Nach Terroranschlag in Minsk mit 12 Toten:
Behörden nehmen mehrere Personen fest

Präsident Lukaschenko tippt auf "Kräfte von außen" Laut Angaben sollen zwei Täter verantwortlich sein

Nach einer Explosion in einer U-Bahnstation in der weißrussischen Hauptstadt Minsk gehen die Behörden von einem Terroranschlag aus. Präsident Lukaschenko sagte, er schließe nicht aus, dass Kräfte "von außen" hinter der Explosion steckten. Zwölf Menschen kamen bei der Explosion mitten im abendlichen Berufsverkehr ums Leben, 149 wurden verletzt. Mehrere Personen wurden inzwischen festgenommen. Sie stünden im Verdacht, an einem Terrorakt beteiligt gewesen zu sein, zitierten Nachrichtenagenturen Generalstaatsanwalt Andrej Schwed. Wer für die Explosion am Vortag verantwortlich war, bei der zwölf Menschen getötet wurden, war auch einen Tag danach noch unklar. Es sollen laut Behörden zwei Täter gewesen sein.

"Ich schließe nicht aus, dass dieses 'Geschenk' aus dem Ausland kommt, aber wir müssen auch bei uns suchen", sagte Lukaschenko nach dem Terrorakt in seinem Land mit zwölf Toten. "Ich habe Sie gewarnt, dass man uns nicht in Frieden leben lassen würde." Er hatte in der Vergangenheit wiederholt behauptet, Kräfte von außen wollten sein Regime destabilisieren. Der oft als "letzter Diktator Europas" kritisierte Staatschef legte in der Station nahe seiner Residenz Blumen nieder und befahl, die Sicherheitsvorkehrungen in dem ohnehin scharf kontrollierten Land noch zu verstärken.

Anschlag in Palastnähe
Die Station Oktjabrskaja ist nur rund 100 Meter vom Verwaltungsgebäude des Präsidenten und dem Palast der Republik entfernt. Ein großer Krater sei am Ort der Explosion zu sehen, hieß es. Laut Itar-Tass berichteten Augenzeugen, dass Menschen auch beim Einsturz einer Treppe getötet oder verletzt worden seien.

Sprengsatz war auf Bahnsteig versteckt
Für den Anschlag haben die Attentäter nach Angaben der weißrussischen Regierung einen Sprengsatz auf dem Bahnsteig der Metrostation versteckt. Die Wucht der Explosion habe fünf bis sieben Kilogramm TNT entsprochen, die Bombe sei zudem mit zahlreichen Metallkugeln von einem Zentimeter Durchmesser gespickt und unter einer Bank versteckt gewesen, erklärte Innenminister Anatoli Kuletschow. Ein Zug, der zum Zeitpunkt des Unglücks auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig einfuhr, habe Anweisung erhalten, durchzufahren. Die Behörden haben nach eigenen Angaben Hinweise auf zwei Täter.

Politische Spannungen im Land
Die politischen Spannungen in Weißrussland haben seit einer Massendemonstration gegen Lukaschenko im Dezember zugenommen, bei der mehr als 700 Menschen festgenommen wurden, darunter auch sieben Präsidentschaftskandidaten. Bei der umstrittenen Wahl am 19. Dezember wurde Lukaschenko, der seit 1994 mit eiserner Faust die ehemalige Sowjetrepublik regiert, zum klaren Wahlsieger erklärt. Die angeschlagene Opposition gegen Lukaschenko ist seit Jahren überwiegend friedlich.

Will Führung von Problemen ablenken?
In Internetblogs war in ersten Reaktionen die Rede davon, dass die weißrussische Führung möglicherweise versuche, von den schweren innenpolitischen Problemen des Landes abzulenken. Weißrussland steht vor dem Staatsbankrott und wartet auf einen Milliardenkredit aus dem Nachbarland Russland. Beobachter erwarten, dass der seit 1994 regierende Lukaschenko die Daumenschrauben nun noch schärfer anziehen wird.

Oppositionelle unter Hausarrest
Zahlreiche Oppositionelle sitzen seit der Präsidentenwahl im Dezember 2010 im Gefängnis oder stehen unter Hausarrest. Führende Regierungsgegner flohen ins Ausland. Das Regime hatte Proteste in der Wahlnacht niederknüppeln lassen. Weißrussland ist das einzige Land in Europa, das die Todesstrafe vollstreckt.

(apa/red)