Nach Selbstmorden: US-Gefangenenlager Guantanamo wird jetzt genau überprüft

Allerdings: Streitkräfte untersuchen Regeln selber Anwälte wollen unabhängige Häftlingsuntersuchungen

Nach den drei Selbstmorden im US- Gefangenenlager Guantanamo wollen die US-Streitkräfte die Regeln für den Umgang und die Überwachung der Insassen überprüfen. Untersucht wird, ob die Regeln befolgt wurden und ob sie geändert werden müssen, sagte Flottillenadmiral Robert Durand, Sprecher des US-Lagers auf Kuba. Die Überprüfung findet unabhängig von strafrechtlichen Ermittlungen der Marine statt.

Anwälte der Gefangenen in Guantanamo forderten die Regierung von US-Präsident Bush auf, unabhängigen Medizinern die Untersuchung der Häftlinge zu gestatten. "Guantanamo muss geschlossen werden", fügte Anwalt Gitanjali Gutierrez vom Zentrum für Verfassungsrechte hinzu. Das Zentrum vertritt hunderte Guantanamo-Insassen.

Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) rief die US-Regierung auf, unabhängige zivile Ermittlungen zu den Selbstmorden zuzulassen. Darüber hinaus müssten UNO-Experten sofort ungehinderten Zugang zu dem Lager erhalten.

Die drei Häftlinge wurden nach US-Angaben am Samstag kurz nach Mitternacht erhängt in ihren Zellen aufgefunden. Die zwei Saudiaraber und der Jemenit waren den Angaben zufolge die ersten Insassen in Guantanamo, die sich das Leben nahmen.

Nowak erwartet baldige Schließung
Der UN-Sonderberichterstatter über Folter, der Österreicher Manfred Nowak, rechnet damit, dass das US-Gefangenenlager Guantánamo noch in diesem Jahr geschlossen wird. Ein guter Zeitpunkt, um die Schließung bekannt zu geben, sei das Gipfeltreffen der USA mit der EU am Mittwoch kommender Woche in Wien, sagte Nowak im Deutschlandradio Kultur. Er rechnet aber damit, dass US-Präsident George W. Bush dann Zugeständnisse von den Europäern erwarte.

Bush könne etwa verlangen, dass die EU Häftlinge aus dem umstrittenen Lager aufnehme, meinte Nowak. "Daher ist es sinnvoll, dass jene Staaten in Europa, die mit Recht die Legitimität des Lagers in Guantánamo anzweifeln, eine gewissen Hilfestellung leisten", sagte der UN-Sonderberichterstatter.

EU-Ratsvorsitzende Außenministerin Ursula Plassnik hatte zuvor eine "offene Debatte" über das US-Gefangenenlager Guantanamo beim bevorstehenden Gipfel angekündigt - und gleichzeitig ihre Aufforderung an die USA erneuert, das Gefangenenlager zu schließen.
(apa)