Nationalratswahl von

Endspurt im Wahlkampf

Strache hofft auf Wunder, Strolz auf Sensation. Und Darabos kritisiert die ÖVP.

Faymann-Plakat © Bild: APA/Harald Schneider

Am letzten Wahlkampftag werfen die Parteien noch einmal Superlative in die Schlacht. NEOS-Chef Matthias Strolz ist davon überzeugt, "die Sensation des Abends" zu werden, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hofft nach wie vor auf ein "blaues Wunder". SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos strebt weiter nach 30 Prozent plus und warnt ein letztes Mal vor Schwarz-Blau-Stronach. Die Grünen begehen ihren offiziellen Wahlkampfabschluss am Samstag.

Der ÖVP unterstellte der SPÖ-Wahlkampfleiter, mit einem neu angelaufenen "Dirty Campaigning" einen in Österreich bisher nicht bekannten Stil in den Wahlkampf gebracht zu haben.

Dabei geht es um so genannte Türhänger, die etwa in Wien, Niederösterreich und Tirol aufzufinden waren. In denen wird mit einem SPÖ-Sujet dargestellt, was die "Faymann-Steuern" bedeuten würden, nämlich zusätzliche Abgaben unter anderem auf den "Schmuck der Oma", "geliebte Erinnerungen an Eltern und Großeltern", den Wohnwagen, das Auto oder den Schrebergarten-Anteil.

Impressum gibt es unter dieser Anhänger-Aktion keines, kritisierte Darabos, der angesichts des Titels "Faymann-Steuern" wenig überraschend die ÖVP oder zumindest VP-nahe Kreise hinter der Kampagne vermutet. Der Bundesgeschäftsführer forderte VP-Chef Michael Spindelegger auf, nun bekannt zu machen, ob dessen Partei oder eine ihrer Vorfeldorganisationen dahinter stecke. Wenn das so wäre, sei diese "Diffamierung" einer Regierungspartei jedenfalls "unwürdig".

ÖVP bis zum Schluss auf Stimmenfang

Die ÖVP verzichtet auf ein Großveranstaltung und schickt ihre Kandidaten mit Verteilaktionen im ganzen Land bis zum Schluss auf Stimmenfang. So warb Parteichef Michael Spindelegger am Freitagnachmittag symbolträchtig auf der angesichts der grün-roten Umgestaltungen heftig diskutierten Wiener Mariahilfer Straße nochmals für den "Kanzlerwechsel" und bekräftigte das Ziel, "Nummer 1" zu werden.

Strache hofft auf Platz zwei

Heinz-Christian Strache hofft bei der Nationalratswahl weiterhin auf ein Überschreiten der 20-Prozent-Marke für die FPÖ. "Vielleicht geht sich ja ein blaues Wunder aus", spekulierte er bei einer Pressekonferenz auch mit dem Abschneiden als zweitstärkste Partei. In diesem Fall würde er etwa in einer blau-schwarzen Koalition auf keinen Fall den Vizekanzler geben: "Ich werde nie einen Schwächeren zum Stärkeren machen."

Eine offizielle Schlussbilanz wollte sich Strache ersparen, diese werde es am Wahlsonntag geben. "Ich bin über jeden Erfolg dankbar und hoffe, dass wir die 20 Prozent überspringen", gab er sich verhältnismäßig bescheiden, "ich freue mich über jedes Plus". Die Ausgangssituation sei so schwierig wie nie gewesen, es gebe so viele Listen wie nie zuvor. "Egal wie es ausgeht, wir werden das Votum der Wähler mit Demut respektieren", machte Strache klar.

Zuversichtlicher Stronach

Frank Stronach äußerte bei seiner Abschlussveranstaltung vor rund 800 Sympathisanten in einem Festzelt im Prater die Hoffnung, so viele Stimmen zu bekommen, dass seine Partei im Parlament die Türen öffnen könne, damit neue Ideen einfließen können. Er kündigte an, ab Montag für die Bürger zu arbeiten. An eine Regierungsbeteiligung glaubt er aber offenbar noch nicht, sondern zeigte sich "zuversichtlich, dass wir bei der nächsten Wahl die Regierung formen werden".

"Selbstbewusstes" BZÖ

Siegessicher gaben sich auch die beiden kleineren Parteien, die um den Einzug in den Nationalrat bangen. Vor rund 200 Gästen im Ares-Tower in der Donaucity gab sich BZÖ-Obmann Josef Bucher "selbstbewusst und stark". Er zeigte sich nicht nur überzeugt, dass die Orangen auch nach der Wahl noch im Parlament sitzen werden, sondern auch, dass SPÖ und ÖVP ihre gemeinsame Mehrheit verlieren werden.

NEOS "am Sprung" zu fünf Prozent

Strolz zeigte sich davon überzeugt, dass seine Partei den Einzug ins Parlament schaffen werde. "Wir sind am Sprung zu unserem Wahlziel von fünf Prozent. Ich glaube daran, dass wir die Sensation des Wahlabends sein werden." Ein Grund dafür sei nicht nur "unser großer Glücksfall", nämlich Parteispender Hans-Peter Haselsteiner, sondern auch eine "beharrliche, entschlossene und leidenschaftliche" Wahlkampfleistung.

"Unsere Bekanntheit ist im September explodiert", verwies Strolz auf eigene Umfragedaten, die dem Wahlbündnis mit dem Liberalen Forum (LIF) einen österreichweiten Bekanntheitswert von 71 Prozent zuschreiben. Insgesamt habe man 429.000 Menschen direkt erreicht, 60.000 Hausbesuche gemacht und sei mit Plakaten in 268 Gemeinden präsent. Stolz ist der NEOS-Spitzenkandidat auch auf die Spendensumme von rund 1,3 Mio. Euro. "Damit sind wir das erfolgreichste Crowdfunding-Projekt in der österreichischen Politik."

Kommentare

christian95 melden

Das Volk der DDR hat sich vor über 20 Jahren von diesem politischen System verabschiedet. (Bei uns haben sich SPÖ+ÖVP auch den gesamten Staat untereinander aufgeteilt, sie verhalten sich so als ob ihnen alles gehören würde)
WIR aber wählen weiterhin SPÖ+ÖVP und wundern uns weil sich nichts ändert.

bushmaster
bushmaster melden

Und "UNSERE" Pol. Führer werden uns auch weiterhin
die direkte Demokratie , mit Absicht , vorenthalten und
uns am Nasenring herum führen. Non Voting

Ich würde mich selbst betrügen, wenn ich dieses mal nicht das BZÖ wählen würde. Der Rest ist unwählbar!

Robert Cvrkal

Wirklich leicht haben es diesmal vor allem jene die selbst kandidieren und sich damit selbst wählen können. So gesehen habe ich als Kandidat Nr. 100 der Bundesliste der wahlwerbenden Gruppierung Nr. 4 den Vorteil, dass für mich die Qual der Wahl wegfällt.

aufzeig

geht wählen Leute und zeigt was Ihr von der derzeitigen Politik haltet. Wer nicht wählen geht hat auch später nicht das Recht sich zu beschweren!

manipura melden

NEOs verdienen eine Chance!
Es muss sich endlich etwas ändern in diesem Land und die rot-schwarze Verfilzung aufgebrochen werden!

Ignaz-Kutschnberger
Ignaz-Kutschnberger melden

Hans Peter warum hast mir nicht schon lange gsagt, dass Du es bist

Für mich ist das BZÖ die große Überraschung dieses Wahlkampfes (nach der Selbstdemontage von Frank Stronach). Hätte nicht gedacht, dass Bucher so gute Arbeit leistet. Die anderen Spitzenkandidaten total farblos (und im Fall Spindi noch schlimmer)

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