Nach Wiederauferstehung in Magny Cours: Ferrari sagt McLaren für WM den Kampf an

Aufholjagd soll beim GP von Silverstone weitergehen WM-Leader Hamilton bleibt vor Heimrennen cool

Nach Wiederauferstehung in Magny Cours: Ferrari sagt McLaren für WM den Kampf an

Für Ferrari sind die im Formel-1-Titelrennen weit vorauseilenden Silberpfeile nach dem souveränen Doppelerfolg in Magny-Cours wieder in Sichtweite. Dank des Doubles durch Kimi Räikkönen vor Felipe Massa im Grand Prix von Frankreich feierte die Scuderia eine rote Renaissance. "Dieser Eins-Zwei-Zieleinlauf ist entscheidend für den Rest beider Weltmeisterschaften", hob Teamchef Jean Todt die Bedeutung dieses Befreiungsschlags nach zuletzt deftigen Schlappen hervor. Räikkönen resümierte erleichtert: "Wir sind wieder da."

Schon in Silverstone will die Scuderia beim Heimrennen von McLaren-Mercedes und des britischen Formel-1-Wunderknaben Lewis Hamilton die Aufholjagd fortsetzen. "Wir müssen versuchen, in England dieses Ergebnis zu wiederholen", sagte Todt.

Der erstaunlich locker herausgefahrene Doppel-Triumph beim Grand-Prix-Abschied aus dem französischen Niemandsland war zumindest für die italienischen Zeitungen eine sportliche Wiederauferstehung. "Der Albtraum ist vorbei. Räikkönen und Massa geben der WM neues Feuer", jubelte die italienische "La Repubblica".

Bei McLaren blieb man aber locker: "Wir haben sie besser aussehen lassen, als sie sind", meinte Teamchef Ron Dennis trocken. Und Ferrari-Sportchef Stefano Domenicali gab sich ebenfalls zurückhaltender als Todt. "Unsere Hauptkonkurrenten sind im Verkehr festgesteckt", verwies der Italiener darauf, dass in der heuer so ausgeglichenen Formel 1 eine vordere Startposition wesentlich ist, wie schon lange nicht mehr.

Tatsächlich wurden sechs von acht Läufen bisher aus der Pole gewonnen. Frankreich war überhaupt der erste Saison-GP, in dem nicht ein aus der ersten Reihe gestarteter Fahrer gewonnen hat.

Der als Nachfolger des siebenfachen Rekord-Weltmeisters Michael Schumacher von McLaren-Mercedes geholte Räikkönen ("Wir sind wieder zurück, aber noch lange nicht da, wo wir sein wollen") hat vom Quartett der Titelkandidaten die schlechteste Ausgangsposition. Die eigentliche Nummer 1 von Ferrari weist immer noch 22 Punkte Rückstand auf Sensations-Spitzenreiter Hamilton (64) auf.

Der britische Jungspund wiederum hat zwar auf Räikkönen (42) und Massa (47) etwas von seinem Riesenvorsprung eingebüßt, gleichzeitig aber Teamkollege Alonso (50) weiter distanziert. "Die WM beim Heimrennen anzuführen ist eines der größten Gefühle für einen Fahrer", konstatierte der Formel-1-Frischling. "Ich bin sicher, wir können in Silverstone zurückschlagen."

Die vier Piloten der beiden Top-Teams halten nun alle bei jeweils zwei Siegen. Hamilton hat sich deshalb vor allem wegen seiner Konstanz mit acht Podestplatzierungen in acht Rennen zur Halbzeit abgesetzt. "In Frankreich bin ich erstmals auf der Strecke überholt worden", sagte der 22-Jährige. "Aber Fakt ist, dass wir wieder auf dem Podium gelandet und das konstanteste Team sind."

Auffallend war, dass der wegen Getriebeproblemen nur als Zehnter gestartete Alonso wie schon in Kanada nur auf Platz sieben landete. Angeblich fuhr der Spanier aber mit Trauerflor, weil beim Absturz des auf der Rennstrecke gestarteten Hubschraubers auch ein Bekannter von ihm ums Leben gekommen war.

Tristesse herrscht derzeit bei der Formel Austria. Toro Rosso verzeichnete den vierten Doppelausfall der Saison, Mark Webber (12.) und David Coulthard (13.) waren ohne Chance auf WM-Punkte für Red Bull Racing. "Das war das Rennen, bei dem wir bisher am wenigsten konkurrenzfähig waren", gab Teamchef Chris Horner zu.

Und bei Alex Wurz lastet die Hypothek der schwachen Trainings (18.) weiter fast noch schwerer als die zuletzt matte Performance des Williams und Platz 14 in Frankreich. "Alle hatten die dieselbe Strategie, dieselben Reifen, denselben Speed. Da war nichts möglich", sagte Wurz desillusioniert.

Zudem verliert man bei Williams bald auch Aerodynamiker Loic Bigois. Der wechselt zu Honda, wo man Platz acht für Jenson Button und den ersten WM-Saisonpunkt überhaupt feierte. Das Klien-Team Honda rüstet nach der bisherigen Katastrophen-Saison aerodynamisch groß auf und holte mehrere Fachleute von Williams, BMW und McLaren an Bord. Bigois wird Chef der Aerodynamik bei Honda.

(apa)