Nach der WM ist vor der EM: Stickler will die beste Euro aller Zeiten veranstalten

EM-Qualifikation beginnt schon am 2. September Verkauf ab '07: Unbürokratischere Wege im Ticketing

Nach dem furiosen Finale der Weltmeisterschaft in Deutschland tritt die EURO 2008 aus dem medialen Schatten. Nun sind die Blicke auf die beiden Ausrichter Österreich und Schweiz gerichtet. "Nach der WM ist vor der EM. Unser Ziel ist es, die beste Europameisterschaft aller Zeiten zu veranstalten. Wir sind jetzt mit den Vorarbeiten bereits weiter, als es alle anderen EM-Gastgeber zuvor zu diesem Zeitpunkt waren", erklärte ÖFB-Präsident Friedrich Stickler.

Organisatorisch sind die Vorbereitungen im Plan, sportlich geht es mit der Qualifikation am 2. September los. Das ÖFB-Team, das sportlich großen Aufholbedarf hat, startet seinen Countdown am 16. August gegen Ungarn, und für das OK bleibt die große Herausforderung, Voraussetzungen für eine ähnliche fröhliche Stimmung zu schaffen wie in Deutschland.

Franz Beckenbauer nahm mit einem Steilpass symbolisch via Video-Botschaft den Anstoß vor. Der WM-OK-Chef war von Berlin ins Wiener Rathaus geschaltet, wo mit 500 prominenten Gästen aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und Medien die "Kick-Off"-Party für den Verein "Österreich am Ball" erfolgte. Unter Vorsitz der ehemaligen Vize-Kanzlerin und Sportministerin Susanne Riess-Passer hat sich der Verein zum Ziel gesetzt, in allen gesellschaftlichen Bereichen für positive Stimmung zu sorgen.

Große Chance für Österreich und die Schweiz
Welche Möglichkeiten der Image-Werbung ein so großes Turnier bietet, davon konnten sich österreichische Delegationen, angeführt von Stickler, Turnierdirektor Christian Schmölzer, ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig, ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger und Günther Marek, Leiter der nationalen Fußball-Informationsstelle im Innenministerium, in Deutschland ein Bild machen.

Auch die "Basler Zeitung" sieht eine große Chance kommen. "Vielleicht dämmert es denen, die hierzulande noch als Bedenkenträger unterwegs sind, was der Schweiz und ihrem Partner Österreich bevorsteht: Zwar eine gewaltige organisatorische Aufgabe, aber als Lohn unbeschwerte Bilder voller Fröhlichkeit, wie sie uns aus Deutschland überflutet haben", schrieb die Tageszeitung.

Stickler sieht das ebenso. "Wir dürfen ein wunderbares sportliches Ereignis miterleben, das alle organisatorischen Erwartungen übertrifft", erklärte er bei einem Besuch in München. Er ist überzeugt, dass auch in Österreich eine ähnliche Party-Stimmung erzeugt werden kann, Fan-Zonen sind in allen vier EM-Spielorten Wien, Klagenfurt, Salzburg und Innsbruck geplant.

Unbürokratischere Wege beim Ticketing
In punkto Organisation, Fan- und Team-Betreuung und Sicherheit will man sich vom Nachbarn einiges abschauen, im Ticketing will man unbürokratischere Wege gehen. Persönliche Daten sollen nur noch vom Kartenkäufer aufgenommen werden, der Verkauf per Internet (in einer Verkaufsphase) beginnt im Frühjahr 2007. Auch im Hospitality-Bereich und beim kulturellen Rahmenprogramm wird die EURO eine Dimension kleiner geplant.

Kleiner werden auch die Stadien sein. Das Ernst Happel-Stadion in Wien, wo am 29. Juni 2008 das Finale ausgetragen wird, fasst knapp über 50.000 Zuschauer, die anderen 30.000 Sitzplätze. Die Bau bzw. Umbauarbeiten sind in vollem Gange. In Klagenfurt, das eine neue Arena erhält, werden demnächst die ersten Pfeiler hochgezogen, gespielt soll im Herbst 2007 werden.

In Salzburg wurde das Dach des Stadions in Wals-Siezenheim im Juni um 10,5 Meter angehoben, um einen zweiten Rang einziehen zu können. Während der Umbauphase bis Sommer 2007 kann Vize-Meister Red Bull mit kleinen Beeinträchtigungen weiter in Salzburg spielen. Auf dem Innsbrucker Tivoli haben im Jänner die Arbeiten begonnen und sollen im April 07 beendet sein.

EM soll ein erfolgreiches Nationalteam sehen
Der nächst offizielle Termin ist für 27. März angesetzt: Dann wird in Wien das Turnier-Maskottchen präsentiert. Ebenfalls im Herbst erfolgt die Bekanntgabe der Team-Hotels und Trainingszentren, noch vor Jahresende sollen die Verträge mit den Sponsoren und Host Citys abgeschlossen sein.

Die Qualifikation wird im November 2007 abgeschlossen, die Auslosung der Gruppenphase mit den 16 Teilnehmer-Länder erfolgt am 2. Dezember kommenden Jahres in Luzern. Bis dahin wartet nicht nur auf das OK, sondern auch auf Teamchef Hickersberger viel Arbeit. Denn wie eine erfolgreiche Mannschaft eine Euphorie entfachen kann, haben Jürgen Klinsmann und seine Schützlinge gezeigt. Davon sind die Österreicher derzeit wohl am weitesten entfernt.

(apa/red)