Nach Pipeline-Blockade: Russisch-
weißrussischer Energiestreit ist beendet

Russisches Öl fließt inzwischen wieder nach Europa PLUS: Aufatmen entlang der "Druschba"-Pipeline

Nach Pipeline-Blockade: Russisch-
weißrussischer Energiestreit ist beendet

Aufatmen entlang der "Druschba"-Pipeline: Nach tagelangem Lieferstopp pumpt Russland wieder Öl über Weißrussland nach Europa. In Deutschland flossen am Vormittag die ersten Barrel aus der Pipeline. Auch Polen, die Slowakei und Ungarn meldeten die Wiederaufnahme der Lieferungen. Wegen der Blockade der Pipeline waren die Öllieferungen seit Montag früh ausgeblieben.

Die EU-Kommission und die deutsche Ratspräsidentschaft warnten Russland mit scharfen Worten vor weiteren Unterbrechungen der Energielieferungen an die Europäische Union.

Nach dem Lieferstopp hatten unter anderen die Raffinerien in Schwedt und die Total-Raffinerie bei Leuna ihre Produktion drosseln und auf Tankreserven sowie Rohstoffbelieferung über die Ostsee umstellen müssen. Beide Unternehmen kündigten an, ihre gedrosselte Produktion von Benzin, Diesel und Heizöl wieder hoch zu fahren.

Der Vizepräsident des Pipeline-Betreibers Transneft, Sergej Grigorijew, sagte der Nachrichtenagentur AP, zunächst habe Weißrussland am Mittwochabend mit der Einspeisung von Rohöl in die Pipeline begonnen, um Russland für die illegale Entnahme von 79.000 Tonnen Öl zu entschädigen. Gegen 06.30 MEZ habe dann Russland damit begonnen, Öl in die Leitung zu pumpen.

PCK-Sprecher Karl Heinz Schwellnus begrüßte die Einigung im Ölstreit. "Es läuft wieder, das ist eine gute Nachricht", sagte er. In der PCK-Raffinerie floss der Rostoff den Angaben zufolge ab 10.35 Uhr wieder. "Die Pumpen sind wieder in Betrieb", berichtete auch Total-Deutschland-Sprecherin Delphine Saucier aus Spergau.

Die Raffinerie bei Leuna hatte während des Lieferstopps Öl vom polnischen Hafen Danzig bezogen und ihre Produktion auf 70 Prozent gedrosselt; PCK war über eine Pipeline vom Ölhafen Rostock aus versorgt worden und hatte seine Auslastung auf 60 Prozent herunterfahren müssen.

"Es hätte soweit gar nicht erst kommen dürfen", sagte der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Joachim Wuermeling mit Blick auf den dreitägigen Lieferstopp. Der Vorfall habe gezeigt, "dass Energielieferungen aus Russland risikobehaftet sind". Wuermeling nahm als Vertreter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft an einem Treffen von Energie-Experten aller EU-Staaten in Brüssel teil. In einer indirekten Drohung an Moskau wies der Staatssekretär daraufhin, dass Russland auf die EU als zahlungskräftigen Kunden angewiesen sei: "Die Abhängigkeit ist eine gegenseitige."

Auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier begrüßte die Wiederaufnahme der Öllieferungen und kündigte einen Dialog über die künftigen Energiebeziehungen mit Moskau an. Er wolle nun mit Russland in einen Dialog eintreten, um die künftigen Energiebeziehungen auf eine dauerhaft verlässliche Grundlage zu stellen, erklärte Steinmeier in Berlin.

Anlass für den Lieferstopp war der Streit über eine von Weißrussland erhobene Transitgebühr für die Durchleitung von Rohöl. Daraufhin stoppte Russland am Montag die Einspeisung und beschuldigte das Nachbarland, es habe der Leitung Öl für eigene Zwecke entnommen. Unter dem Eindruck von scharfer Kritik aus Deutschland und der Europäischen Union führten die Präsidenten von Russland und Weißrussland, Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko, am Mittwoch ein Telefongespräch zur Beilegung des Konflikts. Kurz darauf erklärte die Regierung in Minsk ihren Verzicht auf die Transitgebühr in Höhe von 45 Dollar je Tonne Rohöl.

(apa)