Nahost-Konflikt eskaliert wieder: Blutige Gefechte fordert neun tote Palästinenser

Israel muss Autonomiegebiete erneut abriegeln Hamas reagiert mit Aufruf zu neuen Anschlägen

Nahost-Konflikt eskaliert wieder: Blutige Gefechte fordert neun tote Palästinenser

Bei den blutigsten Gefechten im Westjordanland und im Gazastreifen seit Beginn des Jahres haben israelische Soldaten insgesamt neun Palästinenser getötet. Unter den Opfern war auch ein 17-jähriges Mädchen. Die Hamas reagierte mit einem Aufruf zu neuen Anschlägen gegen Israel. Vertreter der palästinensischen Autonomieregierung äußerten sich empört über das israelische Vorgehen.

"Das untergräbt unsere Bemühungen, ein Ende der Feindseligkeiten zu erreichen", erklärte Saeb Erekat, Berater von Präsident Mahmoud Abbas. Ein Sprecher von Ministerpräsident Ismail Haniyeh sagte, die Regierung verurteile "die hässlichen Massaker". Die Kämpfe zeigten, dass der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert die Öffentlichkeit mit Äußerungen über seine Bereitschaft zu einer friedlichen Lösung in die Irre führe. Israelische Vertreter rechtfertigten die Aktionen als die jüngsten Schritte im andauernden Kampf gegen militante Palästinenser.

Während einer Razzia in Nablus töteten israelische Soldaten zwei militante Palästinenser. Die Soldaten hätten ein Gebäude umstellt, in dem sich die Männer versteckten, erklärten die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden. Die meisten Bewohner seien einer Aufforderung zum Verlassen des Gebäudes nachgekommen, die beiden später Getöteten jedoch nicht. Daraufhin sei es zu einem Schusswechsel gekommen, in dessen Verlauf die Männer ums Leben kamen. Nach Angaben der Gruppierung handelt es sich bei einem der Toten um Amin Lubadi, der als Bombenbauer seit mehr als drei Jahren von Israel gesucht wurde. Die Streitkräfte erklärten, die Soldaten hätten auf Beschuss reagiert.

In der Stadt Jenin waren drei militante Palästinenser von einer verdeckt operierenden Einheit der israelischen Streitkräfte erschossen worden. Nach israelischen Angaben handelte es sich um zwei Mitglieder der Al-Aksa-Brigaden, die der Fatah von Abbas nahe stehen, und einen Kämpfer des Islamischen Jihads. Am Abend rückten israelische Truppen nochmals in Jenin ein, wo es zu einem heftigen Feuergefecht mit bewaffneten Palästinensern kam. Ein Mädchen sei dabei von israelischen Kugeln tödlich getroffen worden, hieß es.

Zuvor hatten Truppen das Dorf Kafr Dan im Westjordanland nach militanten Palästinensern durchsucht. Dort wurde bei Schusswechseln ein Palästinenser getötet. Bei dem Toten handle es sich um einen 22-jährigen Polizisten, der mit seinem Bruder auf dem Dach seines Hauses gestanden habe, verlautete aus palästinensischen Sicherheitskreisen.

Im Norden des Gazastreifens wurden bei einem israelischen Raketenangriff ein Palästinenser getötet und ein weiterer verwundet. Aus palästinensischen Kreisen verlautete, eine Maschine der israelischen Luftwaffe habe eine Rakete auf ein Fahrzeug abgefeuert, das in der Nähe eines Ortes war, von dem aus zuvor Raketen auf Israel abgefeuert wurden. Bei dem getöteten Insassen habe es sich um einen Zivilisten ohne Verbindungen zu militanten Gruppen gehandelt. Bei Ramallah wurde am Sonntag ein 17-Jähriger getötet, der nach palästinensischen Angaben Steine auf israelische Soldaten geworfen hatte.

Raketen auf Süden Israels
Militante Palästinenser hatten zuvor wieder drei Raketen auf den Süden Israels abgeschossen. Es sei aber niemand verletzt worden, erklärte die Polizei. Die israelischen Streitkräfte beschlossen wegen der Feierlichkeiten zum Volkstrauertag und dem Unabhängigkeitstag die Abriegelung von Westjordanland und Gazastreifen.

Wieder Korruptionsvorwürfe gegen israelischen Minister
Unterdessen wurde bekannt, dass der israelische Finanzminister Abraham Hirchsohn (66) wegen Korruptionsvorwürfen sein Amt drei Monate lang ruhen lässt. Das Mitglied der regierenden Kadima-Partei habe seine Entscheidung dem Ministerpräsidenten Ehud Olmert mitgeteilt, meldeten israelische Medien am Sonntag. Olmert werde das Finanzministerium vorübergehend übernehmen.

Die Polizei ermittelt bereits seit mehreren Wochen gegen den 66-Jährigen. Er wird verdächtigt, als Gewerkschaftsführer sowie als Verbandsvorsitzender Gelder in Millionenhöhe gestohlen und Bestechungsgelder angenommen zu haben. Hirchsohn bestreitet die Vorwürfe, die israelische Zeitung "Yedioth Ahronoth" berichtete am Sonntag aber, die Polizei habe genug Beweismaterial gesammelt, um der Staatsanwaltschaft eine Anklage Hirschsohns zu empfehlen.

Olmerts Regierung wird bereits von einer ganzen Serie von Korruptions- und Sex-Skandalen belastet. Der Regierungschef selbst wird verdächtigt, bei der Privatisierung einer Bank Bedingungen zu Gunsten befreundeter Geschäftsleute geändert zu haben. Olmerts Ex-Justizminister Chaim Ramon wurde Ende Jänner wegen sexueller Belästigung einer jungen Offizierin schuldig gesprochen. Staatspräsident Mosche Katzav lässt sein Amt ruhen, weil ihm eine Anklage wegen Vergewaltigung droht. Olmerts Büroleiterin Shula Zaken wurde Mitte Februar wegen Korruptionsverdachts für sechs Monate vom Amt suspendiert.(apa/red)