Nächster Erdrutsch in der Doping-Affäre: Hütthaler gesteht und nennt Hintermänner

Triathletin entlarvt EPO-Lieferanten und Netzwerk Belastet Ex-Kohl-Manager Stefan Matschiner schwer<br>Arzt Andreas Zoubek soll EPO-Spritze gesetzt haben

Nächster Erdrutsch in der Doping-Affäre: Hütthaler gesteht und nennt Hintermänner © Bild: APA/Gindl

Lisa Hütthaler hat in der seit Monaten köchelnden österreichischen Doping-Affäre für einen weiteren Knalleffekt gesorgt. In einem Interview gestand die Triathletin nicht nur langfristiges Doping, sondern ging als erste Sportlerin mit Namen von Hintermännern an die Öffentlichkeit. So sollen die 25-Jährige ihr Sportmanager Stefan Matschiner mit dem Dopingmittel EPO versorgt, der Wiener Kinderkrebsarzt Andreas Zoubek EPO sogar gespritzt haben.

"Ich werde alles, was ich weiß, bei der NADA offenlegen", erklärte Hütthaler im "Kurier", die im Oktober 2008 wegen EPO-Dopings von der NADA für zwei Jahre gesperrt worden war. Hütthaler hatte bisher Doping stets bestritten, brach aber jetzt damit. Das Outing sei ihr jedenfalls nicht leicht gefallen. "Ich habe Angst, überlege ob ich übersiedle", erklärte die Wienerin, die durch ihre Aussagen in erster Linie den Oberösterreicher Matschiner belastet.

Der Ex-Manager von Radstar Bernhard Kohl, der ebenfalls Doping zugegeben hat, soll sie mehrmals mit Dopingmitteln versorgt haben. Matschiner habe sie im Mai 2007 über Zoubek kennengelernt. "Zoubek, den ich vom Triathlon gut kannte, hat gemeint, da gebe es jemanden, der sich im Doping wirklich gut auskennt und in einer anderen Liga spielt", so Hütthaler. Sie habe neben Zoubek im St.-Anna-Kinderspital gesessen, als der Mediziner Matschiner angerufen und ein Treffen arrangiert habe.

"Hat mir erklärt, wie man EPO richtig spritzt"
Bereits bei der ersten Begegnung auf einem Parkplatz in Linz habe sie erstmals "Ware" (Dynepo) eingekauft. Bis zu ihrer positiven Dopingprobe 2008 habe sie insgesamt sechsmal von Matschiner EPO bezogen. In Summe soll der 33-jährige Ex-Leichtathlet 15.000 Euro kassiert und dafür auch sein Wissen zur Verfügung gestellt haben. "Er hat mir erklärt, wie man EPO richtig spritzt. Da wird man von ihm schon beraten", wurde Hütthaler zitiert. Auch Zoubek soll Hütthaler in seinem Büro im St.-Anna-Kinderspital einmal EPO gespritzt haben, durch den Mediziner sei sie auch zu Wachstumshormonen gekommen.

Matschiner soll auch Blut-Doping betrieben haben, wie Hütthaler in einem Protokoll an die NADA bereits übermittelt habe. Im Keller eines Hauses in Steyrermühl, in der sich laut der 25-Jährigen eine große Blutzentrifuge befand, soll der Manager der Triathletin zweimal Blut abgenommen und einmal rückgeführt haben. Zur Tarnung soll Matschiner den Namen "Cindy" auf den Blutbeutel geschrieben haben.

"Ohne Doping geht gar nichts"
In den Dopingsumpf sei sie bereits nach der Matura, mit 18 Jahren, geschlittert. Durch ihrem wesentlich älteren Ex-Freund und damaligen Trainer sei sie tagtäglich mit Doping konfrontiert gewesen. "Alle in diesem Umfeld haben zu mir gesagt: 'Ohne Doping geht gar nichts!'", erinnerte sich Hütthaler. Ihr Ex-Freund habe ihr auch die ersten EPO-Spritzen gesetzt, danach sie sich selbst. Ihrer Kenntnis nach würden auch viele Hobby-Athleten dopen. "Sehr viele. In jeder Sportart. Da sind viele Ärzte dabei. Die haben Geld", sagte sie.

Über die Gründe für ihr Outing meinte Hütthaler: "Ich möchte raus aus diesem Wahnsinn. Ich mag nicht mehr ständig Angst haben müssen, dass mich jemand sieht, wenn ich etwas nehme." Mit 18 sei sie naiv gewesen und habe "über den Sport plötzlich die große weite Welt gesehen". Nun wolle sie sich wieder in ihrer Haut wohl fühlen und nach Ablauf ihrer Sperre wieder in den aktiven Wettkampfsport einsteigen.

Matschiner wies Vorwürfe zurück
Matschiner hat die Vorwürfe gegen ihn bestritten. "Ich kann das nur dementieren. Richtig daran ist nur, dass ich Hütthaler über Zoubek kennenlernte", meinte der derzeit in den USA weilende Sportmanager gegenüber "ORF.at". Der Ex-Leichtathlet gab aber zu, dass Kontakt zur Triathletin Lisa Hütthaler bestanden habe: "Klar hatte ich Kontakt zu Lisa. Ich versuchte, ihr das Laufen beizubringen, weil das ihre Schwäche im Triathlon war."

(apa/red)

Kommentare

Arme Lisa Was man von den Unschuldsbeteuerungen der Sportler und - wie ich meine - vielleicht auch des vielfach genannten Managers halten kann, sieht man an der "armen Lisa". Zuerst alles mit Vehemenz bestreiten und wenn es dann, keinen Ausweg mehr aus der Sache gibt, dann werden sie zu Kronzeugen! Ins Gefängnis mit dem Gesindel (es gilt natürlich für alle hier Genannten die Unschuldsvermutung, lachen darf ich aber trotzdem ha, ha, ha) dann wird sich das Doping aufhören!

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Doping Affäre Auch wenn alle Vorwürfe zutreffen sollten halte ich nichts
von einer sogenannten "Kronzeugenlösung"Frau Hüthaller
hat zu lange Betrug am fairen Sport begangen.Sie soll sich anderen Freizeitaktivitäten widmen wie stricken,basteln......

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Re: Doping Affäre Ganz meine Meinung!!!!!!

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