Nahost-Konflikt von

Israel: Jüdisch-muslimisches Paar heiratet

Liebe statt Krieg: Junges Hochzeitspaar sagt unter Polizeischutz "Ja"

Nahost-Konflikt - Israel: Jüdisch-muslimisches Paar heiratet

In Israel ist die Stimmung nach dem jüngsten Gazakonflikt aufgewühlt: Dennoch hat nun ein jüdisch-muslimisches Paar geheiratet - allerdings unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Etwa 200 rechtsgerichtete Israelis demonstrierten am Sonntag vor dem Hochzeitssaal in Rishon Lezion, wie israelische Medien berichteten.

So hatten sich Mahmoud Mansur und Morel Malka ihre Hochzeit nicht vorgestellt: Umringt von Leibwächtern müssen sie am Sonntagabend den Weg zum Festsaal zurücklegen. Davor skandieren hinter einer Polizeikette Hunderte rechtsextreme Israelis Hassparolen gegen die Eheschließung einer gebürtigen Jüdin mit einem arabischen Israeli.

Viele Menschen waren aber auch gekommen, um ihre Solidarität mit dem Bräutigam und der Braut zu bekunden. Sie war den Berichten zufolge zum Islam konvertiert.

Wie Romeo und Julia

"Morel ist meine zweite Tochter, eine hatte ich schon, nun habe ich sogar zwei", freut sich Schwiegervater Mohammed Mansur. Der Brautvater fehlt. Er hat es vorgezogen, im israelischen Fernsehen zu verkünden, dass er "nicht zur Hochzeit meiner Tochter mit einem Araber" gehen werde. Die israelischen Nachfolger von Romeo und Julia hatten schon damit gerechnet, dass ihr Jawort zu familiären Spannungen führen würde. Aber dass sich die Zerrissenheit des ganzen Landes darin kristallisiert, hat sie dann doch überrascht.

Jüdische Organisation wollte Feier stören

Die extremistische jüdische Organisation "Lehava" hatte dazu aufgerufen, die Feier zu stören. Ein Gericht erlaubte am Sonntag Protestdemonstrationen in Entfernung von 200 Metern von der Feier. Die Organisation ist gegen Beziehungen von Juden mit Mitgliedern anderer Glaubensrichtungen. Etwa 200 Polizisten waren im Einsatz, um eine Störung der Hochzeit zu verhindern.

"Das ficht uns alles nicht an. Wir werden die schönste Hochzeit haben, die man sich nur vorstellen kann", versichert der Bräutigam. Der Jungunternehmer mit freundlichem, rundem Gesicht hatte einen Teil seines Ehrentags vor dem Amtsgericht der Nachbarstadt Rishon Lezion verbracht, wo er beantragte, die Demonstration der Rechtsextremisten vor dem Festsaal per Eilentscheid zu untersagen.

Auch die Mutter des Bräutigams, Fadwa Mansur, sagte dem israelischen Fernsehen, sie habe nichts gegen die Eheschließung: "Hauptsache, sie sind glücklich, und ich bekomme viele Enkelkinder."

Israles Staatschef verurteilt Rassismus

Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin hatte die Proteste gegen die interreligiöse Eheschließung als "empörend und beunruhigend" verurteilt. "Hetze, Gewalt und Rassismus haben in der israelischen Gesellschaft keinen Platz", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Rivlin wünschte dem Paar aus dem Tel Aviver Vorort Jaffa "Gesundheit, Zufriedenheit und Freude".

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