Nationalratswahl 2013 von

Faymann feiert ab

Lässt es im Mühlviertler Festzelt krachen: Trachten, Bier und signierte T-Shirts

Werner Faymann © Bild: APA/Rubra

Trachten, Bier und Volksmusik und mittendrin der Bundeskanzler - das kann im Sommer 2013 nur eins bedeuten: Wahlkampf. Die "Kanzlertour" von SP-Chef Werner Faymann machte am Freitag Station beim Mühlviertler Volksfest. Die roten Anhänger nutzten die Gelegenheit weidlich, mit dem Kanzler auf Tuchfühlung zu gehen. Er bedankte sich mit unermüdlichem Posieren für Fotos und signierte nicht nur bereitwillig unzählige Autogrammkarten, sondern auch - nach kurzer Bedenkzeit - das eine oder andere T-Shirt. Oberösterreichs SP-Obmann Josef Ackerl hat schon recht, wenn er meint: Faymann ist "manchmal sehr liab", wird sich da so mancher Fan gedacht haben.

Die oberösterreichische Messestadt ist zwar schwarz, das hinderte die SPÖ aber nicht daran, sich im traditionellen Mühlviertler Volksfest quasi einzumieten und somit offizieller Programmteil zu werden - zugleich der offizielle Schlusspunkt der "Kanzler-Tour". 500 bis 600 Anhänger aus ganz Oberösterreich waren laut Parteiangaben gekommen, um Faymann, unterstützt von Ackerl, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SP-Spitzenkandidatin im Land) sowie Gesundheitsminister Alois Stöger, nach eigenem Bekunden leidenschaftlicher Mühlviertler, zu erleben.

Ziemlich "herzige" Veranstaltung

Das Ganze wurde schon insofern eine ziemlich "herzige" Veranstaltung, als die SPÖ große rot-weiß-rote Papp-Herzen verteilte, auf der man "Mit Herz und Courage für Österreich" sein konnte oder aber auch "Steuerpatriot". Entsprechende Aufkleber fanden ebenfalls reißenden Absatz. Die Stimmung war anfangs erwartungsvoll, wurde ausgelassen, als die Edlseer ihre ersten Nummern zum Besten gaben ("Rot-weiß-rot sind unsere Fahnen"... "Hoch den Krug") und artete in dezenten Jubel aus, als Faymann einzog. Geradezu überschwänglich denn auch Ackerls Eingangsworte, berücksichtigt man, dass er immer wieder gern Richtung Wien grantelt. Faymann führe das Land sicher und gerecht, und sei "manchmal sehr liab, ab und zu ein bisserl streng", letzteres etwa in den Verhandlungen ums Lehrerdienstrecht. Nach Ackerls Ansicht offenbar die richtige Mischung.

Faymann selbst hatte sich da nach Ackerls Vorbild im drückend heißen Festzelt schon längst der Krawatte entledigt und beschwor in seiner Rede eine "Richtungsentscheidung" für die Nationalratswahl am 29. September, gegen Schwarz-Blau, für soziale Sicherheit, Arbeitsplätze und generell eine gute Zukunft "für dieses wunderschöne Land". Dem wurde eifrig akklamiert, doch ein Großteil der SPÖ-Anhänger, viele vom Pensionistenverband, wollten nur eines: dem Kanzler nahe sein.

Dementsprechend lang war auch die Schlange fürs Foto mit Faymann. Der bekam viel Nettes zu hören: "Alles Gute" sowieso, "das war wirklich super" auch. Manch einer hatte ganz konkrete Anliegen: "Mehr Kunst und Kultur" hatte eine Dame handschriftlich auf ihr "Steuerpatriot"-Herz geschrieben und ließ es sich nicht nehmen, auch im persönlichen Gespräch darauf zu drängen. Am Rande schwang derweil Ackerl das Tanzbein, und auch SPÖ-Staatssekretär Josef Ostermayer kam kurz ins Hopsen.

"I love Faymann"-T-Shirt

Anti-Atom-Aktivisten - in der Region aufgrund der Nähe zum tschechischen AKW Temelin besonders aktiv - stellten sich ebenso ein wie eine hartgesottene weibliche Anhängerin, die stolz ihr "I love Faymann"-T-Shirt präsentierte. Der Kanzler möge doch darauf unterschreiben, so die Bitte. Faymann zögerte - "Ich tu normal nie was auf ein Leiberl schreiben" -, ließ sich aber erweichen. Beim nächsten Fan fiel Faymanns Zaudern noch deutlicher aus, doch auch das Rippleiberl am wohlgenährten Körper bekam seine Unterschrift.

Draußen lag indes mitnichten eine Stadt im Kanzlerfieber. Unbeteiligte Volksfest-Gäste schossen zwar die obligatorischen Handy-Fotos, nicht alle aber wollten in der prallen Sonne darauf warten, einen Blick auf Faymann zu werfen. "Gemma - i brauch des net", kommandierte eine Mutter ihre Familie in den Schatten. In die kühle Messehalle zog es schließlich auch des Bundeskanzlers Entourage. Man verkostete Kaffee des örtlichen Röstereibetriebes und - nicht zuletzt auf Wunsch des Gesundheitsministers - ein Freistädter Bier. Mit einem Standler plauderte Faymann zum Abschluss über das warme Wetter und bekam beschieden: "In Freistadt ist's immer heiß - da sind zu viele Schwarze." Zumindest im Festzelt hatte der rote Wahlkampftross dies für ein paar Stunden geändert.

Kommentare

derpradler

13 Milliarden weniger - Jahr für Jahr Drucken E-Mail

Der „Strategiebericht des Finanzministeriums zum Bundesfinanzrahmengesetz 2014-2017“ enthüllt, worum es in der Budgetpolitik wirklich geht: 13 Milliarden weniger an öffentlichen Leistungen – Jahr für Jahr. Das EU-Twopack schafft die Voraussetzungen für die Durchsetzung dieser Politik.

Vergeßt diese Wahl! In Wahrheit haben wir keine Wahlmögl

Mich würde interessieren, wer diese Partys zahlt. Beim Uwe "Verscheuch mich" hat NEWS groß aufgezeigt, dass seine Feier zum 40.Geburtstag von Steuergeld gezahlt worden sei (es gilt die Unschuldsvermutung). wer "brennt" den die Kanzlerfeste will ich wissen? NEWS will das natürlich nicht wisse, es betrifft ja die Roten. Sch....Blatt!

wieso verschweigen die medien in österreich das sich die unsoziale volkspartei den teuersten wahlmanager aus deutschland , den sogar clinton holte beauftragte ?wie schlecht muß es um die unchristlich schwarzen christen brüder stehen ???.

Oberon

Was tut man nicht alles, um Stimmen zu fangen! Man begibt sich sogar, weil's was bringen könnte, in die "Niederungen" des gemeinen Fußvolks, um Volksnähe zu demonstrieren.
Die österr. Bürger interessieren euch außerhalb von Wahlzeiten nicht einmal minimal, also, brecht euch nur nichts ab!

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