Nach Rücktritt vom Radsport: Volksbank will mit Ullrich weiteren Schritt nach vorne

Teamchef Kofler: "Stehe hinter Menschen Jan Ullrich" Neuer Berater im März bei Teampräsentation in Wien

Jan Ullrich bleibt auch nach seinem Rücktritt vom Profi-Radsport umstritten. Dennoch will das österreichische Team Volksbank die Erfahrung und die Kontakte seines neuen Beraters dazu nutzen, um einen weiteren Schritt in Richtung Spitze zu tun. In unmittelbar operative sportliche Belange ist der unter Dopingverdacht stehende deutsche Superstar allerdings nicht eingebunden, seine Arbeit soll auch an der Basis stattfinden.

Nach Rücktritt vom Radsport: Volksbank will mit Ullrich weiteren Schritt nach vorne

"Ich stehe hinter dem Menschen Jan Ullrich", betonte Volksbank-Teamchef Thomas Kofler gegenüber der APA. Der Vorarlberger hatte sich erst am Sonntagabend - weniger als 24 Stunden vor Ullrichs live im TV übertragener Rücktrittserklärung - mit dem Tour-de-France-Sieger von 1997 geeinigt. Ullrich hatte als Fahrer sieben Angebote, auf Grund der Perspektive und des guten persönlichen Kontakts entschied er sich für Volksbank.

"Ich hätte auch zu einem größeren Team in der ProTour gehen können, aber es geht mir nicht ums Geld", erklärte Ullrich. Stattdessen wolle er, der schon in der DDR auf Grund seines außergewöhnlichen Talents gefördert worden war, der Jugend etwas zurückgeben. "Wir wollen im Radsport länger präsent sein. Jan gibt uns noch einmal einen positiven Schwung für die Zukunft, den wir mitnehmen sollten", meinte Kofler.

Welche Aufgaben der Star, der sich selbst als "Berater, Werbeträger und Repräsentant" vorgestellt hat, in der Equipe der Pro-Continental-Tour tatsächlich übernimmt, wird laut Kofler im Detail erst am Vorabend der Teampräsentation mit Ullrich am 13. März in Wien festgelegt. "Er gibt uns einige gute Möglichkeiten - im sportlichen wie im wirtschaftlichen Bereich. Wir können von ihm auf alle Fälle lernen, wie es im ganz großen Geschäft zugeht. Wir werden aber nicht plötzlich die Welt verändern. Wir arbeiten normal weiter."

Der 34 Jahre junge Teamchef verweist auch auf die Unschuldsvermutung, die für seinen angeblich in die Dopingaffäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verwickelten neuen Werbeträger gilt. Zwar habe sich auch das Team Volksbank über seine Anwälte rückversichert, es wäre laut Kofler aber "haltlos, ihm so eine Tätigkeit zu verbieten". Auch vor dem Hintergrund, das der Großteil der anderen involvierten Fahrer längst wieder Rennen bestreitet.

Das Team Volksbank war 1999 mit dem Ziel gegründet worden, zehn Jahre später als betont österreichische Mannschaft international präsent zu sein. Mittlerweile fährt einer der beiden größten österreichischen Rennställe mehrere wichtige Rennen im Ausland - darunter die Tour de Suisse und die Deutschland-Tour. "Vielleicht bekommen wir irgendwann auch die Chance auf den Giro", hoffte Kofler. "Wir wollen langfristig noch etwas nach oben. Jan kann uns dabei sicherlich helfen."

Die ProTour sei laut Kofler derzeit aber kein Thema, zumal die Eliteserie selbst höchst umstritten ist und mit den Veranstaltern der wichtigsten Rennen um ihren eigenen Fortbestand kämpft. 10 von 17 Volksbank-Fahrern kommen aus Österreich. Bekanntester Neuzugang ist der Tiroler Gerhard Trampusch, dazu treten auch der Salzburger Gerhard Glomser und der Wiener Werner Riebenbauer in die Pedale. Routinier Harald Morscher gilt als rechte Hand Koflers und war auch an der Einfädelung des Ullrich-Deals maßgeblich beteiligt.

(apa/red)