Nächster Schritt in Olympia-Bewerbung: Salzburger Gemeinderat segnet Vertrag ab

Host-City-Vertrag sorgte für heftige Diskussion

Für hitzige Diskussionen im Salzburger Gemeinderat sorgte die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2014. Unter Punkt 7 stand der Amtsbericht auf der Tagesordnung, mit dem die Stadt Garantieerklärungen abgibt sowie den Bürgermeister ermächtigt, im Fall eines Olympia-Zuschlags für die Mozartstadt den Host-City-Vertrag zu unterschreiben. Die Kritiker warnten vor den Risiken der Olympischen Spiele, die Befürworter betonten die Chancen des Sportereignisses. Die Haftungsübernahme und die Garantien gegenüber dem IOC wurden mit recht klarer Mehrheit beschlossen. 30 der 39 anwesenden Mandatare machten damit den weiteren Weg bis zur Vergabe Anfang Juli 2007 in Guatemala frei.

Alle Gemeinderäte von SPÖ und ÖVP sowie zwei aus der FPÖ ausgeschlossene bzw. ausgetretene Gemeinderätinnen stimmten für die Garantien und die Haftungsübernahme. Der Antrag der Bürgerliste, die Bevölkerung nochmals verbindlich zu befragen, wurde mit 29:10 Stimmen abgelehnt.

Kritiker: "Olympische Spiele sind unverantwortlich"
"Sie beschließen heute ein Fest, von dem Sie nicht wissen, wer das bezahlt", erklärte Bürgerlisten-Klubobmann Helmut Hüttinger. Er zweifelte daran, dass Salzburg mit einem Durchführungsbudget von 772 Mio. Euro die Spiele abhalten werde können. Turin habe insgesamt 3,3 Mrd. Euro aufwenden müssen, die Salzburger Zahlen seien unglaubwürdig, kritisierte der Grünpolitiker: "Olympische Spiele sind für die Stadt unverantwortlich."

Vor dem Risiko warnte auch der freiheitliche Gemeinderat Andreas Schöppl: Der Host-City-Vertrag wäre nach Meinung der Experten sittenwidrig, die Spiele würden ein unkalkulierbares Risiko für die Stadt bergen. Ähnlich argumentierte die parteifreie Abgeordnete Elisabeth Promegger. Es gebe ein erhebliches Währungsrisiko, für das nicht vorgesorgt worden sei, es würde mit Fantasiezahlen kalkuliert. Die Spiele seien kein Allheilmittel für die Schaffung von Infrastruktur in Salzburg. "Es wird gelogen, getrickst und geschwindelt, dass sich die Balken biegen", meinte Promegger.

SPÖ und ÖVP klar für Olympia
Die Mandatare von SPÖ und ÖVP hingegen lobten die Chancen der Bewerbung und verteidigten die Kalkulationen der Olympia-Bewerbungsgesellschaft. Deren Vertreter hatten zu Beginn der Diskussion die Eckdaten der Bewerbung noch einmal präsentiert. Das Budget sei realistisch kalkuliert und vom Aufsichtsrat geprüft, erklärte Bürgermeister Schaden (S).

Es stimme, dass man ausgabenseitig einsparen habe müssen, weil es weniger Einnahmen aus den TV-Rechten und den Sponsorengeldern gebe. Gerade auf Grund der vielen mit dem Host-City-Vertrag verbundenen Verpflichtungen habe er auf eine solidarische Haftung von Bund und Land bestanden, betonte Schaden. Es werde nicht mehr ausgegeben als eingenommen, nannte das Stadtoberhaupt als Grundsatz.

Der Bund habe mit der Haftungsübernahme bewiesen, dass die Olympischen Spiele ein nationales Anliegen seien, erklärte Vizebürgermeister Harald Preuner (V): "Wir haben eine 100-prozentige Chance auf Olympia bei einem maximal zehnprozentigen Risiko." Olympia sei für Salzburg die richtige Vision und ein wichtiger Motor für den Tourismus, sagte der VP-Politiker.

(apa/red)