Nationalratswahl '08: Kaum Grund zur Freude für Parteichefs in ihren Wohnorten

Faymann im Schnitt, geringere Zuwächse für Strache Höheres Minus für Grünen, geringeres für Molterer

Nationalratswahl '08: Kaum Grund zur Freude für Parteichefs in ihren Wohnorten © Bild: APA/Oczeret

Nur wenige Parteichefs dürften sich bei der Nationalratswahl über die Ergebnisse an ihrem Wohnort freuen. Im Wiener Heimatbezirk von SPÖ-Chef Werner Faymann lagen die Verluste im Landesschnitt, bei FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und BZÖ-Chef Jörg Haider fielen die Zuwächse bescheidener aus und im Wohnbezirk von Grünen-Frontmann Alexander Van der Bellen war ein größeres Minus zu verzeichnen als in Rest-Wien. Lediglich VP-Spitzenkandidat Wilhelm Molterer konnte in seinem Heimatort moderatere Verluste einfahren.

Im Heimatbezirk von SP-Chef Faymann, Liesing, musste die SPÖ ebenso ein Minus hinnehmen wie im gesamten Bundesgebiet. Die Sozialdemokratie sackte fast exakt dem Bundestrend entsprechend um 5,65 Prozentpunkte ab und erreichte 36,93 Prozent der Stimmen, womit sie stärkste Partei blieb. Da half es auch nichts, dass sich Faymann als Frühaufsteher entpuppte, der bereits um 7.50 Uhr zur Wahl geschritten war.

Noch höher als im Bundestrend waren die Verluste im niederösterreichischen Ybbs, der Heimatgemeinde von Noch-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S), der selbst allerdings in Wien seine Stimme abgegeben hatte. Die SPÖ büßte in Ybbs 10,74 Prozentpunkte ein und erreichte nur mehr 41,92 Prozent der Stimmen.

Kleinerer VP-Verlust in Sierning
Geringer als im gesamten Bundesgebiet waren die Verluste für die ÖVP am Wohnort ihres Spitzenkandidaten Wilhelm Molterer. Im 9.000-Einwohner-Ort Sierning im oberösterreichischen Bezirk Steyr-Land, wo der Finanzminister noch "optimistisch" seine Stimme abgegeben hatte, beträgt das Minus 4,35 Prozentpunkte. Hiermit kam die ÖVP auf 23,69 Prozent und damit auf Platz 2 hinter der SPÖ.

Trotz Zuwächsen liegt die FPÖ im Wohnbezirk ihres Chefs schlechter als im restlichen Wien. Im Bezirk Landstraße, wo Heinz-Christian Strache kurz vor dem Mittagessen in seinem Wahllokal erschienen war, beträgt das Plus "lediglich" 5,2 Prozentpunkte. In Gesamt-Wien konnte die FPÖ hingegen um 7,55 Prozentpunkte zulegen. Mit 16,58 Prozent der Stimmen blieb die FPÖ in Landstraße weiter auf dem vierten Platz.

Haider wählte in Klagenfurt
BZÖ-Chef und -Spitzenkandidat Jörg Haider hatte ebenfalls kurz vor der Fahrt zum Mittagessen sein Wahllokal in Klagenfurt aufgesucht. Die Partei des BZÖ-Landeshauptmannes erreichte in Klagenfurt 13,44 Prozentpunkte Zuwachs und insgesamt 37,61 Prozent der Stimmen. Dennoch lagen die Zugewinne unter Gesamt-Kärnten, wo mit einem Plus von 14,51 Prozentpunkten 39,41 Prozent für das BZÖ erreicht wurden.

Geteilte Freude dürfte Grünen-Chef Alexander Van der Bellen mit dem Ergebnis seiner Partei in seinem Wohnbezirk Währing haben. So betrugen die Verluste für die Grünen hier 2,78 Prozentpunkte und fielen somit höher als insgesamt in Wien aus, wo 1,96 Prozentpunkte verloren gingen. Zugleich konnten die Grünen mit 23,32 Prozent der Stimmen die SPÖ als zweitstärkste Partei in Währing ablösen.

Schmidt-Vorteil in Döbling
Leichte Vorteile gegenüber dem Trend konnte das Liberale Forum in Heide Schmidts Wahlbezirk verzeichnen. Die LIF-Spitzenkandidatin, die ihre Stimme in einer Volksschule in Döbling abgegeben hatte, konnte mit ihrer Partei hier 4,88 Prozent der Stimmen erringen - während es in gesamt Wien lediglich 3,9 Prozent waren.

Ambivalent dürfte die Einschätzung Fritz Dinkhausers bezüglich des Ergebnisses seiner Partei im Bezirk Innsbruck-Stadt ausfallen. Zwar lag man hier mit 8,94 Prozent der Stimmen marginal über dem Tiroler Gesamtergebnis von 8,82 Prozent. Bei der Tiroler Landtagswahl im Juni hatten sich allerdings noch 20,18 Prozent der Wähler für die Liste Fritz entschieden.

(apa/red)