Nach Spendenaffäre: Mehrheit der Briten für sofortigen Rücktritt von Premier Blair

Britischer Regierungschef immer mehr unter Druck Blair bleibt stur: Wechsel an Spitze erst im Sommer

Die Mehrheit der Briten ist einer Umfrage zufolge für den sofortigen Rücktritt von Premierminister Tony Blair. In der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts ICM sprachen sich 56 Prozent der Befragten für einen umgehenden Amtsverzicht des Regierungschefs aus, der wegen einer Spendenaffäre seiner Labour-Partei zunehmend in der Kritik steht. Selbst unter den Labour-Wählern teilten 43 Prozent diese Ansicht, wie die Zeitung "Sunday Express" berichtete.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Blair im Jänner erneut von der Polizei als Zeuge in der Affäre befragt worden war. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, Labour und andere Parteien hätten wohlhabende Unternehmer als Dank für die Gewährung von Darlehen für Adelstitel und Sitze im Oberhaus vorgeschlagen. Blair war deshalb im Dezember schon einmal von der Polizei befragt worden und wurde damit zum ersten Premierminister in der britischen Geschichte, der während seiner Amtszeit in einem Strafermittlungsverfahren aussagen musste.

Der ICM-Umfrage zufolge glauben 66 Prozent der Briten, dass Blairs Büro versucht hat, im Laufe der Spendenaffäre Beweise zu vertuschen. Unter den Labour-Unterstützern wird diese Aussage von 56 Prozent der Befragten geteilt. Vor dem Hintergrund der Affäre und der unpopulären Beteiligung Großbritanniens am Irak-Krieg liegen die oppositionellen Konservativen in Meinungsumfragen mittlerweile durchweg vor Labour.

In einer Rede vor Labour-Anhängern betonte Blair, er unterschätze das Ausmaß der Probleme seiner Regierung nicht. Aber der Spendenskandal werde ihn nicht zwingen, seinen Rücktritt vorzuziehen. Der Regierungschef will im Laufe des Jahres sein Amt abgeben. Als sein Nachfolger gilt Schatzkanzler Gordon Brown. Ein Datum für diesen Schritt hat er bisher nicht genannt, aber viele Politiker erwarten den Wechsel für Juli. (APA/red)