Nach schwerer Krankheit: Publizist Günther Nenning im Alter von 84 Jahren gestorben

Umweltaktivist und Querdenker arbeitete bis zuletzt Sah sich als "Rot-Grün-Halbschwarzer". Plus: <b>Porträt</b>

Nach schwerer Krankheit: Publizist Günther Nenning im Alter von 84 Jahren gestorben

Günther Nenning (84) ist tot. Der streitbare Publizist habe an seinem Tiroler Alterssitz bis zuletzt geschrieben, "nur im letzten Monat hat er dann kaum mehr gearbeitet", erklärte sein Sohn Leopold Nenning gegenüber der Stadtzeitung "Falter". In der Nacht von Sonntag auf Montag verstarb Günther Nenning in der kleinen Tiroler Ortschaft, in die er sich zurückgezogen hatte. "Nach nicht allzu langer, schwerer Krankheit", so sein Sohn.

Nenning, der Zeit seines Lebens immer für einen Wirbel zu haben war, soll nach seinem letzten Wunsch von der Familie "in aller Stille" außerhalb von Wien beigesetzt werden. Polarisierender Querdenker, grüne Gallionsfigur, launiger "Club 2"-Gastgeber und Hans Dichands "linker Verbinder" im Krone-Kolumnistenstab - Günther Nenning vereinte Gegensätze in sich. Er selbst hat sich einmal als einen "Rot-Grün-Halbschwarzen" bezeichnet und in den weltanschaulichen politischen Lagern des Landes immer wieder gerne für ideologische Verwirrung gesorgt.

Zuletzt hatte Nenning mit dem Literaturprojekt "Austrokoffer" für Diskussionen gesorgt. Das Projekt sollte die österreichische Literatur nach 1945 in 18 Bänden beinhalten. Allerdings waren dann 50 österreichische Autoren aus unterschiedlichen Gründen abgesprungen. Im Krone-Konflikt zwischen Herausgeber Hans Dichand und dem WAZ-Konzern hatte sich Nenning mit dem Titel "Die Krone muss österreichisch bleiben" auf die Seite Dichands geschlagen.

Politiker würdigen Nenning
Hochrangige Politiker haben Nenning gewürdigt. ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erklärte, Österreich habe "einen seiner wachsten und beherztesten Publizisten verloren, einen ebenso kritischen wie volksverbundenen Schriftsteller und einen zutiefst sozial engagierten Menschenfreund". Der Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl betonte, "mit Günther Nenning hat unsere Gesellschaft einen wirklich Streitbaren verloren, der uns besonders als Umweltaktivist gegen die Atomkraft und gegen die Verbauung der Hainburger Au in Erinnerung bleiben wird".

Der Bundeskanzler verwies auch darauf, dass sich Nenning noch im letzten Jahr mit der 21-bändigen Anthologie "Landvermessung" ein Denkmal gesetzt habe. "Es war ein letzter unvergessbarer Dienst an österreichischen Literatur, die Günther Nenning seit 1945 mitgelesen, mitgeschrieben und mitgefördert hat." Schüssel erinnerte auch an Nennings langjähriges Wirken als Präsident der Journalistengewerkschaft: "Dass der ÖGB einen Intellektuellen von Nennings Kreativität und Eigensinn nicht in seinen Reihen dulden wollte, hat damals viele politisch Interessierte bestürzt."

Würdigungen kamen u.a. auch von Kunststaatssekretär Franz Morak (V) - "In Günther Nenning spiegelt sich der Geist und der Zeitgeist der Zweiten Republik wie in sonst keiner anderen Person in diesem Lande wider" - und von NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll (V) - "Mit Günther Nenning verliert die Dorferneuerungsgemeinde in Niederösterreich einen treuen Wegbegleiter und einen unermüdlichen Kämpfer für die kleine Einheit."

(apa/red)