Nahost-Konflikt von

Waffenruhe nur von kurzer Dauer

Neuer Luftangriff auf Gazastreifen nach Beschuss durch Palästinenser

Rauch über palästinensischen Häusern in Israel © Bild: APAEPA/MOHAMMED SABER

Die Hoffnung auf eine Feuerpause in Nahost war nur von kurzer Dauer. Nach rund sechs Stunden nahm Israel seine Luftangriffe auf den Gazastreifen am Dienstag wieder auf, weil die radikal-islamische Hamas den ägyptischen Vorschlag für eine Waffenruhe und darauf folgende Verhandlungen abgelehnt hatte. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu drohte sogar mit einer Ausweitung des Militäreinsatzes.

Die Armee habe als Reaktion auf den fortwährenden Raketenbeschuss Israels aus dem Gazastreifen ihre Angriffe auf das Palästinensergebiet wieder aufgenommen, bestätigte eine Armeesprecherin. Mindestens ein Ziel in der Nähe von Gaza-Stadt wurde am frühen Nachmittag beschossen, wie ein AFP-Korrespondent beobachtete. Augenzeugen berichteten zudem von mindestens einem weiteren Angriff bei Khan Junis im Süden des palästinensischen Küstengebietes.

Israels Sicherheitskabinett hatte in der Früh einem ägyptischen Waffenruhe-Vorschlag zugestimmt. Die Angriffe wurden um 08.00 Uhr (MESZ) vorübergehend eingestellt. Militante Palästinenser feuerten jedoch weiterhin rund 50 Raketen auf Ortschaften in Israel ab. In der Hafenstadt Ashdod wurde ein Haus direkt von eine Rakete getroffen. Berichte über Verletzte gab es keine.

Netanyahu genehmigte "harte Schläge"

Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete unter Berufung auf einen ranghohen israelischen Repräsentanten, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu habe die Armee als Reaktion auf den andauernden Beschuss durch Hamas angewiesen, wieder Ziele im Gazastreifen anzugreifen. Es seien "harte Schläge gegen Terrorziele in Gaza" genehmigt worden.

Netanyahu hatte zuvor eine Verstärkung der Angriffe im Gazastreifen angedroht, sollte die radikal-islamische Hamas die Waffenruhe nicht einhalten. "Wenn Hamas die Vorschläge ablehnt und der Raketenbeschuss nicht endet, sind wir darauf vorbereitet, unsere Angriffe fortzusetzen und zu verstärken", sagte Netanyahu in Tel Aviv bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Erster toter israelischer Zivilist

Erstmals seit dem Beginn der Auseinandersetzungen ist am Dienstagnachmittag auch ein israelischer Zivilist getötet worden. Wie die israelische Armee bekannt gab, handelt es sich um einen 38-Jährigen, der in der Nähe des Grenzübergangs Erez zum Gazastreifen Soldaten mit Nahrung versorgte. Die tödliche Rakete wurde demnach aus dem Gazastreifen abgefeuert. Bisher konnte Israel eigene Todesopfer vermeiden, weil Abwehrsysteme viele Geschosse abfangen konnten und etliche Raketen auf freiem Feld niedergingen.

Der deutsche Außenminister traf am Nachmittag in Ramallah auch den palästinensischen Präsident Mahmoud Abbas. Abbas will am Mittwoch nach Kairo reisen, um mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel-Fattah al-Sisi über den Waffenruhe-Vorschlag zu sprechen.

US-Außenminister Kerry soll vermitteln

Medien hatten auch US-Außenminister John Kerry für Dienstag angekündigt. Dieser sagte seinen Besuch in Kairo kurzfristig ab und rief die arabischen Staaten auf, ein "Klima" für Verhandlungen zu schaffen. Außerdem warnte er vor dem "großen Risiko" einer Spirale der Gewalt, wenn die Konfliktparteien sich nicht auf eine Waffenruhe einließen.

Israels scheidender Staatspräsident Shimon Peres rief ebenfalls zu einer Rückkehr zu Friedensverhandlungen auf. "Das palästinensische Volk ist nicht unser Feind, die Menschen in Gaza sind nicht unsere Feinde", sagte Peres nach Angaben seines Büros bei einem Treffen mit dem Gesandten des Nahost-Quartetts (USA, Russland, EU, UNO) Tony Blair. "Wir teilen dasselbe Ziel - ein Ende des Terrors sowie Ruhe und Sicherheit für alle Bürger", sagte Peres.

Hamas lehnte Waffenruhe ab

Die Hamas willigte einer Waffenruhe nicht ein, sondern pocht auf Zugeständnisse Israels. "Wir lehnen eine Feuerpause vor einer Vereinbarung ab", sagte der offizielle Hamas-Sprecher, Sami Abu Suhri, am Dienstagvormittag. Die Hamas fordert von Israel unter anderem die Öffnung des Grenzpostens Rafah zu Ägypten und die Freilassung von Gefangenen. Die Hamas habe auch keinen offiziellen Vorschlag aus Kairo erhalten.

Der Vizechef der Hamas-Exilorganisation, Moussa Abu Marzouk, betonte jedoch via Facebook, dass die Beratungen in Kairo noch andauern würden und es noch keine "offizielle Position" der Hamas dazu gebe. Am späten Nachmittag soll die Hamas-Führung ein offizielles Statement zur Waffenruhe abgeben, wie die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtete

Bereits 200 Tote

Die israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen starteten Anfang vergangener Woche, um den massiven Raketenbeschuss durch palästinensische Extremisten zu stoppen. Bei der israelischen Offensive wurden bereits fast 200 Palästinenser getötet, nach UN-Angaben ist jedes vierte Opfer ein Kind. Im selben Zeitraum gingen Hunderte Raketen aus dem Gazastreifen in Israel nieder. Dabei wurden mehrere Israelis verletzt.

Am Dienstag wurden auch vier Tote auf den syrischen Golanhöhen gemeldet. Kampfflugzeuge hätten Raketen auf einen syrischen Militärstützpunkt und ein weiteres Ziel abgefeuert, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zwei Wachleute sowie zwei Frauen seien getötet worden.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warf Israel am Dienstag "Staatsterrorismus" vor. "Wie lange noch wird die Welt angesichts dieses Staatsterrorismus schweigen", fragte er vor Abgeordneten in Ankara. Israel benehme sich "wie ein verzogenes Kind und bringt den Tod über die Palästinenser". An die Palästinenser gerichtet sagte er: "Ihr seid nicht alleine und werdet niemals alleine sein."

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