Nach Schließung von US-Ölfeld in Alaska: Ölpreis erklimmt neues historisches Hoch!

Fass Brent kostete in London zeitweise 78,64 Dollar Auch Libanon-Krieg lässt Preise immer weiter steigen

Nach der vorübergehenden Schließung des größten Ölfelds der USA hat der Rohölpreis am Montag eine neuen historischen Rekordstand erreicht. Aus Sorge, dass die USA nun Öl in Europa zukaufen würden, legte der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent in London in der Nacht auf Dienstag um über zwei Dollar zu und kletterte auf einen neuen Rekord von 78,64 Dollar (61,20 Euro) je Fass. Den bisherigen Rekord hatte Öl am 14. Juli nach dem Kriegsausbruch im Libanon mit 78,40 Dollar pro Barrel erzielt.

Am Morgen gab der Brent-Preis dann wegen Gewinnmitnahmen leicht nach und notierte im frühen Handel wieder knapp unter 78 Dollar. Experten rechneten wegen der Ausfälle allerdings mit einem Anstieg des Ölpreises um bis zu zehn Dollar (7,80 Euro) pro Barrel (159 Liter) in den nächsten Wochen.

Ölmärkte mit Sorge vor Lieferengpässen
An den Ölmärkten bestimme nach wie vor die Sorge vor Lieferengpässen nach dem Ausfall des größten Ölfeldes in den USA den Handel, hieß es von Marktbeobachtern. Beim Ölpreis gebe es einen neuen Höhenflug, sagte ein Rohstoff-Analyst. Der britische Ölkonzern BP hatte am Sonntag nach einer technischen Panne das größte amerikanische Ölfeld "Prudhoe Bay" im Norden Alaskas für vermutlich mehrere Wochen oder Monate teilweise geschlossen. Mit der Stilllegung der betroffenen Pipelines wurde schon am Sonntag begonnen. 73 Prozent der Leitungen würden ersetzt, erklärte der Konzern am Montag bei einer Pressekonferenz in Anchorage. BP hatte unerwartet "schwerwiegende Korrosion" in einer Öl-Transit-Pipeline festgestellt. Durch das Leck sind nach BP-Angaben bisher schätzungsweise 800 Liter Öl ausgetreten.

Die Förderung solle erst dann in Teilen wieder aufgenommen werden, wenn keine Gefahr mehr für die Umwelt bestehe, erklärten BP-Vertreter. Die genaue Dauer des Produktionsstillstands sei offen. Analysten spekulierten jedoch über mehrere Monate.

Öl-Versorgung an US-Westküste leidet
Die Nachricht aus Alaska ließ in einem wegen Libanon-Krieg, Nigeria-Revolten und Sturmgefahren am Golf von Mexiko ohnehin verunsicherten Markt den Ölpreis regelrecht springen. Vor allem die Ölversorgung an der US-Westküste dürfte unter den Ausfällen leiden. Die US-Regierung bereitete sich bereits darauf vor, Öl aus den nationalen Notfallreserven freizugeben. Weil dies jedoch auf Grund von Verträgen mit der Internationalen Energieagentur abgestimmt werden muss, glauben Ölmarktexperten, dass die USA auch verstärkt in Europa Öl zukaufen werden.

In der Prudhoe Bay befindet sich das größte Erdölvorkommen der USA mit einem Volumen von elf Mrd. Barrel, das 1968 entdeckt wurde. Erwartet werden Ausfälle von 400.000 Barrel Öl pro Tag, was fast acht Prozent der täglichen Gesamtfördermenge in den USA entspricht. An 16 Teilstücken der Transitleitung auf der Ostseite des Feldes seien insgesamt zwölf Schwachstellen sowie ein kleines Leck festgestellt worden. Über die Kosten des Austauschs der Leitungen könnten zunächst keine Angaben gemacht werden, erklärten Vertreter des Konzerns. (apa/red)