Nach der Wahl von

Düringer hofft auf Überspringen
der Ein-Prozent-Hürde

"Dann können wir denen, die uns ein Darlehen gewährt haben, ihr Geld zurückzahlen"

Nach der Wahl - Düringer hofft auf Überspringen
der Ein-Prozent-Hürde © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Der Bundesparteiobmann kündigt seinen Rücktritt an - und tritt doch ab morgen als "Der Kanzler" auf. Die Systemgegner haben ihr Wahlziel erreicht, doch das "System" hat eindrucksvoll seine Macht bewiesen. Das Aushängeschild des Projekts gibt sich betont gelassen - und schaut dennoch gespannt auf Donnerstag. Am Morgen nach der Wahl war die Lage bei der Liste GILT widersprüchlich.

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Nein, Roland Düringer widersteht der Versuchung, zum APA-Interview "einen kleinen Schwarzen, kurz" zu bestellen und trinkt lieber Tee. Abwarten und Tee trinken gilt es bis zur Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses. Schafft es GILT (ohne Briefwahl und Wahlkarten derzeit bei 0,92 Prozent) über die Ein-Prozent-Hürde, gibt es Parteienförderung (früher: Wahlkampfkostenrückerstattung). "Dann können wir denen, die uns ein Darlehen gewährt haben, ihr Geld zurückzahlen", sagt der Kabarettist, der seiner Liste selbst 500 Euro vorgestreckt hat. Rund 120.000 Euro habe der vorwiegend Facebook-basierte Wahlkampf gekostet.

Bleibt man unter ein Prozent, wird die Liste GILT so rasch wie möglich aufgelöst. Schafft man es drüber, muss die Liste als Partei zumindest vorläufig weiterbestehen. Dann wäre für Düringer sogar denkbar, dass sich jemand anderer um das von ihm initiierte demokratiepolitischen Selbstermächtigungsprojekt kümmert und es weiterführt. Mit dem Wahlergebnis ist Düringer nicht unzufrieden. "Wie mache ich aus ungültigen Stimmen gültige? Das war unser Anspruch. Und das ist uns zumindest bei der Hälfte gelungen."

Tatsächlich wurden 2013 90.000 ungültige Stimmen registriert, heuer waren es (ohne Wahlkarten und Briefwahl) nur 45.000. Rund 40.000 Stimmen hat die Liste GILT erhalten - mehr als die KPÖ. Und dass die Grünen trotz Parteienförderung, ungleich höheren Wahlkampfbudgets und Präsenz bei den TV-Duellen "nicht einmal viermal so viel Stimmen wie unsere kleine Facebook-Blase" bekamen, hält Düringer für bemerkenswert. "Unser größtes Problem wäre es ja gewesen, wenn wir über vier Prozent gekommen wären. Dann wären wir Teil des Systems. Seit dem Antritt der Liste Pilz war aber klar, dass uns das nie gelingen wird. Ich freue mich für Peter Pilz - auch, wenn er 70 Prozent unserer Idee gefladert hat."

40.000 Stimmen - das wären rund 200 ausverkaufte Vorstellungen bei seinem Kabarettprogramm "Der Kanzler", das morgen im Linzer Posthof Österreich-Premiere hat. Hat Roland Düringer also sein Potenzial bei den Wahlen ausgeschöpft? Er möchte sein Demokratieprojekt nicht mit seinem Programm vermengt wissen, betont der Kabarettist. Er habe sein Programm samt Premierentermin bereits angekündigt gehabt, als die für 2018 geplanten Wahlen vorverlegt wurden. "Den Großteil des Textes habe ich bereits im Juni geschrieben - ohne die Silberstein-Affäre nur zu ahnen. Doch es ist verrückt: Sie kommen alle vor. Ich habe dann aufgrund der Kurz-Performance nur den Schluss etwas abgeändert."

In "Der Kanzler" werden keine Partei- oder Politikernamen genannt. Auch von Österreich ist nicht die Rede. "Es geht mir um die Frage, wie sich ein bestimmtes System auf das menschliche Verhalten auswirkt. Das war schon bei den Beamten ("MA 2412"), den Häuslbauern ("Hinterholz 8") und den Autoliebhabern ("Benzinbrüder") so. Jetzt sind es die Politiker." Nicht ganz unrealistischer Ausgangspunkt des Programms ist der frühe Morgen eines Wahltages: Der amtierende Kanzler setzt sich hin, schreibt seine Rücktrittsrede und erinnert sich an seine politische Karriere. Dabei wird Düringer auch in zahlreiche andere Figuren springen und so mit sich selbst ins Gespräch kommen.

"Es geht in 'Der Kanzler' nicht um politische Inhalte. Es geht rein um Mechanismen", sagt Düringer. Die kennt er jedoch heute um einiges besser als noch vor einem Jahr, als alles begann. Und er ist nach der gestrigen Wahl auch um einige nüchterne Erkenntnisse reicher: "75 Prozent sagen bei Umfragen, sie seien mit dem herrschenden System unzufrieden, 85 Prozent wählen es dennoch. Das System hat gesiegt! Und nur zwei Prozent interessieren sich wirklich für Demokratie. Doch die Demokratie ist ja ein junges, zartes Pflänzchen. Vielleicht lachen die Menschen in ein, zwei Generationen darüber, dass wir dafür so etwas wie Parteien gebraucht haben."

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