Nahostkonflikt von

Krieg in Gaza?

Israel setzt massive Luftschläge fort bisher11 Tote – UNO warnt vor Eskalation

ISraelische Luftschläge auf Gaza. Rauchwolke über Häusern in der NAcht. © Bild: Reuters/AMIR COHEN

Neue Eskalation im Konflikt zwischen Israel und der Hamas: Die israelische Luftwaffe hat ihre massiven Luftschläge im Gazastreifen auch in der Nacht zum Donnerstag fortgesetzt. Eine Armeesprecherin sagte, etwa 100 Ziele seien seit Mitternacht angriffen worden. Die palästinensische Nachrichtenagentur Safa berichtete, seit Beginn der Militäroperation am Mittwoch seien elf Palästinenser getötet und mehr als 100 verletzt worden. Unter den Toten waren den Angaben zufolge auch zwei Kinder und eine schwangere Frau. Die UNO warnt unterdessen vor „katastrophalen Folgen“. Israel lässt die Reserve einberufen, auch eine Bodenoffensive ist denkbar. Tote gibt es inzwischen auch in Israel zu verzeichnen.

Israel warf nach Medienberichten Flugblätter über dem Gazastreifen ab, die Zivilisten dazu aufriefen, sich zu ihrem eigenen Schutz von Waffenlagern fernzuhalten. Zum Auftakt der Operation "Säule der Verteidigung" hatte die israelische Luftwaffe gezielt den Militärchef der radikal-islamischen Hamas, Ahmed al-Jabari, und seinen Assistenten getötet.

Zuflucht in Schutzräumen

Militante Palästinenser feuerten seit Mittwochabend Dutzende Raketen in Richtung Israel ab. Dort suchten Hunderttausende Menschen Zuflucht in Schutzräumen. Am Donnerstagmorgen heulten in der Hafenstadt Ashdod wieder die Sirenen.

Der militärische Hamas-Arm im Gazastreifen nannte die Tötung von Al-Jabari eine "Kriegserklärung" und kündigte massive Rache an. Die israelische Armee bezeichnete Al-Jabari als "Terroristen Nummer eins" im Gazastreifen.

UNO warnt vor "möglicherweise katastrophalen Folgen"

Nach der Eskalation im Nahen Osten haben die Vereinten Nationen vor "möglicherweise katastrophalen Folgen" gewarnt. Die Situation dürfe nicht unterschätzt werden, sagte der UN-Untergeneralsekretär für Politische Fragen, Jeffrey Feltman, am späten Mittwochabend (Ortszeit) in einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats in New York. Ein konkreter Beschluss wurde nach Angaben der indischen Präsidentschaft nicht gefasst. Die Palästinenser hatten das Gremium zum Handeln aufgefordert, um die Militäraktionen zu stoppen. Israel wiederum verlangte eine Verurteilung der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen.

UN-Diplomaten berichten, dass große Einigkeit im Rat geherrscht habe und die Lage als höchst bedrohlich eingeschätzt wurde. Palästinenser und Israelis wurden zur Zurückhaltung aufgefordert. Beschlüsse standen nicht zur Debatte.

Die Sitzung des Sicherheitsrats am Abend hinter verschlossenen Türen war von Ägypten, Marokko und den Palästinensern beantragt worden. Palästinenservertreter Rijad Mansur sprach von einem rechtswidrigen Vorgehen gegen eine "wehrlose palästinensische Bevölkerung". Es herrsche Angst und Panik unter den Menschen, sagte er einem verbreiteten Redetext zufolge. Israels UN-Botschafter Ron Prosor wiederum rechtfertigte das Vorgehen seines Landes und bezeichnete den beim Angriff getöteten Hamas-Militärchef Ahmed al-Dschaabari als Massenmörder. Sicherheitsrats-Präsident Hardeep Singh Puri sagte nach dem Treffen lediglich, das Gremium sei zu weiteren Beratungen bereit, sollte es notwendig werden.

Auch Bodenoffensive denkbar

Die israelische Militäroperation gegen militante Palästinenser im Gazastreifen kann nach Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu im Bedarfsfall sogar noch ausgeweitet werden. Das israelische Militär erklärte am späten Mittwochabend, alle Optionen lägen auf dem Tisch. Die Streitkräfte teilten mit, Bodentruppen stünden auch für einen Einmarsch bereit, sollte der Befehl gegeben werden.

Das israelische Sicherheitskabinett gab Verteidigungsminister Ehud Barak bei einer Dringlichkeitssitzung grünes Licht für die Mobilisierung von Reservisten. Dies solle geschehen, falls Bedarf bestehe, berichteten israelische Medien in der Nacht zum Donnerstag online. Auch am Donnerstagmorgen wurde Israel weiter mit zahlreichen Raketen aus dem Gazastreifen beschossen, berichteten israelische Medien.

US-Präsident Barack Obama sicherte Netanyahu seine Unterstützung zu. Obama habe in dem Telefonat bekräftigt, dass Israel ein Recht auf Selbstverteidigung habe, teilte das Weiße Haus in Washington am Mittwochabend (Ortszeit) mit. Netanyahu solle alles dafür tun, um Todesopfer in der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Beide Politiker seien darin einig, dass die radikal-islamische Hamas ihre Angriffe auf Israel beenden müsse.

Drei Tote bei Raketenangriff auf Süden Israels

Bei einem Raketenangriff auf den Süden Israels sind Medienberichten zufolge drei Menschen getötet worden. Die Rakete aus dem Gazastreifen habe ein Wohngebäude getroffen, hieß es am Donnerstag im israelischen Fernsehen. Dies war der erste Bericht über Todesopfer in Israel, seit das Land am Mittwoch massive Luftangriffe auf den Gazastreifen gestartet hat. Dabei wurden nach Angaben der dort regierenden radikal-islamischen Hamas bisher 13 Palästinenser getötet. Unter den Toten war auch der Hamas-Militärchef.

Trauerzug für Hamas-Militärchef

Tausende von Palästinensern haben sich am Donnerstag in Gaza versammelt, um dem von Israel am Mittwochabend getöteten Militärchef der radikal-islamischen Hamas, Ahmed al-Jabari, das letzte Geleit zu geben. Der Trauerzug führte in die Al-Omari-Moschee, wo Gebete für den Toten gesprochen werden sollen. Anschließend sollte al-Jabari beigesetzt werden. Es wurde erwartet, dass ranghohe Hamas-Mitglieder aus Sorge um ihre Sicherheit dem Begräbnis fernbleiben. Der militärische Hamas-Arm im Gazastreifen hat die Tötung von al-Jabari als "Kriegserklärung" bezeichnet und massive Rache angekündigt.

Ägypten ruft Sciherheitsrat an

Angesichts der jüngsten Eskalation im Nahost-Konflikt hat Ägypten offiziell den UN-Sicherheitsrat angerufen. Die Regierung in Kairo forderte das Gremium der Vereinten Nationen (UN) am Donnerstag auf, sich mit der Gewalt im Gazastreifen befassen. Wörtlich sprach das Kairoer Außenministerium von einer "Aggression Israels" in dem Palästinensergebiet, die internationales Recht verletze. Die Lage sei ernst und erfordere dringend eine Reaktion der Weltgemeinschaft. Die USA rief der ägyptische Außenminister Mohammed Amr "sofort einzuschreiten", um die "israelische Aggression" in Gaza zu beenden.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat den Palästinensern im Gazastreifen seine Solidarität versichert. "Wir stehen an der Seite der Palästinenser, um die israelische Aggression in Gaza zu stoppen", sagte er am Donnerstag. Israel müsse begreifen, dass "diese Aggression inakzeptabel ist und nur zu Instabilität in der Region führt." Zugleich kündigte Mursi eine Krisensitzung des ägyptischen Kabinetts einschließlich des Verteidigungsministers an.

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