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Gefahr im Hühnerfleisch

Gesundheitsgefährdende Keime jetzt auch in österreichischen Produkten gefunden

Nahrungsmittel - Gefahr im Hühnerfleisch © Bild: APA/DPA

Gesundheitsgefährdendes Hühnerfleisch ist nun auch in Österreich aufgetaucht. Die Umweltschutzorganisation Global 2000 hat die vier größten heimischen Produzenten auf antibiotikaresistente Keime getestet - und wurde fündig.

Gekauft wurden die Proben in vier verschiedenen Supermarktketten. Das Ergebnis sei "schockierend": Bis auf eine einzige wurden in allen Proben sowohl MRSA-(Methicillin-resistente Staphylococcus Aureus) als auch ESBL-Keime (Extended Spectrum Beta-Laktamase produzierende Escherichia Coli) entdeckt, teilte Global 2000 mit.

Schwere Krankheiten
Die in den Proben gefundenen Keime können nach Angaben von Global 2000 bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem gravierende gesundheitliche Probleme auslösen, etwa Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte, schwere Blutvergiftungen oder komplizierte Entzündungen der Haut. Da diese Keime auf Antibiotika resistent seien, die auch in der Humanmedizin eingesetzt werden, werde es immer schwieriger, geeignete Medikamente für die Behandlung zu finden.

Vier Produzenten in vier Ketten untersucht
Untersucht wurden laut Testbericht sieben Stichproben. Getestet wurden frische Hühner und Hühnerteile von vier großen Geflügelproduzenten (Lugitsch, Titz, Wech und Huber). Untersucht wurden verschiedene Hühnerteile (Brust, Keule, Flügel, Filet), die in vier Supermarktketten (Hofer, Billa, Zielpunkt und Spar) eingekauft worden waren.

Jährlich 25.000 Todesfälle
"EU-weit wird von 25.000 Todesfällen jährlich aufgrund von Antibiotika-Resistenzen gesprochen", hieß es in einer Aussendung. Heidemarie Porstner, Landwirtschaftsexpertin von Global 2000, erklärte: "Das Problem ist, dass bei der Erkrankung einzelner Tiere in der Massentierhaltung gleich der gesamte Stall mit Antibiotika behandelt wird. Das bedeutet, dass der Großteil der Hühner präventiv mit Medikamenten gefüttert wird, obwohl sie gesund sind."

Ergebnis überraschend
Überdies würden die Medikamente oft zu kurz verabreicht, sodass Resistenzen entstehen, warnte die Umweltschutzorganisation. "Es muss dringend zu einer dramatischen Reduzierung des Antibiotikaverbrauchs in der österreichischen Landwirtschaft kommen - und es dürfen keine Humanantibiotika mehr an Tiere in diesem Ausmaß verabreicht werden", forderte Porstner. "Ein so eindeutiges Ergebnis hätten wir uns nicht erwartet. Laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wurde MRSA in Hühnerfleischproben in den vergangenen drei Jahren nicht nachgewiesen. Uns reichte eine vergleichsweise kleine Stichprobe, um das Gegenteil zu beweisen."

Global 2000 fordert nun dringend eine zentrale Erfassung sowie ein bundesweites transparentes Monitoring von Antibiotikaeinsatz und Resistenzenentwicklung in der Landwirtschaft. "Es muss endlich ein Umdenken in der österreichischen Agrarpolitik stattfinden - die derzeitigen Entwicklungen finden auf dem Rücken der österreichischen Konsumenten statt. Die Regierung subventioniert die risikobehaftete Intensiv-Tierhaltung, und übt so indirekt Gesundheitsgefährdung für die Endkunden aus", kritisierte Porstner.

Kommentare

Geflügel ist immer mit Vorsicht zu behandeln ! Es ist davon auszugehen das auf JEDEM Hendl zumindest Salmonellen vorhanden sind.
Hört sich schlimm an, ist aber nicht einmal Meldepflichtig !
Wichtig für uns im privatem Haushalt ist die Richtige Durcherhitzung ( min 67 °) im Kern und sehr aufpassen womit das Fleisch in Berührung gekommen ist wie Hände, Schneidbrett, Geschirrtuch usw.
Es ist also schlecht wenn man am selben Schneidbrett die geschälten Kartoffel rauflegt wo vorher das Geflügel lag.

Forderung nach zentraler Erfassung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung Die unkontrollierten Abgaben von Antibiotika im Rahmen der Tierhaltung fördern Resistenzen und wirken sich - zumindest indirekt - auf die Gesundheit der KonsumentInnen aus.

Hier besteht unzweifelhaft Handlungsbedarf des zuständigen Bundesminister. Ich gehe davon aus, dass die Agrarwirtschaft sich hier kompromissbereit zeigt, um nicht zur Ausformung weiterer Resistenzen beizutragen und dadurch einen "Tatbeitrag" zu einer potentiellen Gefährdung von Konsumentinnen zu leisten. Die zentrale Erfassung der eingesetzten Substanzen kann ein erster Schritt sein.

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