Nach Rücktritt von Vorjahres-Triumphator Eberharter: Kitz sucht neuen "Streif-König"

Alleine der ÖSV stellt 5 Sieganwärter für Hahnenkamm Bode Miller, Lasse Kjus und Christian Ghedina lauern

Am Freitag herrschte in Kitz die berühmte Ruhe vor dem Sturm, heute soll das 65. Hahnenkamm-Spektakel dann endlich mit der klassischen Abfahrt starten. Nach dem Rücktritt von Titelverteidiger Stephan Eberharter wird ein neuer "König der Streif" gesucht - Kandidaten gibt es genug.

Alleine die rot-weiß-roten Hausherren, bei denen es auf ihrem Hausberg um die WM-Tickets für Bormio geht, stellen mit den Ex-Kitz-Siegern Hermann Maier und Fritz Strobl sowie Weltmeister Michael Walchhofer, Streif-Spezialist Werner Franz (bisher acht Stockerlplätze in Kitz) und Shooting-Star Johann Grugger zumindest fünf echte Sieganwärter.

ÖSV-Trainer Walter Hubmann, der Robert Trenkwalder im Sommer als Abfahrtscoach beerbt hat, weiß genau, worauf es heute ankommen wird. "Es gibt mehrere Schlüsselstellen. Der schwierigste Teil ist aber sicher wieder der untere mit Hausbergkante, Kompression und Traverse. Da kann viel Zeit verlieren und viel Zeit gut machen - hier wird das Rennen entschieden."

"Hochgeschwindigkeits-Eisbahn"
Für die Abfahrer könnte der bisherige Saisonhöhepunkt wie das brutale Dienstag-Training zu einer Mutprobe der besonderen Art werden. Da es kühler wird, könnte sich die Streif nach den intensiven Präparierungen in einen Hochgeschwindigkeits-Eislaufplatz verwandeln. Bedingungen, die vor allem für relativ unroutinierte Läufer wie Johann Grugger eine hohe Hürde darstellen.

Der einzige ÖSV-Abfahrts-Mehrfachsieger der laufenden Saison (Bormio, Chamonix), in Kitz zum zweiten Mal am Start, geht deshalb mit gedämpften Erwartungen ins Rennen. "Mit den Top 10 wäre ich schon zufrieden. Auf den speziellen Passagen braucht man die Routine, die mir noch fehlt." Obwohl das WM-Ticket fix in seiner Tasche ist, lässt Bormio den 23-Jährigen, der vor Kitz gute Tipps von Hannes Trinkl erhalten hat, noch kalt: "Die WM ist mir momentan scheißegal, jetzt zählt nur Kitzbühel für mich."

Weltmeister Walchhofer mit Respekt vor der Streif
Nach seinem Sieg am vergangenen Samstag in Wengen zählt Michi Walchhofer auch in Kitz zu den Topfavorits. Aber auch der Weltmeister zeigt höchsten Respekt vor dem Rennen: "Man muss allen Mut zusammennehmen, um hier gewinnen zu können." Seine Ziele für heute: "In Wengen war ich nur mit dem Sieg zufrieden, hier wäre schon ein Podestplatz sehr schön."

Das Gefühl eines Kitz-Sieges kennt Fritz Strobl im Gegensatz zu Walchhofer sehr gut. Der Olympiasieger, der den Streckenrekord hält, hat hier 1997 und 2000 gewonnen. Die Erinnerungen an die damaligen Siegerehrungen zählen zu den schönsten im Laufe seiner Karriere. "Das kann man nicht beschrieben, sondern nur genießen."

Miller und Ghedina lauern
Vier Mal Zweiter und vier Mal Dritter, kurioserweise aber noch ohne Sieg, ist Werner Franz in Kitzbühel. "Eigentlich kurios", gesteht der Kärntner, der im Training neuerlich seine besondere Kitz-Vorliebe bewies. Die schärfsten Herausforderer der Österreicher heißen Bode Miller (USA) und Kristian Ghedina (ITA), auf dessen Einlage beim Zielsprung einmal mehr gespannt gewartet wird. Ob Daron Rahlves (USA) startet, entscheidet der Streif-Sieger 2003 kurzfristig. Auch der an Asthma leidende Norweger Lasse Kjus muss wegen einer Grippe passen. Der 34-jährige Medaillen-Hamsterer ist nach der Absage des Super G bereits am Freitag wieder nach Norwegen zurückgeflogen und will sich dort auskurieren, um für den WM-Super G am 29. Jänner in Bormio wieder fit zu sein.

Graggaber von ÖSV-Arzt Resch im LKH Salzburg operiert
Der im Donnerstag-Training für die Weltcup-Abfahrt der Herren in Kitzbühel gestürzte Österreicher Thomas Graggaber ist am Freitag von ÖSV-Teamarzt und Schulterexperten Prof. Dr. Herbert Resch im LKH Salzburg operiert worden. Der gebrochene Oberarmkopf in der linken Schulter wurde bei dem eineinhalbstündigen Eingriff eingerichtet und verschraubt. Die nächsten drei Wochen muss der 24-Jährige eine Schulterbandagierung tragen. Die gebrochenen Rippen verursachten zudem eine Verletzung der Lunge, von deren Heilung Resch die Dauer des Spital-Aufenthaltes von Graggaber abhängig macht. Der Salzburger fällt für den Rest der Saison aus.

ÖSV-Aufstellung:
Andreas Buder, Werner Franz, Christoph Gruber (K), Johann Grugger, Klaus Kröll, Hermann Maier (K), Matthias Lanzinger, Benjamin Raich (K), Hannes Reichelt, Mario Scheiber (K), Georg Streitberger, Fritz Strobl, Michael Walchhofer (K)

K = startet in der Kombination

(apa)