Nach geglücktem Refco-Vergleich: BAWAG präsentierte in Wien ihre Bilanz für 2005

Positiver Abschluss: 6,2 Millionen Euro Gewinn Nowotny: "Start in die Zukunft der neuen BAWAG"

24 Stunden nach dem Durchbruch für den Vergleich mit den Refco-Opfern in den USA hat die Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. ihre mit Spannung erwartete Bilanz 2005 vorgelegt. Bilanzierungsfähig wurde die BAWAG für 2005 nur mit Hilfe einer 900 Mio. Euro umfassenden Haftung der Republik Österreich. Im Zahlenwerk eins zu eins ersichtlich ist die Garantie nicht.

Die Refco-belastete Bilanz musste wegen Bewertungs-Debatten von einem neu zugezogenen Wirtschaftsprüfer ein weiteres Mal unter die Lupe genommen werden. Die jetzige druckfrische Bilanz ist Basis für den Verkauf der Bank. Der Verkaufsprozess kann nun offiziell starten.

8,9 Millionen Verlust vor Steuern
Unter dem Strich weist die von teuren Abschreibungen und Vergleichskosten geprägte Bilanz einen kleinen Gewinn von 6,2 Mio. Euro aus - im Jahr davor wies die Bank (vor der Fusion BAWAG P.S.K.) 113,3 Mio. Euro Konzernjahresüberschuss aus. Vor Steuern gab es wegen der Refco-Risikokosten 2005 aber einen Verlust von 8,9 Mio. Euro.

Nach dem Abschluss des Vergleichs in den USA trat die Bundesgarantie in Kraft. Auf Basis dieser Haftungserklärung des Bundes wurde die Bilanz der Noch-Gewerkschaftsbank vom Aufsichtsrat und von der Hauptversammlung am Nachmittag beschlossen. Für die Testierung wurden die Wirtschaftsprüfer beigezogen.

Nowotny: "Die Bank ist gut gerüstet"
Noch wartet die Bank auf die Eigenkapitalspritze durch Konkurrenzbanken und Assekuranzen. "Mit dem Abschluss aller Restrukturierungsmaßnahmen ist die Bank nun gut gerüstet, künftigen Herausforderungen zu begegnen", erklärte der seit 1. Jänner 2006 amtierende Vorstandschef Ewald Nowotny bei seiner Bilanzpressekonferenz.

Zuvor hatte der Aufsichtsrat getagt. Dessen Vizepräsidentin Dwora Stein sprach beim Eintreffen vor den wartenden Journalisten von einem Neustart für die Bank. "Ja, davon gehe ich auf jeden Fall aus".

"Start in die Zukunft"
Nowotny: "Mit der Bilanz 2005 kann ein Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen werden. Gleichzeitig ist dies auch der Start in die Zukunft der neuen BAWAG P.S.K", findet der BAWAG-Generaldirektor.

Die ganze Konzentration und Anstrengungen gälten nun wieder ausschließlich dem Bankgeschäft und den Kunden. Nowotny ist "zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, die Kunden von der neuen BAWAG P.S.K. zu überzeugen."

Die Konzernbilanz 2005 ist der erste Jahresabschluss nach der Fusion von BAWAG und P.S.K. Daher sind die Zahlen mit den Vorjahreswerten nicht direkt vergleichbar.

Operatives Geschäft "zufrieden stellend"
Die Entwicklung des operativen Bankgeschäftes war im Jahr 2005 nach Vorstandsangaben "durchwegs zufrieden stellend". Das operative Ergebnis des Jahres 2005 lag bei 217 Mio Euro. Ohne Sondereffekte im Zinsergebnis läge das operative Ergebnis, das in etwa dem Betriebsergebnis gemäß BWG entspricht, auf dem Vorjahresniveau von 280 Mio. Euro, berichtete die Bank.

Aufs Zinsergebnis (Zinsüberschuss: 663,2 Mio. Euro) hätten sich "Maßnahmen in Zusammenhang mit der Fusion von BAWAG und P.S.K." mit rund 60 Mio. Euro belastend ausgewirkt. Zudem sei die Darstellung des Ergebnisses "umgegliedert" worden. So werde der Nettozinsertrag um 7,4 Prozent unter Vorjahr ausgewiesen. Ohne diese "Sondereffekte" läge das Zinsergebnis 30 Mio. Euro über Vorjahr, so die BAWAG. Beim Provisionsergebnis gab es ein Plus von 24,2 Prozent auf 177,5 Mio. Euro. Das lag vor allem an mehr Wertpapierverkäufen.

Eigenmittell von 3,3 Milliarden Euro
Die Eigenmittel der BAWAG P.S.K.-Gruppe beliefen sich nach der vorliegenden Bilanz zum Ultimo 2005 auf 3,3 Mrd. Euro, die Eigenmittelquote bei 11,6 Prozent. Die Kernkapitalquote wurde in der ersten Bilanz nach dem Refco-Desaster mit damals 7,9 Prozent beziffert.

Die Bilanzsumme betrug zum Ultimo 57,898 Mrd. Euro, ein Plus um 2,9 Prozent. Die Spareinlagen lagen bei 18,24 Mrd. Euro, im Vergleich zu 2004 ein kleiner Zuwachs von 2,4 Prozent. Nach Auffliegen der Karibik-Verluste und Eskalation der Refco-Affäre haben im heurigen Frühjahr viele Sparer Gelder von der Gewerkschaftsbank abgezogen.

Ende 2005 beschäftigte die BAWAG P.S.K.-Gruppe 6.632 Mitarbeiter, im Jahr davor waren es 6.275 gewesen.

(apa/red)