Nach Sturz von Edmund Stoiber: Parteirebellin Gabriele Pauli verlässt CSU

Politikerin geht wegen Verhaltens ihr gegenüber Erzürnt über Profiteure der bayerischen Parteirevolte

Nach Sturz von Edmund Stoiber: Parteirebellin Gabriele Pauli verlässt CSU

Die CSU-Rebellin Gabriele Pauli will ihre Partei verlassen. Sie trete aus der CSU aus, sagte die Fürther Landrätin gegenüber der Zeitschrift "Vanity Fair". Da der neue CSU-Parteichef Erwin Huber seit Monaten nicht auf sie zugekommen sei und nicht auf ihre Forderungen und Vorstellungen eingegangen sei, habe sie sich zu diesem Schritt entschlossen. Sie gehe "wegen der Art und Weise, wie man sich mir gegenüber verhalten hat".

CSU-Sprecher Hans Michael Strepp bestätigte Paulis Austritt und zeigte sich überrascht, weil sie vor kurzem noch die CSU als ihre politische Heimat bezeichnet habe. Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer sagte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk: "Es ist schade, weil Frau Pauli ja über sehr sehr lange Zeit eine sehr interessante und erfolgreiche Politikerin bei uns war." Dieses Ende sei "fast ein bisschen tragisch".

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein äußerte Bedauern über Paulis Schritt. Er sei aber "nicht überraschend gekommen". Pauli habe sich "wegentwickelt aus der Partei", ergänzte er unter anderem im Hinblick auf die Forderung der Landrätin nach einer "Ehe auf Zeit". "Die Inhalte hatten mit uns nichts mehr zu tun, aber dennoch tut es mir leid, dass uns eine langjährige Weggefährtin verlässt." Weitere Gespräche mit Pauli wären aber aus Sicht Becksteins "nicht mehr sinnvoll" gewesen.

Treibende Kraft bei Stoiber-Abtritt
Pauli hatte als jüngste Landrätin Deutschlands mit 32 Jahren für die CSU den als SPD-Hochburg geltenden Kreis Fürth erobert und war zuletzt mit 65 Prozent wiedergewählt worden. Auf eine erneute Kandidatur im kommenden März hatte sie bereits im Herbst überraschend verzichtet. Mit ihrer Kritik am früheren bayrischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Edmund Stoiber hatte sie maßgeblich zu dessen Rückzug von seinen Ämtern beigetragen. Auf dem CSU-Parteitag Ende September bewarb sie sich selbst um den Parteivorsitz, erhielt aber nur 24 Stimmen (2,5 Prozent).

Ob sie nun eine eigene Partei gründen oder einer anderen beitreten werde, ließ Pauli zunächst offen. Beides seien Optionen: "Ich möchte einen Kreis von Menschen finden, der für eine Politik der Offenheit steht, um einem neuen Denken, das sich viele ersehnen, Kraft zu verleihen", sagte sie der Zeitschrift. Sie betonte weiters, ihr Austritt sei die Konsequenz des vergangenen Jahres.

In dem Interview warf Pauli der CSU-Spitze zum wiederholten Male vor, diese habe sie ausgegrenzt. "Diese Herren haben keinen Respekt und keine Scheu, meine Meinung zu unterdrücken." Auch ihr Geschlecht habe bei der Kontroverse um ihre Person eine Rolle gespielt. Es sei für die "Herren von der CSU" leichter mit Frauen, die sich unterordneten. "Mit mir hatten sie es schwerer. Die hatten Angst, nicht mehr mithalten zu können. Wenn man nicht nur Kompetenz, sondern auch Ausstrahlung hat, dann verunsichert das."

Neue Heimat in Grün
Die bayrischen Grünen boten Pauli eine neue politische Heimat an. "Wenn Gabriele Pauli eine moderne, streitbare Partei sucht, ist sie bei uns willkommen", sagte Landeschefin Theresa Schopper gegenüber der "Tageszeitung". Im Hinblick auf die Latex-Fotos der Fürther Landrätin, die im Frühjahr für Aufsehen gesorgt hatten, fügte die Grünen-Politikerin hinzu: "Outfits sind bei uns egal!"

SPD und FDP in Bayern zeigten Pauli hingegen die kalte Schulter. "Wir können uns nicht vorstellen, dass Frau Pauli in der SPD eine politische Heimat findet", sagte die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Adelheid Rupp. Ein FDP-Sprecher erklärte: "Sich in der CSU nicht mehr selbst verwirklichen zu können, ist kein Grund, in die FDP einzutreten."

(apa/red)