Grünes Erbe von

Sie folgen Eva
Glawischnig nach

Grüne haben entschieden - Felipe wird Bundessprecherin, Lunacek Spitzenkandidatin

Ulrike Lunacek und Ingrid Felipe © Bild: APA/BARBARA GINDL

Die Nachfolge von Eva Glawischnig ist geregelt: Am Freitag haben sich die Grünen im Erweiterten Bundesvorstand beraten und sich einstimmig auf Ingrid Felipe als Bundessprecherin und EU-Mandatarin Ulrike Lunacek als Spitzenkandidatin geeinigt. Beide wurden im Vorfeld als Favoritinnen gehandelt.

Endgültig beschlossen ist dies noch nicht. Dies obliegt der Bundesversammlung der Grünen, die Ende Juni in Linz tagen wird. Noch keine Entscheidung gibt es darüber, wer den Klubvorsitz im Parlament übernehmen soll. Dies sei eine Entscheidung des Klubs, hieß es in einer Pressekonferenz nach den mehrstündigen Beratungen.

Felipe begründete die von Glawischnig bei ihrer Abschiedspressekonferenz noch abgelehnte Aufteilung der Aufgaben mit ihren Verpflichtungen in Tirol. Sie trage Verantwortung als alleinerziehende Mutter, aber auch gegenüber Tirol, wo die Regierungszusammenarbeit mit der ÖVP beispielhaft funktioniere. Lunacek verteidigte die Entscheidung ebenfalls: "Ich freue mich auf diesen Wahlkampf." "Ich habe gesagt, ich kann als Parteisprecherin zur Verfügung stehen, nicht als Spitzenkandidatin", teilte Felipe mit. In ihrem Statement unmittelbar nach der Entscheidung im Erweiterten Bundesvorstand erinnerte sie nicht nur an ihren Sohn, einen "13-jährigen, pubertierenden Burschen". Glawischnigs Abschied habe generell mit der großen Herausforderung und Belastung dieses Polit-Jobs zu tun, meinte sie.

Frisches Gesicht aus Tirol

Felipe wurde bereits im Vorfeld als Glawischnigs mögliche Nachfolgerin gehandelt. Ingrid Felipe Saint Hilaire, geboren im August 1978 in Hall in Tirol. Die studierte Betriebswirtin ist seit 2012 Landtagsabgeordnete. Bei den Landtagswahlen 2013 verzeichneten die Grünen als einzige Partei Zugewinne und schmiedeten unter Felipes Führung eine Koalition mit der ÖVP. Die leidenschaftliche Handballerin ist innerhalb der Partei ausgezeichnet vernetzt und durchaus beliebt.

© APA/HERBERT PFARRHOFER Ingrid Felipe und Eva Glawischnig

Ein Porträt zu Ingrid Felipe

Vom EU-Parlament zur Spitzenkandidatin

Lunacek betonte, die Übernahme der Spitzenkandidatur sei für sie kein leichter Entschluss gewesen. Sie stehe aber "150-prozentig" dazu: "Ich freue mich auf einen spannenden Wahlkampf." EU-Mandatarin will sie vorläufig bleiben. Es gehe um viel, denn vor allem die ÖVP, aber auch die SPÖ steuere nach rechts. "Wir Grünen sind die einzigen, die garantieren, dass es mit uns keine FPÖ in der Regierung gibt", meinte sie. Und: "Wir sind die einzigen, die hier links der Mitte stehen." Eine blaue Regierungsbeteiligung "wäre nicht nur für Österreich fatal, sondern auch für die EU", sagte Lunacek: "Ich will kein Österreich, das Richtung Orban abdriftet."

Ulrike Lunacek, die in einer Woche ihren 60. Geburtstag feiert, hat sich in den vergangenen Jahren nach anfänglichen Querelen mit Johannes Voggenhuber als Stabilitätsfaktor der Grünen auf nationaler und internationaler Ebene erwiesen. Seit 2013 ist sie auch Vizepräsidentin der Grünen Fraktion im EU-Parlament und Kosovo-Berichterstatterin. Beim vergangenen EU-Wahlkampf 2014 konnten die Grünen deutlich zulegen. Lunacek legte einen fehlerfreien Wahlkampf hin, war sachlich versiert und machte sich auch im EU-Parlament selbst einen Namen.

Ulrike Lunacek im EU-Wahlkampf
© APA/GEORG HOCHMUTH

Gekämpft hat Lunacek für so ziemlich alles, was sie bisher erreicht hat. Ihr Selbstbewusstsein schöpfte die bekennende Lesbe unter anderem aus ihrem Einsatz für die Rechte Homosexueller. Lunacek wurde am 26. Mai 1957 in Krems an der Donau geboren. Die Tochter des Generaldirektors der Raiffeisenwarenzentrale wuchs schnell zu einer weltoffenen Frau heran. Als Dolmetschstudentin für Englisch und Spanisch in Innsbruck unternahm sie unter anderem mehrere Südamerika-Reisen.