Nach dem Tod eines Dreijährigen im Spital:
Mutter fordert die Suspendierung der Ärzte

Innsbruck: Kind starb durch einen Behandlungsfehler Mutter weiß: "Mein Kind wäre zu retten gewesen"

Nach dem Tod eines Dreijährigen im Spital:
Mutter fordert die Suspendierung der Ärzte © Bild: Kemper/Corbis

Ein Behandlungsfehler ist Schuld am unerwarteten Tod eines dreijährigen Buben an der Innsbrucker Klinik. Zu diesem Schluss kommt ein von der Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH (Tilak) in Auftrag gegebenes Gutachten. Laut Expertise liege eine "Verletzung der Sorgfaltspflicht vor". Die Mutter forderte indes die Suspendierung der beiden Ärzte, die laut Tilak nach wie vor Dienst versehen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Juni wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen.

Das an chronischer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) leidende Kind war im April nach einer fast überstandenen Scharlacherkrankung an der Klinik wegen Verstopfung mit insgesamt vier Einläufen behandelt worden und an einer Stoffwechselentgleisung gestorben. Bei dem Präparat habe es sich um ein Standardprodukt gehandelt, das rezeptfrei erhältlich und weltweit "täglich bei tausenden Kindern angewendet" werde, erläuterte der stellvertretende ärztliche Direktor Alois Obwegeser. Bei dem Patienten hätten aber zwei Risikofaktoren bestanden: "Das Alter und die chronische Niereninsuffizienz", so Obwegeser. Beides sei den Medizinern bekanntgewesen.

"Mein Kind lag zwei Stunden in Krämpfen, hatte steife Beine und niemand ist gekommen", schilderte die Mutter bei einer gemeinsam mit der Tiroler Patientenvertretung spontan einberufenen Pressekonferenz in Innsbruck. Sie habe mehrfach darauf hingewiesen, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimme, man hätte sie aber über zwei Stunden nicht ernst genommen: "Mein Kind wäre zu retten gewesen."

"Von den Ärzten unterschätzt"
Auf die Frage, warum trotz Verschlechterung des Gesundheitszustandes und Verlangen der Eltern zwei Stunden lang keine ärztliche Hilfe gekommen sei, antwortete der stellvertretende ärztliche Direktor: "Die Erkrankung wurde von den Ärzten unterschätzt". Es habe eine Abfolge von nicht korrekt bewerteten Dingen gegeben. "Wenn wir sofort gekommen wären, wäre die Chance größer gewesen", räumte Obwegeser ein.

Die Patientenvertretung beklagte außerdem die schleppende Aufklärung seitens der Tilak. "Wir haben bis heute nicht alle Unterlagen bekommen", kritisierte Birger Rudisch von der Patientenvertretung. Dabei sei es das Recht jedes Patienten, seinen Krankenakt ausgehändigt zu bekommen. Das heute, Mittwoch, präsentierte Gutachten sei Informationen Rudischs zufolge "erst im August in Auftrag gegeben" worden. In derartigen Fällen müsse die Aufarbeitung schneller von statten gehen.

"Es tut uns unsäglich leid"
"Wir sind alle sehr betroffen. Es tut uns unsäglich leid, was hier passiert ist", betonte Tilak-Vorstand Andreas Steiner. Das Gutachten spreche eine "klare Sprache". Die Tilak werde alles dafür tun, "dass so etwas nie wieder passiert". Das Präparat werde ab sofort nicht mehr zur Behandlung von Risikopatienten verwendet, außerdem sei eine Checkliste erstellt worden, um Risikopatienten identifizieren zu können. Bei jedem unklaren Zustand eines Kindes werde künftig eine Blutuntersuchung durchgeführt.

Suspendiert werden die behandelnden Ärzte des toten Dreijährigen laut Steiner nicht. Die vorläufig einzige Konsequenz für die Mediziner nach dem Ergebnis des Gutachten: Sie dürfen vorerst nur mehr gemeinsam mit Kollegen arbeiten.

(apa/red)

Kommentare

Behandlungsfehler Was der Arzt oder der Tilak-Vorstand wohl sagen und machen würde wenn es sich um sein Kind handeln würde? Solange wirtschaftliche Interessen über jenen von Menschenleben stehen (warum gab bis jetzt keine Checkliste für Risikopatentien oder eine Blutuntersuchung ?) wird sich nichts ändern.

Der kollegiale Mantel des Schweigens Hier wird wie in vielen Berufsgruppen und Ebenen der Mantel des Schweigens ausgebreitet und die Angehörigen als „Tschapperln“ im Regen stehen gelassen. Mit der Floskel „Es tut uns unsäglich leid“ hilft dieser Mutter nur ebenso unmerklich über den Verlust ihres Kindes hinweg wie die Beteuerung man werde „alles dafür tun, dass so etwas nie wieder passiert“.
Es hackt doch eine Krähe der Anderen kein Auge aus.

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