Nach Karenzjahren: Jede fünfte Mutter ersehnt sich beruflichen Neuorientierung

Darunter vor allem niedriger qualifizierte Frauen AK-Studie: Umschulungspläne kaum umgesetzt

Jede fünfte Mutter in Karenz meint, dass eine komplette berufliche Neuorientierung für sie gut wäre - unter ihnen vor allem niedriger Qualifizierte. Das ist das Ergebnis einer Studie der Arbeiterkammer Wien, die sich auf mehr als 1.170 Antworten von Personen stützt, die sich in Elternkarenz befanden. Nur elf Prozent können die Umschulungspläne allerdings in die Tat umsetzen.

Fast 80 Prozent würden den Wiedereinstieg während bzw. nach der Karenz planen, erklärte Johanna Ettl, stellvertretende Direktorin der Arbeiterkammer Wien, bei einem Pressegespräch am Montag. Fast jede fünfte Frau sei bereits während der Karenz berufstätig. 57 Prozent der Befragten haben bereits ihre Rückkehr mit dem Arbeitgeber vereinbart, 22 Prozent erklärten mit Sicherheit, sich einen neuen Arbeitgeber suchen zu wollen.

Dabei hat laut Ettl das Bildungsniveau einen beträchtlichen Einfluss auf die Rückkehr zu alten Job: So planen lediglich 39 Prozent mit einem Pflichtschulabschluss, aber immerhin 60 Prozent mit einem Fachhochschul- bzw. Universitätsabschluss eine Rückkehr zu ihrem bisherigen Arbeitgeber. Für fast alle sei Weiterbildung "ungemein wichtig", so Ettl. So gaben 96 Prozent an, dass Fortbildung sehr wichtig oder wichtig sei. Nur 21 Prozent erklärten allerdings, dass sie sicher an einer Weiterbildung teilnehmen werden. Die Gründe sieht Ettl unter anderem in den mangelnden Kinderbetreuungsangeboten bzw. in den Kosten für die Weiterbildung.

Denn die Mehrheit der in Karenz Befindlichen muss sich die Weiterbildung selbst zahlen: 59 Prozent tragen die Kosten zur Gänze alleine, bei zwölf Prozent übernimmt der Betrieb die Bildungskosten und 29 Prozent organisieren ein Kofinanzierungsmodell aus mehreren Financiers. Darunter würden etwa Angebote des Wiener Arbeitenehmerförderungsfonds (WAFF) oder AK-Bildungsgutscheine fallen, erklärte Ettl. Generell gelinge der Wiedereinstieg bei höherer Qualifikation und kürzerer Karenzdauer leichter, betonte Ettl.

Der Staat solle mehr Mittel in die Hand nehmen, um Weiterbildung zu fördern, verlangte sie. Vom Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend soll es nach AK-Vorstellung außerdem ein "Rückkehrinformationspaket" zum ersten Geburtstag des Kindes geben, um Arbeiternehmer in Elternkarenz zu beraten. Auch die Betriebe sollten die Weiterbildung der Beschäftigten stärker fördern.

Ausgeschickt wurden für die Befragung rund 18.000 Fragebögen an alle AK-Mitglieder in Elternkarenz, von denen mehr als 1.170 beantwortet wurden. Dabei stellen Männer, die sich um den Nachwuchs kümmern, nach wie vor eine Rarität dar: Lediglich 19 von ihnen nahmen an der Befragung teil.
(apa/red)