Nahrungsmittel werden immer teurer:
Derzeit kein Ende des Preistreibens in Sicht

Ganz Asien stöhnt unter angestiegenen Reispreisen Für Experten ist Agrarenergieproduktion Preistreiber

Nahrungsmittel werden immer teurer:
Derzeit kein Ende des Preistreibens in Sicht © Bild: Reuters/Jetindra

Die explodierenden Lebensmittelpreise werden immer mehr zu einer tickenden Bombe. Ganz Asien stöhnt derzeit unter den hohen Reispreisen. In Asien ernähren sich fast drei Milliarden Menschen überwiegend von Reis. Um die ständig wachsende hungrige Bevölkerung sattzubekommen, geben die Regierungen schon jetzt Milliardenbeträge für Subventionen aus. "Selbst Leute, die seit 30, 40 Jahren im Geschäft sind, haben so etwas noch nie gesehen", sagt Wanlop Pichpongsa, Manager bei der Capital Rice Company, einem der größten thailändischen Reisexporteure. "Der Preis ändert sich von morgens bis nachmittags, wie im Aktienmarkt."

Und auch in Europa verschärft sich die Situation. Der deutsche Bauernbund-Präsident Gerd Sonnleitner meinte: "Für die Verbraucher ist die Zeit niedriger Lebensmittelpreise vorüber", Unter dem Strich würden die Ausgaben für Ernährung zwischen zwei und drei Prozent im Jahr steigen. Er führt diese Preissteigerungen auf die Landflucht in Entwicklungsländern sowie auf Spekulanten zurück. Die Produktion von Agrosprit sei jedenfalls nicht schuld.

Anders sieht das das deutsche Entwicklungsministerium. Es wies darauf hin, dass mittelfristig mit einem weiteren Preisanstieg für Lebensmittel gerechnet werde, und zwar durchaus abhängig von der Nachfrage nach Biosprit.

Die Weltbank, das International Food Policy Research Institut (IFPRI) und die Welternährungsorganisation (FAO) machen vor allem strukturelle Ursachen für den dramatischen Preisanstieg verantwortlich. Das bedeutet, dass die Zunahme von Kaufkraft in vielen Entwicklungsländern und insbesondere in den Schwellenländern China und Indien zu einer gestiegenen Lebensmittelnachfrage geführt hat. Gleichzeitig wird mehr Fleisch und Milch verzehrt. Deshalb steigt die Nachfrage nach Futtermitteln.

Biosprit als Preistreiber
Die Konkurrenz von Nahrungsmitteln mit Agrartreibstoffen ist nach Ansicht der internationalen Experten "einer der stärksten Preistreiber". Nach Berechnungen des Washingtoner IFPRI trägt die Agrarenergieproduktion je nach Szenario und Produkt zwischen 26 und 72 Prozent zu den Preissteigerungen bei Lebensmitteln bei. Darüber hinaus geht der Weltklimarat IPCC bei einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen davon aus, dass sich die klimatischen Bedingungen für die Landwirtschaft weiter verschlechtern und die Preise für Nahrungsmittel um zusätzlich 30 Prozent steigen könnten.

Biospritproduktion bedroht Regenwälder
Die Umweltschutzorganisation Friends of the Earth (FoE) hat inzwischen die EU zur Aufgabe ihres Biosprit-Ziels aufgerufen. Die für 2020 angestrebte Quote von 10 Prozent Biosprit - in Österreich soll dieser Beimischungsgrad schon 2010 erreicht werden - werde zu einer massiven Ausweitung des Energiepflanzenanbaus in Südamerika führen. Es drohten eine weitere Abholzung der Regenwälder und ein weiterer Anstieg der Lebensmittelpreise. Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Nachhaltigkeitskriterien für die Produktion von Biokraftstoffen könnten diese Entwicklung nicht aufhalten, erklärte Friends of the Earth.

EU gegen Erhöhung eigener Produktion
EU-Entwicklungskommissar Louis Michel hat sich angesichts der Nahrungsmittelkrise gegen die Erhöhung der europäischen Agrarproduktion ausgesprochen. Ein solcher Schritt drohe den Wettbewerb zwischen reichen und armen Ländern wieder anzukurbeln, sagte er zur französischen Tageszeitung "Le Monde". Neben anderen hatten sich im Gegensatz dazu der österreichische Landwirtschaftsminister Josef Pröll, der deutsche Landwirtschaftsminister Horst Seehofer und sein französischer Amtskollege Michel Barnier für eine höhere Produktion in den EU-Ländern ausgesprochen. (APA/red)