Nach heftiger Kritik: Oettinger distanziert sich von umstrittener Passage in Trauerrede

"Ich halte meine Formulierung nicht aufrecht" Nazi-Richter in Rede als Nazi-Gegner hingestellt

Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger hat sich von umstrittenen Passagen in seiner Trauerrede für seinen Vorgänger Hans Filbinger distanziert. Dabei geht es vor allem um die Formulierung, wonach Filbinger ein Gegner des Nazi-Regimes gewesen sei. "Ich halte meine Formulierung nicht aufrecht", sagte Oettinger am Rande einer CDU- Präsidiumssitzung in Berlin.

Er fügte mit Blick auf die Kritik an seiner Aussage hinzu: "Ich distanziere mich davon und glaube, dass damit alles gesagt worden ist." Oettinger hatte dies in einer Trauerrede für seinen Amtsvorgänger in Baden-Württemberg und in Interviews geäußert.

Zuletzt hatte er sich entschuldigt, falls er die Verfolgten und Opfer des NS-Regimes verletzt haben sollte. Er bekräftigte, er habe sich in der "Bild"-Zeitung bei den Verfolgten, Angehörigen und den Opfern der NS-Zeit öffentlich entschuldigt. "Dieses war mir und das ist mir ernst, und ich wiederhole es hiermit." Filbinger hatte er aber weiter in Schutz genommen, auch wenn dieser kein Widerstandskämpfer gewesen sei.

Bei der Trauerfeier hatte Oettinger gesagt, Filbinger sei ein Gegner des Nationalsozialismus gewesen. Damit hatte er heftige Kritik von vielen Seiten auf sich gezogen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich als CDU-Vorsitzende schließlich dafür ausgesprochen, eine von Oettinger zuvor ausgesprochene Entschuldigung wegen seiner umstrittenen Trauerrede zu akzeptieren.

Filbinger war am 1. April im Alter von 93 Jahren gestorben. Er hatte 1978 von seinem Amt zurücktreten müssen, nachdem bekannt geworden war, dass er kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges als Marinerichter an Todesurteilen gegen Deserteure mitgewirkt hatte. (apa/red)