Nach manipulierten Kriegsbildern: Debatte über die Authentizität der Fotos aus Nahost

Libanesischer Fotograf bearbeitete Bild im Nachhinein

Seit knapp einem Monat schlagen im Libanon und in Israel Bomben und Raketen ein. Bilder von den Zerstörungen, von Rettern und Opfern gehen um die Welt und wecken Entsetzen, Mitleid, Wut oder Empörung. Einige Kriegsfotos haben aber auch Zweifel an ihrer Echtheit und Authentizität ausgelöst, wie sich in zahlreichen Meinungsäußerungen im Internet und in Medienkommentaren zeigt. Dass solche Zweifel berechtigt sein können, belegt der Fall eines libanesischen Fotografen, der ein Foto vom bombardierten Beirut am Computer nachbearbeitet hat, so dass der Rauch dunkler und dramatischer wurde. Die Folge: Die Nachrichtenagentur Reuters trennte sich von ihm und zog seine Fotos aus dem Verkehr.

Viel diskutiert werden derzeit auch mehrere Bilder verschiedener Fotografen, die nach dem israelischen Luftangriff auf Kana am 30. Juli veröffentlicht wurden. Sie zeigen jeweils einen Mann, der ein totes Kind trägt und teilweise den Kameras entgegen hält. Die Bilder wurden von Nachrichtenagenturen verbreitet und in vielen Zeitungen gedruckt, teils auf der Titelseite. Danach setzte eine Diskussion in Weblogs und Medienkommentaren ein, in der von gestellten Fotos die Rede ist. Es fiel auf, dass auf den Bildern immer dieselben beiden Männer zu sehen waren, von denen jeweils einer eine Kinderleiche durch die Trümmer trug. Doch die Fotografen der großen Agenturen bekräftigten, dass für sie dort nichts inszeniert wurde, und die Agenturen erklärten, sie seien sich ihrer Verantwortung bewusst.

Unabhängig von der Echtheit der Bilder stellt sich für viele Medien die Frage, ob es nötig und richtig ist, Fotos von toten Kindern und wehklagenden Angehörigen zu drucken oder auf dem Bildschirm zu zeigen. Während etwa die "tageszeitung" ("taz") oder die "Hamburger Morgenpost" ("Stoppt dieses Grauen!") bewusst mit dem Foto des Mannes mit der Kinderleiche aufmachten, entschieden sich "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und "Frankfurter Rundschau" (FR) ebenso bewusst dagegen. Und der "Rheinische Merkur" hielt dem Ersten Deutschen Fernsehen (ARD) vor, in ihrem "Brennpunkt" zum Thema Kana Bilder ausgestrahlt zu haben, mit denen sie "der Hisbollah in die Hände" spiele.

Die Medien seien immer Teil eines solchen Krieges, betonte der Medienwissenschaftler Hans Joachim Kleinsteuber im NDR-Medienmagazin "Zapp". Die Journalisten müssten sehr aufpassen, dass sie nicht von der einen oder der anderen Seite funktionalisiert würden. Auch "FR"-Textchef Stephan Hebel sieht "große Gefahren". Man wolle Israel weder "platt anprangern" noch "unkritisch verteidigen". (apa/red)