Nach dem Teenie-Hype: Auch die Älteren haben am Popmarkt wieder eine Chance

Zahl der ganz jungen Musik-Käufer zurück gegangen Timberlake, Spears & Co werden mit ihren Fans älter

Als vor ein paar Jahren noch die Teenager die Popcharts beherrschten, hatten ältere Künstler - also 30-Jährige etwa - einen schweren Stand. Ihr Geburtsjahr verschwiegen sie gerne schamhaft, während junge Kollegen wie 'N Sync, Britney Spears und Christina Aguilera Hit auf Hit veröffentlichten und Millionen Alben verkauften. Doch die Zeiten haben sich geändert, inzwischen ist Jugend nicht mehr alles, was zählt.

"Teen-Musik verkauft sich weiterhin gut, und das wird auch weiter so bleiben, aber es ist kein Hype mehr wie früher", sagt Rick Krim aus der Führungsriege des Musiksenders VH1. Einer Studie der Recording Industry Association of America (RIAA) zufolge ging die Zahl der Musikkäufer unter den 15- bis 19-Jährigen in den USA 1996 bis 2005 von 17,2 auf 11,9 Prozent zurück. Die Zahl der Käufer in den Altersgruppen zwischen 20 und 44 veränderte sich dagegen kaum. Bei den über 45-Jährigen gab es dagegen einen deutlichen Anstieg von 15,1 Prozent auf 25,5.

Schummeln beim Alter war gestern
Und das merkt man auch bei den Künstlern: Justin Timberlake etwa hat sich von 'N Sync emanzipiert und veröffentlicht sexy Clubtracks für Erwachsene, Aguilera hat geheiratet und singt nun Balladen für ein reiferes Publikum. Es scheint nicht mehr nötig zu sein, bei der Altersangabe zu schummeln. Zwar sind Teenacts wie JoJo, Rihanna und Chris Brown immer noch erfolgreich, aber sie sind nicht mehr dominant. Die Künstler mit den besten Verkaufszahlen im abgelaufenen Jahr sind in ihren 20ern und 30ern: Gnarls Barkley beispielsweise oder Mary J. Blige, James Blunt, Nelly Furtado und Shakira. Und selbst Senioren wie der 60-jährige Barry Manilow und der 65-jährige Bob Dylan hielten gut mit.

In den vergangenen Jahren sei eindeutig mehr Musik für einen erwachsenen Markt produziert worden, sagt Sean Ross vom US-Institut Edison Media Research, das Radiotrends verfolgt. "35-Jährige kommen an einen Punkt, wo sie Rap o.k. finden, und 18-Jährige wollen ausgereiftere Musik."

JoJo glaubt an Comeback der Teenie-Stars
Die 15-jährige JoJo, deren Ballade "Too Little Too Late" es in die Top Five der Billboard Charts schaffte, hält es für durchaus möglich, dass sich die jugendlichen Künstler mit Macht zurückmelden. "Ich glaube, so ähnlich passiert das gerade. Aber anders als vor vielleicht sieben Jahren mit den Boy Bands und Britney Spears und Christina Aguilera." Damals produzierten Acts wie Spears und Aguilera Blockbuster-Alben, die sich millionenfach verkauften. Doch als die Künstler ebenso wie ihre Fans langsam älter wurden, ebbte die Teen-Begeisterung allmählich ab.

Den veränderten Anforderungen des Marktes trägt beispielsweise der Freund von R&B-Diva Beyonce Rechnung: Der 37-Jährige Jay-Z legte mit "Kingdom Come" eines der erfolgreichsten Comeback-Alben des Jahres 2006 vor. Darauf singt er darüber, gereift zu sein, und im Titel "30 Something" brüstet er sich sogar mit seinem Status als Älterer. "Mit 50 gefällt dir HipHop immer noch, aber du kannst mit der Musik nichts mehr anfangen, weil die Leute, die sie machen versuchen, damit ein jüngeres Publikum anzusprechen", sagt Jay-Z.

Unterschiede verschwimmen
Dabei schließt Jay-Z nicht aus, dass seine Musik auch den Jüngeren gefallen kann. Und tatsächlich scheinen die Unterschiede zu verschwimmen. "Bestimmte Acts gefallen zunächst den Älteren, aber weil es großartige Musik ist, gefällt sie dann auch anderen Altersgruppen", sagt VH1-Manager Krim und verweist auf den Erfolg von James Blunt oder der Rockgruppe Keane.

(apa)