Nationalratswahl von

Wenig Spannung im Wahlkampf

Einige Wahlkampf-Aufreger, aber stabile Umfragen - BZÖ und NEOS hoffen

Faymann und Spindelegger adressieren die Presse nach dem Ministerrat am 17.9.2013. Faymann schaut gelangweilt. © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Der Wahlkampf bietet nur wenig Aufregung: Er geht in seine letzte Phase, die Parteien laden zu den Abschlussveranstaltungen. In seiner vorletzten Woche brachte er zwar noch ein paar Aufreger - und mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache einen zweiten (selbst ernannten) Herausforderer von Bundeskanzler Werner Faymann. Dennoch hält sich die Spannung eine Woche vor der Nationalratswahl in Grenzen - ausgenommen wohl das BZÖ und die NEOS, die hoffen, die in den Umfragen meist verfehlte Vier-Prozent-Hürde doch noch zu schaffen.

Aber kein einziger Meinungsforscher spricht heuer von einem "Kopf-an-Kopf-Rennen". Die Umfragen weisen seit längerem beständig die SPÖ klar auf Platz 1, dahinter die ÖVP, die FPÖ, die Grünen und das Team Stronach. An möglichen Koalitionsvarianten kristallisierten sich eigentlich nur zwei heraus: Entweder wieder die Große Koalition (die seit Anfang 2007 am Ruder ist) oder eine Dreier-Variante von ÖVP, FPÖ und Team Stronach. Für Rot-Blau könnte es noch reichen, aber die SPÖ will nicht mit der FPÖ zusammenarbeiten.

Schwarz-Blau alleine wird wohl keine Mehrheit haben - und Zweier-Kombinationen mit Grün auch nicht. Rot-Schwarz-Grün würde sich wohl ausgehen, SPÖ und ÖVP zeigen aber wenig Neigung dazu. Und sie werden, wenn die Wahl nicht ganz anders ausgeht als die Meinungsforscher prognostizieren, auch zu zweit mehr als die 92 für die Mehrheit nötigen Mandate haben - selbst wenn das BZÖ oder die NEOS die Vier-Prozent-Hürde nehmen.

Schreiduell mit Strache

Auf die Umfragewerte hat sich der Intensivwahlkampf - der nicht nur auf der Straße und in Veranstaltungen, sondern auch in Fernsehen und Radio tobte - nicht sehr ausgewirkt. Die SPÖ blieb im Sonntagsfragen-Durchschnitt konstant etwas über 27 Prozent, die FPÖ bei an die 20, die Grünen an die 15 Prozent. Die ÖVP hat zuletzt ein wenig zugelegt, von über 23 auf über 24 Prozent, das Team Stronach fiel in Richtung sieben Prozent zurück.

Das mag an einem der Wahlkampf-Aufreger liegen - nämlich Frank Stronachs Plädoyer für die Todesstrafe für Berufskiller. Aufgefallen ist auch Faymann, mit einem kanzler-untypischen Schreiduell mit FP-Chef Heinz-Christian Strache im ORF-Duell. Dass die SPÖ zwei Wochen vor der Wahl ihre Steuerreformpläne detailliert ausformulierte, regte vor allem die ÖVP auf - und fügte dem wenig freundlichen Wahlgefecht der Koalitionspartner noch ein paar harsche Sager ("faules Wahlzuckerl" von VP-Chef Michael Spindelegger etwa) hinzu.

Wahlergebnis schon um 20:00 Uhr

Die NEOS erregten mit einem Ministerkandidaten Aufsehen, dem langjährigen Strabag-Chef und früheren LIF-Politiker Hans-Peter Haselsteiner. Die Oppositionsparteien versuchten es mit Sondersitzungen - die Grünen zum Thema Korruption, das Team Stronach zum Lehrerdienstrecht und die FPÖ zur Direkten Demokratie. Für letztere wird der Nationalrat am Mittwoch noch einmal in alter Besetzung zusammentreten.

Vier Tage später sind dann 6,384.296 Österreicher aufgerufen, die 183 Abgeordneten für die nächsten fünf Jahre zu wählen. Am Stimmzettel finden sie österreichweit neun Parteien - SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, BZÖ, FRANK (Team Stronach), NEOS, KPÖ und Piraten -, in einzelnen Ländern ergänzt durch die Christliche Partei, den "Wandel", die Männerpartei, die EU-Austrittspartei oder die Sozialistische LinksPartei. Die Spitzenkandidaten sind fast alle männlich, nur die Grünen setzen auf ihre Parteichefin Eva Glawischnig.

Wie die Wahl ausging, wird man Sonntag zwischen 19.00 und 20.00 Uhr erfahren, wenn Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) das vorläufige Endergebnis im Pressezentrum im Parlament verkündet. Sollte das Ergebnis wider alle Erwartungen doch knapp ausfallen, könnte auch der Montag noch spannend werden: Da werden nämlich erst die Briefwahlstimmen ausgezählt - und erst am Donnerstag, wenn die in fremden Wahlkreisen abgegebenen Wahlkarten ausgewertet werden, liegt das endgültige Ergebnis vor.

Kommentare

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Es wird noch Überraschungen geben. Wegen der geringen Spannung werden viele Leute gar nicht wählen gehen. Glaube das Kleinparteien wie das BZÖ überdurchschnittlich abschneiden.

Ignaz-Kutschnberger
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@Berger...völlig RICHTIG !! Kleinparteien unter 12% werden massiv profitieren...STRONACH, Bucher Sepp, Neos...KPÖ... :)

Robert Cvrkal

Die Österreicher
wünschen einen Wechsel zu mehr Bürgermitbestimmung und TRANSPARENZ.

Ist dieser Wunsch groß genug, dann werden die Wähler ein Mittel finden diesen auch zu verwirklichen.

Oliver-Berg

Damit sich in der Republik was ändert, muss vor allem die rote Brut weg von den Pfründen und Futtertrögen. Nur dann sind echte Reformen durchsetzbar. Aber dann gehen halt wieder Gewerkschafter und Studenten spazieren sprich demonstrieren.

Oliver-Berg

Wer grün wählt findet sich eine anbiedernde Frau Glawischnig, die ihren Lebensstil, Kinder weg zu organisieren, per Zwang jeder österreichischen Familie aufzwingen will, wer BZÖ wählt wählt eine Truppe, die zu wenig Stimmen hat um etwas zu bewegen. Stimmen für NEOS kann man gleich als Reststimmenticket für etablierte Parteien vergessen, die schaffen den Einzug in den NR nicht.

Oliver-Berg
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Die einzige Chance die man hat, wenn man Patriot ist aber nicht auf die beiden Großparteien setzt ist entweder

FPÖ zu wählen (da graust mir innerlich davor) oder
Stronach (auch nicht begeistert)

aber jede Stimme für schwarz oder rot bedeutet, dass diese unheilige Allianz weitergeführt wird und sich nichts ändert.

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Strache und Stronach. Unbedingt, der Reigen aus Todesstrafe und Nächstenliebe dürfte apart sein. Andererseits sind Kabarettkarten doch noch nicht so teuer, dass ich eine Staatsaufführung brauche. Und wer regiert dann, wenn die Kasperletheater spielen?

Aber im Ernst, allzuviel Positives fällt mir zu unserer Bundesregierung zwar auch nicht ein, aber wenn ich an Ihre vorgeschlagene Alternative denke, ist's dann doch so, dass mir ein gebrochener Fuß allemal lieber ist als eine Operation am offenen Herzen durch medizinische Nepochanten. Güterabwägung, Sie verstehen?;-))

Und was den Patriotismus bzw. die Liebe zur Heimat betrifft, jemandem, ders ständig im Munde führt, wie ein Strache, glaube ichs ohnehin nicht. Echte Zuneigung ( Heimatliebe) ist unaufgeregt, tief und vor allem still, denn sie muss sich nicht dauernd selbst herbeireden.

Wenn wir wieder so deppert sind und diese Blindgänger von rot und schwarz wiederwählen, sowie die letzten 50 Jahre. Wenn geht packeln sie wieder und gehen zusammen damit ja kein anderer dran kann und weiter Scheiße bauen können! Österreicher wachts endlich auf!!!

Ich kann nur hoffen, dass die Umfragen fehlerhaft sind bzw. sich das Blatt in dieser Woche noch wendet. Am Ende sitzen wir sonst wieder mit rot-schwarz da ...
Bucher drücke ich die Daumen, dass er seine 4 % kriegt, würde das BZÖ aus dem Parlament fliegen, wäre das ein großer Verlust ...

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