg von Bau-Tycoon Hans-Peter Haselsteiner wäre ein geschickter Schachzug gewesen, sorgte er doch noch einmal für ein Extra an medialer Aufmerksamkeit. Glück ortet auch bereits in der Zeit vor Haselsteiners Kandidatur-Bekanntgabe eine „erstaunlich hohe Medienpräsenz“ für eine Gruppierung im Aufbau, verglichen etwa mit den Piraten. Ihre Begründung für dieses Phänomen ist, dass die NEOS unter Journalisten über große Sympathien verfügen und dadurch überproportional in der Berichterstattung auftauchen würden. Damit könnte auch zum Teil kompensiert werden, „dass sie in diesem TV-Diskussions-Zirkus nicht mitspielen dürfen.“ Zusätzlich würden sie auch von der Ignoranz der ÖVP profitieren.

Ob es sich wirklich ausgeht, müsse man sich ansehen. "Dass sie aber überhaupt eine Chance haben, ins Parlament zu kommen, ist für die NEOS schon ein großer Erfolg.“

Kommentare

Nun, die Vaupen mobilisieren in NÖ ganz ordentlich. Das Hilfswerk karrt soeben alles, was gerade noch so kreucht, zu den Wahllokalen...

amnesix melden

Nur rein zufällig bringt der ORF 1 heute, am Wahltag,
den Spielfilm *Planet der Affen* .....
Das sagt eh alles ! ....

Ignaz-Kutschnberger
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:))

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Und auf der Tür zu unserem Wahllokal steht seltsamerweise das Dante-Zitat: " Laßt, die ihr eingeht, alle Hoffnung fahren."
;-))

Ich ersuche alle Mitbürger heute wählen zu gehen! Noch nie war es so leicht den korrupten Bonzen eines auszuwischen wie heute! Wählt was immer ihr wollt, aber bitte wählt SP/VP Korruptionssystem ab!

Ignaz-Kutschnberger
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Es war lustig das Kreuzerl-machen und die ganzen Shows vor der Wahl und dann auch am Wahlabend...
Geh, können wir das Polit-Theater nicht in 14 Tagen gleich nochmal machen?? ÄNDERN tut sich so und so nix...um es mit Stronachs Worten zu sagen: Der Futter-Trog bleibt gleich, nur die Schweine ändern sich :)

daphne5 melden

Und Stronach möchte nun auch einmal Schwein sein ...

Ignaz-Kutschnberger
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Nachdem ANDERE auch daraus fressen, wird das "Futter" dem Frank ja hoffentlich auch gut bekomnen... :) Oder??

daphne5 melden

Ihm schon. Aber was uns das bringen soll, wenn er sich (noch weiter) ausfrisst?

Ignaz-Kutschnberger
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Ja schau, aber mit 81 wird er vermutlich keine 10 Jahr mehr am Trog sitzen, im Gegensatz zu ANDEREN, die man vom Futtertrog scheinbar gar nimmer wegbringt :))

daphne5 melden

Es geht nicht so sehr um ihn als vielmehr um seine glanzvolle Truppe abgehalfteter Parteiwechsler, die er eingekauft hat. Die sind tatsächlich imstande, eine neue Politik zu machen? Vielleicht die Lichtgestalt Lugar?

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