Nächste Katastrophen-Meldung: Zweifacher Tour-Etappensieger Winokurow gedopt!

Kasache nach Zeitfahrsieg des Blutdopings überführt Ganzes Astana-Team steigt aus laufender Tour aus<br>Winokurow streitet alles ab: "Ich habe nie gedopt"

Nächste Katastrophen-Meldung: Zweifacher Tour-Etappensieger Winokurow gedopt!

Der kasachische Radprofi Alexander Winokurow hat für den nächsten Dopingfall der Tour de France gesorgt. Sein Team Astana gab bekannt, dass Winokurow am Samstag nach seinem Sieg im Zeitfahren in Albi einen Dopingtest nicht bestanden habe und deshalb suspendiert worden sei. "Alexander Winokurow wurde positiv auf eine Bluttransfusion getestet, und das Team verlässt die Tour", sagte Astana-Sprecherin Corinne Druey.

Die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" hatte zuvor auf ihrer Homepage (www.lequipe.fr) gemeldet, dass Winokurow des Blutdopings überführt worden sei. Eine Analyse im Labor Chatenay-Malabry habe ergeben, dass sich der 33-jährige Astana-Kapitän mit Fremdblut (homologe Methode) gedopt habe. Winokurow gewann bei der laufenden Tour auch noch die Montag-Etappe, lag aber vor der 16. Etappe mit 28:21 Minuten Rückstand nur an 23. Stelle des Gesamtklassements.

Mit der Überführung von Winokurow und dem Rückzug seines Teams steht die 94. Tour-Auflage wenige Tage vor dem Finale in Paris vor dem endgültigen Kollaps. Bereits die Entscheidung, den Dänen Michael Rasmussen trotz mehrerer Doping-Vorwürfe im Rennen zu belassen, hatte den 104 Jahre alten Klassiker vor eine Zerreißprobe gestellt.

Winokurow streitet alles ab
Radprofi Alexander Winokurow streitet alle Doping-Vorwürfe ab. "Das ist ein Fehler. Ich habe nie gedopt, das ist nicht die Art, wie ich meinen Beruf ausübe", sagte der Kasache der Zeitung "L'Equipe" .

Winokurow wies in seiner Erklärung auf Fehler im Zusammenhang mit der Behandlung nach seinem Unfall bei der Tour hin. Der Kasache fühlt sich verfolgt: "Es hat vor Monaten begonnen, heute wollen sie mich zerstören", betonte der Astana-Kapitän. "Es ist eine Schande, die Tour so zu verlassen, aber ich möchte keine Zeit verschwenden, meine Unschuld zu beweisen."

Bei der Nachricht des neuen Doping-Falles brach der Schotte David Millar am Ruhetag in Pau in Tränen aus. "Wenn das in unserer jetzigen Situation einem Fahrer dieses Formats passiert, ist der Radsport nicht mehr zu retten", prophezeite der ehemalige Zeitfahr-Weltmeister, der im Vorjahr eine zweijährige Doping-Strafe abgesessen hatte und sich seitdem als engagierter Antidoping-Kämpfer gibt.

In der A-Probe von Winokurow seien zwei verschieden Arten von roten Blutkörperchen gefunden worden. Dies deute darauf hin, dass er kurz vor dem Rennen Blut von einem passenden Spender erhalten haben müsse, schrieb "L'Equipe". Auch nach Winokurows zweitem Etappensieg am Montag sei ein Test gemacht worden, die Ergebnisse stünden noch aus.

Im Zeitfahren triumphierte Winokurow klar mit 1:14 Minuten Vorsprung auf den Australier Cadel Evans. "Ich wollte es mir und allen zeigen, dass ich noch nicht geschlagen bin. Ich habe alles aus mir rausgeholt", hatte der Olympia-Zweite von Sydney 2000 damals im Ziel erklärt. Auf der ersten Pyrenäen-Etappe am Sonntag erlitt er dann einen totalen Einbruch und verlor gar 28:50 Minuten auf den dänischen Spitzenreiter Rasmussen, ehe er dann in Loudenvielle-Le Louron seinen zweiten Etappensieg feierte.

Erst seit den Olympischen Spielen 2004 in Athen lässt sich Blutdoping nachweisen. Olympiasieger Tyler Hamilton aus den USA war der Erste, der wegen Blutdopings gesperrt wurde.

Auch Tour-Spitzenreiter Rasmussen steht wegen Unregelmäßigkeiten unter Doping-Verdacht. Ihm wird vorgeworfen, vor der Tour mehrfach seine Meldepflicht für unangemeldete Dopingtests verletzt zu haben. Er gab dies zwar zu, bezeichnete es aber als "Verfahrensfehler". Allerdings gestand er auch, dass er während seines zweijährigen Aufenthalts bei seiner Familie in Mexiko und in diesem Jahr an seinem Wohnort in Monaco abseits von Wettkämpfen "noch nie getestet" worden sei.

Der deutsche T-Mobile-Team hatte bereits in der vergangenen Woche seinen deutschen Fahrer Patrick Sinkewitz suspendiert, nachdem bei der Untersuchung einer bereits in Juni genommenen Dopingprobe ein überhöhter Testosteron-Wert festgestellt worden war. ARD und ZDF stellen daraufhin ihre Berichterstattung über die Frankreich-Rundfahrt ein.

Kasachischer Verband schockiert
Der kasachische Radsportverband hat geschockt auf den Doping-Fall Winokurow und den Rückzug des Teams Astana reagiert. Die Berichte über den kasachischen Profi Alexander Winokurow seien sehr beunruhigend, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Alexander Antyschew, in der Hauptstadt Astana.

Aber nicht von Schuld überzeugt
Die Kasachen zeigten sich aber von der Schuld ihres Teams nicht überzeugt. "Heute gibt es in der Welt des Radsports viele Dopingskandale, bei denen letztlich aber die Beweise fehlen", sagte Antyschew nach Angaben der Nachrichtenagentur Kazinform. Man müsse erst die offiziellen Bestätigungen für Blutdoping abwarten.

Der kasachische Radsportverband sei ein kompromissloser Gegner des Dopings im Sport, hob Antyschew hervor. Für endgültige Anschuldigungen gegen Winokurow und sein Team sei es aber noch zu früh.

Manager "schockiert und enttäuscht"
Der ehemalige Weltklasse-Fahrer Tony Rominger ist Manager von 20 Radprofis, vier von ihnen standen in London am Start der Tour de France. Doch nur Marcus Burghardt (T-Mobile-Team) hält noch die Stellung, nachdem Matthias Kessler (Astana), Patrik Sinkewitz (T-Mobile) und Alexander Winokurow (Astana) den Doping-Fahndern ins Netz gegangen sind. Gegenüber dem Schweizer Radio DRS versicherte Rominger, nichts von den Machenschaften seiner Schützlinge gewusst zu haben.

"Ich bin sehr schockiert und enttäuscht. Ich kann es nicht nachvollziehen", sagte Rominger. Der ehemalige Sieger von Giro d'Italia und Vuelta gab an, kein Interesse daran zu haben, dass sich seine Klienten dopen: "Ich arbeite auf Provisionsbasis. Ich verliere Geld durch diese Fälle." Rominger wies darauf hin, dass die überführten Fahrer langfristige, gut dotierte Verträge gehabt hätten. In Zukunft will der Ex-Profi seine Fahrer vorsichtiger auswählen. "Wenn ich weitermache, dann arbeite ich nicht mehr mit Fahrern zusammen, die dubiose Trainer haben", erklärte der Schweizer.

Den Vorwurf, er habe sich zu Doping während seiner Aktivzeit nie geäußert, wehrte Rominger mit dem Hinweis ab, es zähle die Zukunft, nicht die Vergangenheit. Der Schweizer, der als Rennfahrer mit dem umstrittenen italienischen Sportarzt Michele Ferrari ("Dottore Epo") zusammenarbeitete, stritt gegenüber Radio DRS ab, sich irgendwann gedopt zu haben.

Rominger hatte stets betont, dass er sich von Ferrari lediglich die Trainingspläne habe erstellen lassen. Noch Anfang Juli dieses Jahres, zwei Wochen bevor sein positiver Test bekannt wurde, hatte auch Patrik Sinkewitz über die Zusammenarbeit mit Ferrari gesagt: "Ich habe den Mann seit Dezember viermal bei Leistungstests gesehen. Er hat mir dann Trainingspläne geschrieben."

(apa/red)