Nationalratswahl von

Handzahmer Stronach

Zweite Duellrunde brachte wenig Überraschungen und einen zurückhaltenden Stronach

© Video: ORF

Dass demnächst die Chinesen in Österreich einmarschieren könnten, war wohl das skurrile Highlight des Abends. Stronach erwähnte diese angebliche Gefahr, um zu erklären, warum er sich für die NATO und eine Aufgabe der Neutralität erwärmen kann. Sonst trat Stronach diesmal wesentlich weichgespülter als beim letzten Duell auf. Spindelegger konterte hingegen erstaunlich angriffig. Im zweiten Duell war es Werner Faymann, der ebenfalls als Regierungsmitglied wesentlich emotionaler agierte als der Oppositionspolitiker, Josef Bucher.

Vermutlich gingen die Berater von Michael Spindelegger von einem aggressiv auftretenden Konkurrenten aus, gegen den man schwer oder überhaupt nicht zu Wort kommt. Denn das war es, was sie in der vergangenen Woche gesehen hatten. Frank Stronach hatte in seinem ersten Duell ohne Unterlass geredet und hatte auch nicht davor zurückgeschreckt, Josef Bucher persönlich zu attackieren.

Frank Stronach gilt nicht gerade als Mann, den man leicht beraten könnte. Aber entweder er hatte selbst ein Einsehen oder er ließ sich dieses Mal tatsächlich beraten. Jedenfalls trat er ganz anders als in der Woche davor auf. Gab er damals noch den bösen Wolf, so hatte er diesmal Kreide gefressen.

Stronach gegen Neutralität

In der Regel hörte er zu, wenn Spindelegger sprach, was alleine schon einen ungewöhnlichen Eindruck hinterließ. Die Themenauswahl kam ihm außerdem nur bedingt gelegen. Denn es wurde nicht nur schwerpunktsmäßig über Wirtschaft, sondern auch über Außenpolitik gesprochen. Ein Thema, das nicht zu Stronachs Kernkompetenz zählt. Als Zuseher gewann man den Eindruck, dass er in diesem Themenfeld keine Sicherheit hatte und sich bislang nur wenig damit auseinandergesetzt haben dürfte.

Sowohl mit seiner Verteidigung der NATO als auch mit seiner Kritik an der Neutralität setzte er Themenschwerpunkte, die bei seiner Wählerklientel wohl nur bedingt auf Zustimmung stoßen. Als das Ganze dann noch in der Sorge vor der chinesischen Invasion gipfelte, bekam die Debatte skurrile Züge.

Stronachs „Schnapsidee“

Diese stellten sich auch ein, als Stronach einmal mehr sein Konzept für den Euro vorstellte. Ein Euro, der in jedem Land auf- oder abgewertet werden kann - das ist nicht für jedermann leicht verständlich. Für Michael Spinelegger war es eine „Schnapsidee“.

Spindelegger fand sich diesmal überhaupt in einer anderen Rolle als im ersten Kanzlerduell mit Faymann. Öfters verteidigte er Regulierungen in Österreich gegen einen „Kahlschlag“, der mit Stronach drohen würde.

Wenig Differenzen bei der Wirtschaft

Dabei attackierte er Stronach frontal, der sich trotzdem – für seine Verhältnisse – stark zurückhielt. Viele Kommentatoren fanden Spindelegger hingegen übercoacht und in der Tat wirkte es phasenweise so, als ob er mit einem ganz anders auftretenden Gegner gerechnet hätte und sich nicht schnell genug umstellen konnte. In der Sache an sich waren die Unterschiede zwischen den beiden, zumindest in der Wirtschaftspolitik, weniger groß.

Spindelegger wünschte sich ein Engagement Stronachs bei der ÖBB und trug einmal mehr das Wahlkampfmantra der „Entfesselung“ vor sich her. Für mehr wirtschaftliche Freiheit plädierten beide Kandidaten, wobei Spindelegger stärker den sozialen Aspekt betonte, der im ÖVP-Wahlkampf bisher eher unter ging.

Duell ohne Sieger

Der ÖVP-Chef konnte seine Argumente klarer und präziser argumentieren. Da sich Stronach jedoch verbal zurückhielt, fiel die Aggressivität Spindeleggers stärker auf. Es ist fraglich, ob das gerade bei der ÖVP-Kernklientel gut ankam. Alleine schon wegen des Altersunterschieds zwischen den beiden wirkte das aggressivere Auftreten des Jüngeren möglicherweise für einige Zuseher (gerade für Ältere) abschreckend.

Einen wirklichen Sieger gab es in diesem Duell auf jeden Fall nicht. In vielen Fragen sind die Unterschiede zwischen den beiden Parteien nicht so groß und Stronach wird wohl weder gewählt, weil man ihm eine Lösung der Eurokrise, noch weil man ihm eine akzentuierte Außenpolitik zutraut.

Zweites TV-Duell: Faymann vs. Bucher

Qualtinger meinte zum Spiel Kapfenberg gegen Simmering einst: „Das ist Brutalität“. Ähnlich entscheidend wie diese Unterhauspartie für die Zukunft des österreichischen Fußballs, war dieses Duell wohl für den Ausgang der Wahlen. Traf doch der amtierende Bundeskanzler auf den Chef der schwächsten Oppositionspartei, die um den Wiedereinzug in den Nationalrat zittern muss.

Trotzdem war die Rollenverteilung konträr zu den Erwartungen. Der Kanzler trat verbal angriffig und wenig staatsmännisch auf, Josef Bucher gab sich hingegen zurückhaltend und kam über weite Strecken kaum zu Wort.

Faymanns Hypo-Zorn

Für Werner Faymann war dieses Duell sicherlich schwierig. Einerseits gibt es kaum Überschneidungen zwischen SPÖ- und BZÖ-Wählerschaft. Auf Kosten Buchers zu punkten war also von vornherein nahezu unmöglich. Andererseits durfte er Bucher auch nicht zu viele Möglichkeiten geben, seinerseits Punkte einzufahren. Denn Bucher konnte von vornherein ja eigentlich nur überraschen.

Faymann entschied sich für den Angriff als Verteidigung. Das wurde besonders bei einem Thema offensichtlich, bei dem Bucher dem Kanzler potentiell unangenehm werden konnte: die Beurteilung der Hypo Alpe-Adria Notverstaatlichung. Josef Bucher ist der Meinung, dass diese nicht notwendig war und man die Bank niemals hätte kaufen dürfen. Immer mehr Meinungsmacher und Politiker im Land schließen sich dieser Haltung an. Mit diesem Thema hätte Bucher Faymann also treffen können.

Die Betonung liegt allerdings auf „hätte“. Denn Faymann wehrte dies ab, indem er sich in einen Furor redete und Bucher die Verantwortungslosigkeit seiner ehemaligen Kärntner Parteikollegen vorwarf, die für die Hypo 20 Milliarden Euro an Haftungen übernommen hatten. So emotional hat man den Kanzler kaum jemals zuvor gesehen und so drängte er Bucher ins Eck - und aus diesem Eck kam er nicht mehr heraus.

Bucher in Nöten

Bis zum Ende der Debatte war es ihm kaum möglich, sich davon wieder zu erholen. Zwar spulte der BZÖ-Chef seine üblichen Forderungen nach Steuersenkungen und einem Ende des Euro-Projektes in jetziger Form, aber ein echter Treffer gelang ihm nicht.

Faymann schlüpfte hingegen aus der Rolle des Kanzlers in die des SPÖ-Chefs, der sich mit einem anderen Parteichef matchte. Das gelang - unabhängig davon, wie man den Inhalt beurteilt - nicht schlecht. Josef Bucher wird sich hingegen überlegen müssen, ob seine besonnene Rolle in den Diskussionen nicht all zu defensiv angelegt ist. Wenn er so persönlich attackiert wird wie von Stronach, kann das zwar einen Solidarisierungseffekt beim Publikum auslösen. Aber wenn er in der Sache hart attackiert wird und selbst kaum seine Argumente anbringt (wie im Duell mit Faymann), besteht die Gefahr, dass er an die Wand gedrückt wird. Das kann sich eine Partei, die laut keiner einzigen aktuellen Umfrage derzeit den Einzug ins Parlament schafft, wohl kaum leisten.

Kommentare

Stronach hat sich mit seiner Aussage zur Neutraltiät in Österreich ein Eigentor sondergleichen geschossen.
Faymann wirkte mit seinem Geschrei nur mehr peinlich, da hat Bucher mit seiner Sachlichkeit viel mehr Sympathie gewonnen.

Will Faymann eigenlich irgendetwas machen in den nächsten 5 Jahren außer alles "sichern"? Wenn man wie Bucher sinnvolle Vorschläge macht, zuckt der Kanzler aus und bitzelt.

DerKritische
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Ich gratuliere Herrn Stronach zur gestrigen Debatte mit Herrn Spindelegger. Für mich war er der klare Sieger.
Natürlich sind viele Dinge die er gerne hätte nicht durchführbar, besonders in der Aussenpolitik hat er (noch) kein Konzept, aber das haben unsere "Altparteien" augenscheinlich auch nicht.
Aber Herr Stronach möchte ohnehin erst einmal den "internen" Sauhaufen bereinigen. Zeit wär's .

Ignaz-Kutschnberger
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:) ...nun ja @Martinek...Spindelegger hat scheinbar nicht ganz die richtige Taktik gewählt und man musste feststellen, dass auch ein Angriff nicht immer die beste Art der Verteidigung ist ;)
Respekt an Stronach...seine Verhandlungstaktik ging dermal auf :)

@ War-Lord: Man könnte annehmen, Sie sitzen in der ÖVP Zentrale und sind darauf angesetzt, im SPÖ-Magazin "News" Konter zu geben. Ist aber nicht persönlich gemeint, denn bei manchen dingen haben Sie ja recht - aber es ist halt ein bissl viel, gleich 4 kommentare hintereinander zu posten ... ;-)

Ignaz-Kutschnberger
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Ich frage mich, ob es sich eine SPÖ leisten wird können
1. Einen SCHWARZEN Kanzler zu haben, und
2. Eine Oppositionsbank mit etwa 50%
Und last but not least...wenn Faymann ja eh immer so gut mit ÖVP kann und alle in der ÖVP in den Himmel lobt...Tja, dann fragen sich viele Genossen und Genossinnen: Wozu dann überhaupt nicht gleich die ÖVP wählen ??!

Ignaz-Kutschnberger
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Und gibt es für Werner Faymann überhaupt noch ANDERE Koalitionspartner außer der ÖVP ?? Selbst alteingesessenen SPÖ Stammwähler machen sich schön langsam Gedanken: Was wenn ÖVP + SPÖ nicht die 50er Hürde packen mit einer angeschlagenen angeblich weit hinter der SPÖ liegenden ÖVP ?? Wen wird die SPÖ dann statt Werner an die Front stellen, der scheinbar weder mit FPÖ, Bucher oder Frank kann....

Ignaz-Kutschnberger
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Und ein freundschaftlicher Rat an den Werner, weil er mir sympathisch ist, der Werner...Hast Dir die Zusage vom Pröll Erwin eh schriftlich geben lassen?? Weil ÖVP und Stronach haben zusammen an die 37 %.... Nur zur Information, Werner ;)

Ignaz-Kutschnberger
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Herr Strache, vielleicht könnt eine öffentliche Entschuldigung für Glotznpolituren auch wieder möglicherweise eine FPÖ ins Spiel zurückbringen... ;) ...oder möglicherweise entdecken ja die Grünen noch ihre Nächstenliebe zu Stronach und der ÖVP ;)
Und Bucher Sepp liegt momentan noch immer bei guten 7% auch wenn das EINIGEN nicht passt :)

Oliver M. melden

Auf Bundesebene es so zu machen, wie in der Stmk ist doch eh eine gute Lösung: Eine federführende SPÖ an der Spitze mit einem starken Koalitionspartner ÖVP. Es ist halt einfach die beste und logischste Lösung, wenn man sich die restliche Parteienlandschaft anschaut. Der SPÖ vorzuwerfen, es gäbe nur die ÖVP als Partner, ist daher unseriös. Weil es ja in Ö wirklich so ist ... leider!

Ignaz-Kutschnberger
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@Oliver M. leider kann ich nur 5er Zeilen schreiben, daher die mehreren posting...
News SPÖ nahe, ist mir NEU ;)
Zenrale, nein ...aber paar Türen weiter ist da ein Schild mit da steht Erwin P. drauf...naja, vlt habens ja doch RECHT mit dem Wort Zentrale ;) ...Alles Gute, @Oliver M., FREUDE ! ;)

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lieber kriegstreiber wir verzichten auf ihre beiträge

Ignaz-Kutschnberger
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Verehrter @gemeindeberg...die Wettervorhersagen für den kommenden Wahlsonntag: Es zieht ein Sturm im nord-östlichen Wien auf, am BESTEN bleibst Du daheim und lässt die ANDEREN wählen... ;)

Ignaz-Kutschnberger
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entschuldige ...ich höre im nord-westlichen solls sogar stark HAGELN !! :)

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