Nach wüsten Morddrohungen: Salzburger Kreuzigungsperformance wurde abgesagt!

Weil: 'Sicherheit der Akteure nicht mehr gewährleistet' Anonyme forderten sogar Kreuzigung der Künstlerin!

Nach wüsten Morddrohungen: Salzburger Kreuzigungsperformance wurde abgesagt!

Die umstrittene Performance der polnischen Künstlerin Dorota Nieznalska, die am Karfreitag um 19 Uhr in der Salzburger Altstadt von der ARGEkultur geplant war, wurde vom künstlerischen Leiter des Projekts, Marcus Hank, aus Sicherheitsgründen abgesagt. Wegen des "entfachten Volkszorns" und der zahlreichen Anrufe, Drohbriefe und E-Mails, in denen sogar von Mord die Rede war, "ist die Sicherheit der Veranstaltung und Akteure nicht mehr gewährleistet", erklärte Hank bei einer Pressekonferenz.

"Die Performance hat bereits stattgefunden. Zu einem weit größerem Maße, als wir geglaubt haben. Salzburg hat sein säkularisiertes Opfer zu Karfreitag gebracht. Ein Kunstprojekt ist Wirklichkeit geworden", konstatierte Hank. Als Salzburger Bürger schäme er sich für "die Unart und Unweise, in welcher die letzten Tage in dieser Stadt Hetze betrieben wurde".

Von Polizei nicht verboten
Nicht die von Bürgermeister Heinz Schaden (S) mediale Drohung mit der Subventionskeule habe die Veranstalter zur Absage veranlässt, sondern der entfachte Volkszorn, der von einer kleinformatigen österreichischen Tageszeitung, vom ÖVP-Gemeinderatsklub und der Erzdiözese Salzburg geschürt worden sei. Sie hätten sich im Vorfeld der Kunstaktion zu den Hauptdarstellern dieser Aufführung auserkoren. Die Performance sei übrigens von der Polizei bisher nicht untersagt worden, obwohl die Aktion vor zweieinhalb Wochen angemeldet worden war.

Wüste Drohungen
In den Drohungen an die Veranstalter sei sogar die Kreuzigung der Darsteller gefordert und mit physischer Gewalt gedroht worden, falls "die Polaken-Sau" nach Salzburg komme. "Schlagt den Marcus Hank ans Kreuz und stellt ihn am Residenzplatz aus", habe es sogar geheißen, wurde festgestellt.

Künstlerischer Leiter droht mit Gegen-Anzeigen
Wir können es nicht verantworten, die Künstlerin nach Salzburg zu bringen, sagte Hank. "Dass Menschen mit Gewalt auf eine Kunstaktion reagieren, darauf wollen wir es nicht ankommen lassen." Er selbst und die polnische Künstlerin hätten von einem Salzburger Polizisten eine Vorladung zu einer Einvernahme wegen des Verstoßes gegen Paragraf 188 "Herabwürdigung religiöser Lehren" erhalten. Aber auch er werde jene Leute, die ihn und die Künstlerin bedroht hätten, anzeigen, so der Gesamtleiter des Projektes "ER-Lösung? Eine Glaubensprozession".

Verwirrung um Ablauf
Wie die Prozession von der Franziskanerkirche durch das Kirchenviertel beim Dom vorbei in das Haus der ARGE im Stadtteil Nonntal tatsächlich stattfinden hätte sollen, darüber hüllten sich die Veranstalter in Schweigen. Vorab hat es geheißen, Dorota Nieznalska gehe neben dem Kreuz und trage ein Schild mit der Aufschrift "Opfer", bevor sie im Nonntal nackt an das Kreuz gebunden werde. (APA/red)