Nahost von

Waffenruhe in Gaza wieder vorbei

62 Palästinenser getötet - Hamas und Israel geben sich gegenseitig die Schuld

Nahost-Konflikt: Israelische Soldaten auf einem Panzer. © Bild: REUTERS/Siegfried Modola

Wenige Stunden nach Beginn ist die Waffenruhe im Gazastreifen bereits wieder gescheitert. Israel warf militanten Palästinensern am Freitagnachmittag die Entführung eines Soldaten vor und erklärte die eigentlich für drei Tage vereinbarte Kampfpause für beendet. Die palästinensische Hamas-Bewegung beschuldigte ihrerseits Israel des Bruchs der Vereinbarung.

Palästinensischen Angaben zufolge waren nämlich in Rafah durch israelischen Artilleriebeschuss Dutzende Menschen getötet worden.

Die 72-stündige humanitäre Kampfpause war in der Nacht zu Freitag unter internationalem Druck zwischen Israel und der Hamas vereinbart worden. Sie sollte die Bergung der Toten, die Behandlung der Verletzten und die Reparatur der beschädigten Wasser- und Stromversorgung erlauben und ermöglichen, dass sich die Bevölkerung mit Lebensmitteln eindeckt. Zugleich sollte die Feuerpause Zeit schaffen für Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe in Kairo.

62 Menschen trotz Waffenruhe getötet

Nachdem es bis kurz vor Beginn der Feuerpause noch heftige Kämpfe gegeben hatte und die Hamas mehrere Raketen auf Israel gefeuert hatte, war es nach Inkrafttreten der Waffenruhe zunächst ruhig in dem Küstengebiet. Bereits Stunden später feuerte die israelische Armee jedoch erneut mit Artillerie auf die Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens. Bei den Angriffen der israelischen Armee im südlichen Gazastreifen sind am Freitag nach Angaben von Sanitätern mindestens 62 Palästinenser getötet und mehr als 350 verletzt worden.

Einschlag in Gaza.
© REUTERS/Mohammed Salem Gaza liegt am Boden.

Israel: Soldat entführt

Die Hamas feuerte ihrerseits erneut Raketen und Granaten auf den Süden Israels. Am Nachmittag sagte Armeesprecher Peter Lerner dann auf Anfrage, die Feuerpause sei vorbei und der Militäreinsatz am Boden werde fortgesetzt. Israel macht einen Angriff von palästinensischen Kämpfern auf Soldaten für das Scheitern der Waffenruhe verantwortlich gemacht. Etwa 90 Minuten nach dem Inkrafttreten der Feuerpause am Freitag um 07.00 Uhr seien Soldaten bei Rafah im Süden des Küstenstreifens aus einem Tunnelsystem heraus angegriffen worden, sagte ein Militärsprecher. Mindestens einer der Angreifer sei ein Selbstmordattentäter gewesen, der sich in die Luft gesprengt habe. Es habe einen Schusswechsel gegeben. Zwei Soldaten seien getötet worden, ein Soldat sei bei dem Einsatz zur Zerstörung von Tunneln der Hamas entführt worden.

Die Armee unternehme größte Anstrengungen, den mutmaßlich verschleppten 23-jährigen Soldaten zu finden, sagte der Sprecher weiter.

Der Hamas-Sprecher Fawsi Barhum erklärte kurze Zeit später, Israel habe die Waffenruhe verletzt. Der "palästinensische Widerstand" habe daraufhin, sein Recht zur Selbstverteidigung genutzt, um das Massaker am palästinensischen Volk zu stoppen.

Internationale Bemühungen ohne Erfolg

Auch frühere humanitäre Kampfpausen, die Israel oder die Hamas ausgerufen hatten, waren rasch wieder gebrochen worden. Internationale Bemühungen um einen dauerhaften Waffenstillstand brachten bisher ebenfalls keinen Erfolg. Ein ägyptischer Vorschlag für eine Waffenruhe war zwar von Israel angenommen worden, nicht aber von der Hamas. Die islamistische Bewegung fordert insbesondere die Aufhebung der jahrelangen Blockade des Gazastreifens.

Bundespräsident Heinz Fischer hatte am Freitagvormittag die humanitäre Waffenruhe begrüßt. Ein Waffenstillstand müsse die berechtigten Anliegen beider Seiten ansprechen - menschenwürdige Lebensbedingungen für die Bevölkerung im Gaza-Streifen einerseits und ein dauerhaftes Ende terroristischer Angriffe auf Israel andererseits, hieß es in einer Aussendung der Präsidentschaftskanzlei.

Ägypten: Gaza-Gespräche abgesagt

Die in Ägypten geplanten Gespräche über eine dauerhafte Waffenruhe in Gaza sind vorläufig abgesagt. Das schrieb die staatliche ägyptische Zeitung "Al-Ahram" am Freitag unter Berufung auf den Vizechef der Hamas-Exilorganisation, Mussa Abu Marsuk. Grund sei, dass die israelische Delegation ihre Teilnahme abgesagt habe, hieß es. Ägyptische Regierungsvertreter erklärten, die Einladung an die Konfliktparteien bestehe fort. Mehrere Palästinenser-Vertreter hätten aber um eine Verschiebung auf Samstag oder Sonntag gebeten, damit eine neue Feuerpause vereinbart werden könne.

John Kerry und Mahmoud Abbas.
© REUTERS/Abbas Momani Kerry und Abbas letzte Woche in Ramallah.

Kommentare

Also wenns nach mir ginge stünde die ganze Region dort unten schon vor einem Kriegsgericht und unter Kuratel, Berge von Leichen, schreiende, verstümmelte und sterbende Menschen und weit und breit keiner, der den Fuß scharf runterstellt. Und egal für wen man in diesem unendlich leichenbehafteten Konflikt Partei ergreift, man ergreift sie immer für einen Mordbuben. Auf der einen Seite fanatische Zionisten, die einen perfiden Nationalsmus entwickelt haben, der seinesgleichen sucht, auf der anderen Seite fanatische Trotteln, die sich hinter Zivilisten und Kindern verschanzen. Und welche Gründe diese oder jene auch immer haben mögen, wo Kinderleichen herumliegen interessieren mich Motive nicht mehr um mein Urteil zu fällen. Und das lautet schuldig.

Wer Wind säht wird Sturm ernten, das gilt für beide Seiten.
Nur sollte Israel langsam aufhören auf seine Opfer-Rolle (seit WKII) zu pochen. Zu viel Blut klebt am Isi...

Die UNO sollte endlich Palästina und Israel besetzen.
In den nächsten 50 Jahren können dann Israel und die Araber zivilisiert um einen Frieden verhandeln und wissen später ihre Freiheit zu schätzen...

Frieden wird es in diesen Gebiet wohl nie mehr geben,dafür ist zuviel passiert . Leider werden wohl noch viele Menschen verletzt oder getötet werden. Würde aber die Hamas den Kampf auf offenem Feld suchen und sich nicht unter der Bevölkerung verschanzen, würden zumindest nicht Unschuldige zum Opfer werden..

Lynxx

Es liest sich seltsam, daß ein israelischer Soldat „entführt“ wurde. Soldaten im Einsatz werden vom Gegner nicht „entführt“, sondern gefangen genommen. Die Verwendung dieses Wortes dient dazu, den Eindruck zu erwecken, die Anwesenheit von Besatzungssoldaten auf besetztem Gebiet sei rechtmäßig und der Gegner begehe mit seiner Gefangennahme eines feindlichen Soldaten ein strafrechtliches Verbrechen.

papayo

Bin gespannt ob die Israelis wegen Völkermord irgendwann vor Gericht stehen werden , und verurteil!! Wahrscheinlich kommen sie straffrei davon.

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